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Faszination? U-Boot - Gefangene Wölfe

 

Gefangene Wölfe
© Paul Carell-Günter Böddeker / Die Gefangenen - Leben und Überleben deutscher Soldaten hinter Stacheldraht / Ullstein Verlag Frankfurt/M. / © by Webmaster
 
Fortsetzung

Dorffriedhof von Hawkshead
Der stille Dorffriedhof von Hawkshead mit dem Grab des I.W.O. von U 570, Bernhard Berndt. Ein Ehrengericht hatte Berndt der "Feigheit vor dem Feinde" bei der unversehrten Übergabe von U 570 an die Engländer für schuldig befunden. Zu seiner Rehabilitierung unternahm er einen tollkühnen Fluchtversuch. Dabei wurde er erschossen. (Bericht Seite 1)

Wer das Unglück hatte, noch in letzter Minute in amerikanische Gefangenschaft zu geraten, als der Krieg dem Ende zuging und der Rausch des Sieges die Rücksichten auf die Völkerrechtsregeln und die Sorge vor deutschen Repressalien überdeckte, hatte meistens andere Erlebnisse als die Veteranen unter den Gefangenen in den amerikanischen Lagern.
Das U-Boot 546, unter dem Kommando von Kptltn. Paul Just, wurde von amerikanischen Seestreitkräften am 24. April 1945, nördlich der Azoren nach schweren Beschädigungen durch Wasserbomben zum Auftauchen gezwungen. Niemand konnte zur Gegenwehr an die Kanonen. Und Just befahl deshalb: Alle Mann außenbords.
Just, der Erste Offizier Schönreich, Bootsarzt Dr. Rudolf und die noch rausgekommenen Männer der Besatzung wurden von den Amerikanern gerettet und auf einer Fregatte in Neufundland an Land gebracht. Zu ihrer Überraschung kamen Kommandant und Besatzung ins Gefängnis. Hunger, Grobheit, Schikane bestimmten die ersten Tage. Dann kam die Vernehmungstour. Der Kommandant und die Besatzung weigerten sich, militärische Auskünfte zu geben.
Was kam jetzt? Es kam körperliche Folter schlimmster Art. Sie wurden in andere Verhörlager gesteckt. Die Behandlung blieb die gleiche.
Warum tun diese Ami-Soldaten das? So fragte sich Just in quälenden Nächten. Er sollte bald eine Antwort erhalten.
Als er wieder vor dem Vernehmungsoffizier steht, protestiert er gegen die Behandlung. Just ist erregt. "Was wollen Sie von uns? Warum lassen Sie uns immer noch quälen? Der Krieg ist aus, was soll diese Barbarei?" Die Antwort ist dieselbe wie vor Wochen, nur das damals noch Krieg war.
Informationen will der Ami. Auskünfte über U 546. Denn der amerikanische Vernehmungsoffizier schreibt einen Bericht über die deutschen U-Boote. Just begreift; und da er Wochen nach der Kapitulation keinen Grund mehr sieht, die Informationen zu verweigern, sagt er zu, sie zu geben, wenn die Quälerei an ihm und seinen Männern sofort aufhöre. Sie hörten von Stund an auf. Die Wochen der verschärften Verhöre waren zu Ende.
"Normale" Kriegsgefangenschaft begann. Kriegsgefangenschaft in den bekannten Lagern in Texas, dem berühmten Lager Little Rock in Arkansas, berühmt wegen seiner Lager-Universität für die 10 000 hier untergebrachten deutschen Offiziere aller Waffengattungen, berühmt wegen seines Lager-Theaters, seines Orchesters und, seines Zoos. Freilich, die auch in Arkansas durchsickernden Nachrichten über die entdeckten deutschen KZs wirkten sich auch hier auf die Ernährung und die Haltung der Amerikaner aus. Und diese Wandlung war es wohl, die den Amerikanern den Wortbruch leicht machte, ihre Gefangenen nicht nach Hause, sondern erst nach Frankreich zum Arbeitseinsatz zu überstellen.
Auch Kptltn. Paul Just mußte den Weg über Atticjy, Erdlöcher, Hunger und Sklavenarbeit gehen, ehe er 1946 in Bayern, zu Hause landet.

Grabsteine hingerichteter deutscher Soldaten Die schmucklosen Grabsteine der sieben als "Fememörder" in Fort Leavenworth hingerichteten deutschen Soldaten
Am frühen Abend des 6. August 1943 stand das deutsche U-Boot U 615 vor der Küste von Südamerika, 200 Meilen östlich von Curacao. Kommandant war der Kptltn. Ralph Kapitzki. Unter den 60 Männern seiner Besatzung waren fünf Matrosen, die von diesem Tag an durch seltsame Fügungen aneinander gekettet wurden, bis in den Tod an einem amerikanischen Galgen:
Helmut Fischer, 21 Jahre alt, Fritz Franke, 20 Jahre alt, Günther Külsen, 21 Jahre alt, Rolf Wizuy, 22 Jahre alt, und Bernhard Reyak, 20 Jahre alt.
An jenem 6. August 1943 fuhr U 615 über Wasser. Plötzlich stieß mit der Sonne im Rücken ein amerikanischer Bomber auf das deutsche Boot herab. Er warf Wasserbomben. Den U-Boot-Leuten gelang es, die abdrehende Maschine mit der Bordkanone abzuschießen. Doch eine Wasserbombe hatte auch U 615 weidwund geschlagen. Ein Leck im Heck machte es tauchunklar. Im Morgengrauen des 7. August 1943 fuhr der US-Zerstörer Walker mit Höchstfahrt auf U 615 zu. Kptltn. Kapitzki gab seinen letzten Befehl: Alle Mann von Bord. Die Mannschaft kletterte in die Schlauchboote. Der Kapitänleutnant selbst verschwand im Rumpf des Bootes. Er flutete die Tanks. Mit seinem Kommandanten an Bord sank U 615 auf den Grund der Karibischen See.
43 deutsche U-Boot-Männer überlebten. Sie wurden nach Fort Meade bei Washington transportiert. Dort versuchten amerikanische Abwehr-Offiziere, die gefangenen Seeleute nach Einzelheiten über die U-Boot-Waffe auszuforschen.
Alle 43 Gefangenen wurden in Einzelzellen gesperrt, mit der Ausnahme von Rolf Wizuy. Er teilte seine Zelle mit einem deutschen U-Boot-Mann, der sich als Obermaat Leimi vorstellte. Er habe zur Besatzung des deutschen U-Bootes 118 gehört, das am 12. Juni 1943 im Atlantik von Amerikanern aufgegriffen und versenkt worden war. Tatsächlich war der Mann auf U 118 gefahren. Aber er war in Wirklichkeit nicht der Obermaat Leimi, sondern der Gefreite Drechsler. Und er arbeitete jetzt für Amerikas Geheimdienst.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen der Amerikaner blieb das Geheimnis des Spions nicht gewahrt. Mit dem untrüglichen Instinkt der Unterdrückten hatten die Gefangenen den Spitzel gewittert und enttarnt.
Ein amerikanischer Vernehmungsoffizier notierte daher alsbald in einem Aktenvermerk: "Drechsler ist so kooperativ, daß er niemals in ein Lager geschickt werden sollte, in dem andere deutsche Kriegsgefangene von der Marine sind."

Doch es kam anders:

Nie ist herausgekommen, was die Amerikaner bewogen hat, den damals 21jährigen Drechsler nach Papago-Park zu transportieren, obwohl er enttarnt war.

Nach dem Appell suchte Drechsler sein Feldbett auf. Um 18:30 Uhr ging die Tür auf. Die fünf Männer von U 615 drängten herein und stellten sich an Drechslers Bett auf. Drechsler blieb nichts anderes übrig, als seine Identität mit dem Spitzel von Fort Meade preiszugeben.

Die fünf von U 615 fällten das Urteil: "Tod durch den Strang für den Verräter."

Aus den fünf wurden sieben Verschwörer, die den Tod von Drechsler zu verantworten hatten.

Es war 22:00 Uhr am Sonntag, den 12. Mai 1944.

Genau um diese Zeit wurde, wie jeden Abend, das Licht in den Baracken ausgeschaltet. Vollständige Dunkelheit lag über dem Lager Papago-Park, als Werner Drechsler starb.

Einen Tag später wurde der Mord von den Amerikanern entdeckt.

Mord an einem Gefangenen! Mitten im Lager! Wer hat das getan, wer von 600 Verdächtigen?

Durch Verhöre und Geständnisse erhielten die Amerikaner die Identität der sieben Männer: Helmut Fischer, Günter Külsen, Fritz Franke, Heinrich Ludwig, Bernhard Reyak, Otto Stengel, Rolf Wizuy. Alle sieben waren U-Boot-Fahrer gewesen.

Am 16. August 1945, wenige Tage nach dem von ihm befohlenen Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, bestätigte Präsident Harry S. Truman die Todesurteile gegen die deutschen U-Boot-Fahrer:

"Tod durch den Strang"

Um 2:48 Uhr am 26. August 1945 starb der letzte, Rolf Wizuy.


"400 000 Kriegsgefangene gab es im deutsch-französischen Krieg 1870/71,
achteinhalb Millionen im Ersten Weltkrieg, 35 Millionen im Zweiten"

+++ Weit mehr als fünf Millionen alliierte Soldaten waren während des Zweiten Weltkriegs Gefangene der Deutschen. Ihr Schicksal unterscheidet sich in vielfacher Weise von dem Geschick deutscher Gefangener, zugleich aber sind bemerkenswerte Übereinstimmungen festzustellen: So wie deutsche Kriegsgefangene im westlichen, das heißt amerikanischem und britischem Gewahrsam vor Kriegsende weit besser davonkamen als jene Soldaten, die in russische Lager gesperrt wurden, so haben die Deutschen gefangene Engländer und Amerikaner in aller Regel besser behandelt als die Soldaten der Roten Armee, die in millionenfacher Zahl gefangen wurden oder überliefen +++      

Fritz Guggenberger
Ein Händedruck mit US-Präsident Eisenhower. Fritz Guggenberger, 1958 Fregattenkapitän der Bundesmarine, bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten

 

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