Teilt man die 26 Buchstaben des Alphabetes in drei Gruppen auf, zwei Gruppen mit je neun und eine Gruppe mit acht Buchstaben, so endet die erste Gruppe bei "I", die zweite bei "R":
1. Gruppe: "A" bis "I als Anfangsbuchstabe bedeutet: . des Morsealphabets;
2. Gruppe: "J" bis "R" als Anfangsbuchstabe bedeutet: - des Morsealphabets;
3. Gruppe: "S" bis "Z" als Anfangsbuchstabe bedeutet: / nämlich ein Trennungszeichen.
Aus den Buchstaben i und r wurde das Merkwort "Irland" gebildet. Man mußte jetzt nur noch das Morsealphabet (das jeder U-Boot-Kommandant selbstverständlich beherrschte) kennen, um mit der Geheimschrift arbeiten zu können.
Als der U-Boot-Krieg begann, wurde die Aufgabe gestellt, eine Geheimschrift auszuarbeiten, die es den in Gefangenschaft geratenen U-Boot-Kommandanten ermöglichen sollte, auf dem Wege über die normale Kriegsgefangenenpost, trotz aller Zensur, Nachrichten an den BdU gelangen zu lassen oder Geheimnachrichten zu empfangen. Der BdU wollte etwas darüber erfahren, wo und auf welche Weise der Kommandant in Gefangenschaft geraten war, wie und mit welchen Waffen sein Boot versenkt wurde.
Verborgen im offenen Text enthielten die Gefangenenbriefe geheime Nachrichten, über das Morsealphabet in den Anfangsbuchstaben der Textworte versteckt. So war es z.B. dem Satz: "Meine Kameraden und auch ich waren lange in Sorge, denn wir..." keineswegs anzusehen, daß er das Wort "Mine" enthielt. Die Lösung war so: Das erste Wort begann mit m, gehörte damit zur zweiten Alphabetgruppe, es stellte somit, wie alle Buchstaben dieser Gruppe, den Strich eines Morsebuchstabens (-) dar. Das zweite Wort, mit k beginnend, gehörte der gleichen Gruppe an, repräsentierte also ebenfalls einen Morsestrich. Es folgt "und"; mit u beginnende Worte gehören zur dritten Alphabetgruppe, die ein Buchstabentrennungszeichen = (/) ausdrückten. Erkannt war jetzt der Morsebuchstabe-- = m. "Auch" und "ich" ergaben, da zur ersten Buchstabengruppe des Alphabets gehörend, je einen Punkt (.) des Morsealphabets, "waren" wieder ein Trennungszeichen. Der zweite Geheimbuchstabe lautete also: .. = i. So ging es weiter, bis sich der gesamte Geheimtext, hier also das Wort "Mine", herausgeschält hatte. Um dieses kurze Wort in Geheimschrift auszudrücken, waren allerdings elf Textworte nötig. Lange Romane ließen sich also schlecht mit dem Verfahren übermitteln, dafür wurde aber der Vorteil gewonnen, daß der Absender in der Wahl seiner Textworte einige Freiheit hatte und nicht zu völlig verkrampften Redewendungen gezwungen wurde. Das gleiche Geheimwort konnte in tausend verschiedenen Texten stehen. Es machte nichts aus, wenn der mißtrauische Zensor nicht den Originalbrief, sondern eine Schreibmaschinenkopie davon beförderte; es störte auch nicht sehr, wenn er einzelne Worte oder Satzteile unleserlich machte.
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