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Faszination? U-Boot - U 35: eine vorbildliche Konstruktion

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U 35: eine vorbildliche Konstruktion

Unterseeboot U 35
U 35 wurde unter dem Kommando von Lothar von Arnauld de la Periere, dem Inbegriff deutscher U-Boot-Asse, das bei weitem berühmteste Boot des Ersten Weltkrieges. Abgesehen von seinen Erfolgen gab es auf U 35 aber kaum Besonderheiten. Tatsächlich war es das Musterbeispiel einer bemerkenswerten Klasse von Schiffen, die zu Hunderten für die Flotte des Kaisers gebaut wurden.
Im Jahre 1913 in Kiel vom Stapel gelaufen, maß U 35 in der Länge 64,70 Meter, in der Breite 6,32 Meter und wies, vom Kiel bis zum Oberdeck gemessen, eine Höhe von 3,56 Meter auf. Bei einer Wasserverdrängung von 878 Tonnen in getauchtem Zustand trug es in Bug und Heck je zwei Torpedorohre und konnte insgesamt sechs Torpedos mitführen. Zwei Dieselmotoren mit je 1 850 PS Leistung trieben die Doppelschrauben an und luden die Akkumulatoren auf.
U 35 und seine Schwesterboote stellten eine bewundernswerte technische Leistung dar. Mit ihm konnten Unternehmen durchgeführt werden, von denen sich in früheren Kriegen nur träumen ließ - unter die Oberfläche der See tauchen und Schiffe von zehnfacher, ja zwanzigfacher Größe angreifen. Zudem und im Gegensatz zu den Unterseebooten anderer Nationen waren U 35 und seine Schwesterboote bei aufgetauchter Fahrt hervorragend handige Fahrzeuge.
Um dem ernormen Wasserdruck in der Tiefe widerstehen zu können, mußte der Schiffskörper eines Unterseebootes nach den Gesetzten der Hydrostatik wie ein an beiden Enden verjüngtes Rohr geformt sein. Großbritannien und seine Alliierten bauten röhrenförmige U-Boote, die getaucht gut zu handhaben waren, an der Oberfläche jedoch rollten und schlingerten. Die Deutschen hingegen verkleideten den inneren, röhrenförmigen Druckkörper mit einer zweiten Hülle, die die Form eines schlanken Torpedos aufwies. Diese äußere Schiffsform gestattete den deutschen Unterseebooten mit etwa 18 Knoten Fahrt durch die Wellen zu schneiden und noch in einem Seegang ruhig zu liegen, der röhrenförmige U-Boote zwang, unter Wasser Zuflucht zu suchen.
Tauchte das Unterseeboot, füllte sich der Zwischenraum beider Hüllen mit Wasser, und die äußere Hülle war keinem Druckunterschied ausgesetzt. Wegen ihrer Ausformung als Überwasserschiff waren Zweihüllenboote unter Wasser schwieriger zu handhaben als die röhrenförmigen Einhüllenboote. Andererseits blieb dieser Nachteil unbedeutend, denn ein Unterseeboot auf Feindfahrt verbrachte fast seine ganze Zeit an der Wasseroberfläche und tauchte nur, um anzugreifen oder um sich zu verbergen.
Bis in die allerletzten Tage des Krieges bemühten sich die Konstrukteure der deutschen U-Boote um Verbesserungen. Sie machten sie länger, gaben dem Bug eine ausladendere Form und montierten schwere Geschütze. All dies blieben aber nur kleine Änderungen, die die Werften nicht daran hinderten, am laufenden Band neue Einsatzboote zu produzieren. Der Grundentwurf war so vorbildlich, daß Jahre später, als Deutschland wieder in den Krieg zog, sich die eingesetzten U-Boote nicht wesentlich von U 35 unterschieden.
Querschnitt durch U 35
Der Querschnitt durch U 35 läßt die Form der Außenhülle erkennen sowie den kreis- förmigen inneren Druckkörper und die wie Satteltaschen angebrachten Tauchtanks.
Für die deutsche Marine hatte die Bewaffnung der U-Boote Vorrang vor jeder Tauglichkeit als Unterkunft für die Mannschaft. Jede Tonne Schiffsgewicht hatte in erster Linie der Erhöhung der Kampfkraft des Unterseebootes zu dienen - für Waffen und Zubehör, zur Mehrung der Feuerkraft, der Geschwindigkeit und des Aktionsradius. Die 35 Mann starke Besatzung mußte sich dementsprechend mit den engen Räumen abfinden, die die Maschinerie übrigließ.
Der Kommandoturm, der Schiffshülle in der Mitte aufsitzend, bildete zusammen mit der direkt unter ihm liegenden Zentrale das Nervenzentrum eines U-Bootes. Zwei Seerohre, eines für den Torpedoschuß, das andere für die Schiffsführung, wurden aus dem Turm heraus bedient, wo sich der Kommandant während einer Kampfhandlung aufhielt. Damit deren Linsen beim Tauchen des Bootes nicht beschlugen, waren die Periskoprohre mit trockener Luft gefüllt und versiegelt. Um Wassereinbruch zu verhindern, wenn in einem Gefecht der obere Teil des Seerohres abgeschossen wurde, hatte man das Seerohr auf halber Höhe mit einer dicken Glasplatte unterteilt. Ein Luk verband Turm und Zentrale, von welcher aus der Leitende Ingenieur und seine Maschinisten die Antriebsmaschinen, Tauchtanks und Tiefenruder bedienten. Wenn U 35 tauchte, wurden diese drei Systeme in Abstimmung miteinander gefahren. In die außerhalb des Druckkörpers liegenden Tauchtanks (Querschnittszeichnung rechts) wurde genügend Wasser eingelassen, um das Boot in Tauchtrimm zu bringen - das heiß, fast bis zum Sinken. Dann trieb man das Boot mit Maschinenkraft und Tiefenrudern vorwärts und abwärts. Getaucht behielt das Unterseeboot im allgemeinen den Zustand des Nullauftriebs bei und kehrte auf dieselbe Weise wieder an die Oberfläche zurück. Im Notfall konnte das Wasser aus den Tauchtanks mit Preßluft ausgeblasen werden, was einen schnellen Aufstieg zur Folge hatte. Hinter der Zentrale, zugänglich durch ein Kugelschott in einer kräftigen Schottwand, lag der Maschinenraum, in dem die Dieselmotoren für den Überwasserantrieb standen. Hinter dieser Abteilung folgte der stille Raum für die Elektromotoren, die das U-Boot bei Tauchfahrt antrieben (hätte man unter Wasser die Dieselmotoren weiterlaufen lassen, wäre die Luft im Bootskörper in wenigen Sekunden verbraucht worden). Die Akkumulatoren für die Elektromotoren lagen im Boden dieser Abteilung. Bei voller Aufladung konnten sie das U-Boot fast zwei Stunden mit einer Geschwindigkeit zwischen sechs und acht Knoten in Fahrt halten. Über eine Umkehrkupplung ließen sich die Elektromotoren an die Dieselmotoren anschließen. Wenn also die Akkumulatoren wieder aufgeladen werden mußten, tauchte das Boot auf, und die Diesel drehten die Elektromotoren in Gegenrichtung, wodurch sie als Generatoren arbeiteten. In Bug und Heck des U-Bootes befanden sich die beiden Torpedorohrsätze, die die gefürchteten Schläge bewirkten, und verteilt über das ganze Boot lagen die winzigen Räume, in denen die Besatzung lebte und arbeitete.

U-Boot Typ:
Zweihüllen-Hochsee-Boot U 31 - U 41
Verdrängung: 685 t (über Wasser)
878 t (unter Wasser)
Länge: 64,70 m
Breite: 6,32 m
Tiefgang: 3,56 m
max. Tauchtiefe: 50 m
Tauchzeit: 50-100 s
Antrieb: Dieselmotoren 2 x 925 PS
E-Maschinen 2 x 600 PS
Geschwindigkeit: 16,4 kn (über Wasser)
9,7 kn (unter Wasser)
Fahrbereich: 8.790 sm bei 8 kn (über Wasser)
80 sm bei 5 kn (unter Wasser)
Bewaffnung: 2 Bugrohre, 2 Heckrohre
6 × 50 cm Torpedos

Artillerie:
1 x 75 mm (1914-1915)
1 x 88 mm (1915-1916)
1 x 105 mm (1916-1918)

Besatzung:
4 Offiziere
31 Mannschaften

Einsätze: 24:
2 Aufklärungsfahrten
20 Handelskiegsfahrten
2 Überführungsfahrten

Erfolge:
224 versenkte Handelsschiffe mit insgesamt 535.900 BRT
2 Kriegschiffe versenkt mit insgesamt 2.500 t

Verbleib:
Am 26. November 1918 an England ausgeliefert, 1919-20 in Blyth abgewrackt.
S.M. U 35 (Seiner Majestät U 35) war ein Unterseeboot (genauer Tauchboot) der deutschen Kaiserlichen Marine.
Es gilt als das bis heute erfolgreichste U-Boot der Welt.

Geschichte:
Bei den Entwürfen zum Zweihüllen-Hochsee-Boot Typ U 31 - U 41 handelte es sich um Entwürfe der Germaniawerft. Maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung dieses Typs war der Ingenieur Hans Techel. Aus diesen Entwürfen leiteten sich auch die Zweihüllen-Hochsee-Boote Typ U 51 - U 56, U 63 - U 65 und U 81 - U 86 ab. U 35 wurde am 29. März 1912 bei der Germaniawerft Kiel in Auftrag gegeben. Es sollte bereits am 1. März 1914 ausgeliefert werden. Aufgrund Verspätungen beim Bau der Germaniawerft-Zweitakt-Dieselmotoren konnte das Boot aber erst am 18. April 1914 vom Stapel laufen. Die Indienststellung erfolgte am 3. November 1914 unter Kptlt. Waldemar Kophamel. Leitender Ingenieur war Marineingenieur Hans Fechter. Es wurde der II. Flottille unterstellt welche in Helgoland stationiert war.

Einsätze:
Seine ersten beiden Einsätze absolvierte U 35 vom 19. bis zum 21. und vom 24. bis zum 26. Januar 1915. Hierbei handelte es sich um Aufklärungseinsätze in der Nordsee. Es folgten drei Feindfahrten auf denen 17 Handelsschiffe mit insgesamt 25.716 BRT versenkt wurden. Anschließend wurde es zusammen mit S.M. U 34 nach Cattaro, Montenegro, im Mittelmeer zur Flottille Pola verlegt. Dabei konnten drei Handelsschiffe mit insgesamt 4.067 BRT versenkt werden. Nun folgten zwei Feindfahrten auf denen 15 Handelsschiffe mit 59.409 BRT vernichtet wurden. Am 18. November 1915 übernahm Kptlt. Lothar von Arnauld de la Perrière das Kommando auf U 35. Mit ihm führte es 15 weitere Feindfahrten, vor allem im Mittelmeerraum, durch auf denen 189 Handessschiffe mit insgesamt 446.708 BRT versenkt wurden. Außerdem wurden am 29. Februar 1916 das britische Kanonenboot Primula mit 1.250 t und am 2. Oktober 1916 das französische Kanonenboot Rigel mit 1250 t vernichtet. Eine der Feindfahrten unter de la Perrière gilt bis heute als die erfolgreichste die ein U-Boot abschloss. Die 14. Unternehmung von U 35. Sie dauerte vom 26. Juli bis zum 20. August 1916. Auf ihr konnten 54 Handelsschiffe mit 90.350 BRT versenkt werden. Am 17. März 1918 übernahm Kptlt. Ernst von Voigt das Kommando. Er unternahm zwei Operationsversuche mit U 35. Eine Feindfahrt und einen Rückverlegungsmarsch von Cattaro nach Deutschland. Beide mussten wegen Maschinenschaden frühzeitig abgebrochen werden. Am 14. Oktober 1918 übernahm Kptlt. Heino von Heimburg das Boot. Unter ihm wurde U 35 nach Kiel überführt. Die Überführungsfahrt dauerte vom 7. September bis zum 9. Oktober 1918. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges im November 1918 wurde U 35 am 26. November 1918 nach England überführt und zwischen 1919 und 1920 in Blyth abgewrackt.

Kommandanten:
Kapitänleutnant Waldemar Kophamel (3. November 1914 bis 17. November 1915)
Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perrière (18. November 1915 bis 16. März 1918)
Kapitänleutnant Ernst von Voigt (17. März 1918 bis 13. Juli 1918)
Kapitänleutnant Heino von Heimburg (18. Juli 1918 bis November 1918)

 

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