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Faszination? U-Boot - I. Weltkrieg

 
Faszination? U-Boot

© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Unterseeboote / © by Webmaster
 

Die Erprobung einer furchtbaren neuen Waffe
Obgleich Deutschland nur Rußland im Osten den Krieg erklärt hatte, wandten die U-Boote ihren Weg nach Westen, als sie in den frühen Stunden des 1. August 1914 an der Grenze der Helgoländer Bucht ihre erste Sicherungslinie bildeten. Unter den U-Booten, die in dieser statischen Verteidigungslinie aufgetaucht lagen, befand sich U 9 unter dem Kommando eines Mannes, der Deutschlands - und der Welt - erstes Unterseeboot-As werden sollte, Kapitänleutnant Otto Weddigen.
Oberleutnant zur See Otto Weddigen
U-Boot-As Oberleutnant zur See Otto Weddigen, photographiert mit den Eisernen Kreuzen, die ihm für die Versenkung von drei britischen Panzer-kreuzern an einem ein-zigen Tage, dem 22. September 1914 verlie-hen wurden. Für seine späteren Erfolge erhielt er noch Deutschlands höchste Kriegsauszeich-nung, den
Pour le Merite.
England erklärte Deutschland am 4. August 1914 den Krieg. Zwei Tage später liefen zehn U-Boote von Helgoland zur ersten Feindfahrt von Unterseebooten in der Geschichte aus. Im Gegensatz zu den Briten, die das Unterseeboot nur als defensive Waffe zur Unterstützung der Überwasserflotte sahen, ahnten die Deutschen, welch großes Angriffspotential das U-Boot besaß.
Weddigen versenkte am 22.9.1914 drei alte britische Panzerkreuzer, die Aboukir, Cressy und Hogue. Die neue Waffe hatte mit dem Angriff nur eines Bootes der britischen Kriegsmarine mehr Schaden zugefügt als die gesamte deutsche Hochseeflotte.
Sehr bald jedoch sollten die U-Boote ihre Wirksamkeit noch in anderer, weit verhängnisvollerer Weise demonstrieren. Am 20. Oktober versenkte U 17 nur 22 Kilometer vor der norwegischen Küste das englische Frachtschiff Glitra - das erste Handelsschiff, das je einem Unterseeboot zum Opfer fiel.
So nahm der uneingeschränkte U-Bootkrieg seinen furchtbaren Lauf. Während der nächsten zwei Monate liefen etwa 20 U-Boote aus deutschen Stützpunkten nach dem Kriegsgebiet um Großbritannien aus. Innerhalb einer Woche nach Beginn er Offensive erreichten vier ihr Einsatzgebiet, griffen elf Schiffe an und versenkten sieben davon. Dann schnellten die Verluste der alliierten und neutralen Schiffahrt in die Höhe. Im Januar 1915, vor Beginn des uneingeschränkten U-Bootkrieges, waren 47 000 Tonnen Schiffsraum zerstört worden. Im März erhöhte sich die Zahl auf 80 700 Tonnen, im Mai auf 120 000 Tonnen und erreichte im August die erschreckende Höhe von 185 800 Tonnen, was nicht nur einen ernormen Verlust an Nahrungsmitteln und Kriegsmaterial bedeutete, sondern auch - was viel wichtiger war - eine ständige Verminderung der Zahl der den Alliierten zur Verfügung stehenden Schiffe mit sich brachte, die weiterhin Kriegsmaterial, Truppen und Lebensmittel befördern sollten.
Bislang hatten die USA zum Krieg in Europa eine zwiespältige Haltung eingenommen. Sie waren entschlossen, sich in keinen Konflikt zwischen fremden Staaten einzumischen, sie wollten sich um jeden Preis aus dem Krieg heraushalten. Es bedurfte erst einer größeren Katastrophe auf See, um die amerikanische Stimmung so weit zu verändern, daß das Land die Möglichkeit eines Kriegseintrittes ernsthaft erwog. Diese Katastrophe trat im Mai 1915 ein, als ein einsames deutsches Unterseeboot in einer folgenschweren Begegnung auf den Luxusdampfer Lusitania traf.
U 20, unter Kapitänleutnant Walther Schwieger, torpedierte und versenkte am 7. Mai die Lusitania, wobei - 1 198 - Menschen ums Leben kamen; 94 waren Kinder (35 von diesen Kleinkinder) und 128 amerikanische Staatsbürger. Da Schwieger im Krieg gefallen ist, konnte nie mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob er vor dem Torpedoschuß erkannt hatte, daß er einen Passagierdampfer der Linienfahrt angriff. Die Amerikaner waren zu einer Kriegserklärung noch nicht bereit.
Ein anderer U-Bootkommandant, Lothar von Arnauld de la Periere, machte das Mittelmeer zu seinem höchsteigenen Jagdgebiet. Als Arnauld mit U 35 zwischen dem 26. Juli und dem 20. August 1916 nicht weniger als 54 Schiffe mit insgesamt 91 150 Tonnen versenkte, dabei 900 Geschützgranaten und nur 4 Torpedos brauchte, vollbrachte er die größte Waffentat aller Unterseebootkommandanten.
Handels-U-Boot Deutschland
Mit einer von deutschfreundlichen Geschäftsleuten in Baltimore gelieferten Ladung im Wert von einer Million Dollar läuft das Handels-U-Boot "Deutschland" im August 1916 in Bremen ein und wird begeistert begrüßt, nachdem es ihm gelungen war, die britische Blockade zu durchbrechen. Alle sieben als Frachtfahrer entworfene U-Boote wurden im Laufe der Zeit zu Kampfbooten umgebaut.
Das Mittelmeer blieb nicht lange der einzige ferne Schauplatz, auf dem die U-Boote aktiv wurden. Um den Vereinigten Staaten zu bekunden, daß Deutschland am Handel mit ihnen interessiert sei, lief im Juli 1916 ein eigenartiges Schiff, bekannt als das Handels-U-Boot Deutschland, den Hafen von Baltimore an. Die Deutschland war wie ein normales Unterseeboot gebaut, jedoch ohne Geschütz und Torpedorohre, dafür mit größerer Breite, um Fracht aufnehmen zu können, und war als Blockadebrecher von privater Hand finanziert und für die Geschäftspartner von einer deutschen Schiffahrtsgesellschaft bereedert worden. Allerdings war klar, daß sie leicht in ein Kriegsschiff umgebaut werden konnte.
Während die Amerikaner auf die Tätigkeit der U-Boote nur mit Ärger reagierten, ohne aktiv zu werden, suchten die Briten verzweifelt nach wirksamen Mitteln für die Gegenwehr. Minenfelder nützten wenig, denn die britischen Minen besaßen fehlerhafte Zünder, die oft die Explosion nicht zur rechten Zeit auslösten. Offensichtlich mußte etwas Besseres gefunden werden. Aber was?
Es war ein uraltes Verfahren, das die Briten vor mehr als einem Jahr wieder zum Leben erweckt hatten:
Das Köderschiff (Frachtschiff mit getarnter Bewaffnung, in der Royal Navi als Q-Schiff bezeichnet).
"Am 6. April 1917 erklärten die Vereinigten Staaten Deutschland den Krieg".
Der Kriegseintritt Amerikas gab der Admiralität den Anstoß, von allen über die Welt verstreuten britischen Marinegeschwadern Schiffe für den Geleitschutz abzuziehen. Geleitzüge waren keine Erfindung des Krieges. Schon im frühen 19. Jahrhundert hatte Großbritannien in den Kriegen gegen Frankreich davon Gebrauch gemacht.

"Mülleimer", die U-Bootfahrer das Fürchten lehrten
Bei Kriegsbeginn konnten britische Kriegsschiffe ein aufgetaucht fahrendes U-Boot rammen oder mit Geschützfeuer bekämpfen, besaßen aber keine Waffe gegen ein U-Boot, sobald es tauchte.

Wasserbombe
Die Tiefe, in der eine Wasserbombe explodierte, wurde vom Wasserdurchfluß durch ein einstellbares Ventil am Bombenende bestimmt. Nach Füllung der Druckdose trieb der Wasserdruck die Sprengkapsel gegen die Übertragungsladung, die dann die Hauptladung zur Explosion brachte.
Wasserbombenwerfer
Im Wasserbombenwerfer wurde eine Pulverladung gezündet, um das Geschoß in Richtung des feindlichen U-Bootes zu schleudern. Ein Ruck an der Abzugsleine löste in der Feuerkammer einen Gasstoß aus, die heißen Gase dehnten sich im Wurfrohr aus und schleuderten die Wiege, die die Wasserbombe hielt, heraus. Auf der Wurfbahn zum Ziel fiel die Wiege ab.
Admiral Sir John Jellicoe forderte die Admiralität auf, eine Mine herzustellen, wie sie von Admiral Sir Charles Madden vorgeschlagen wurde. Es erwies sich als ein einfach zu lösendes Problem.
Das Gerät war eine Stahltrommel in Form eines Mülleimers, gefüllt mit 136 Kilogramm TNT, ausgestattet mit einem auf Wasserdruck reagierenden Zündmechanismus, der auf bestimmte Tiefen eingestellt werden konnte. Zuerst wurden die Wasserbomben aus Gestellen über das Heck des Überwasserschiffes über Bord gerollt. Im Jahre 1918 führte man jedoch Werfer (Bild rechts) ein, die eine Wurfweite von ungefähr 70 Metern erreichten. Die Sprengladung konnte ein U-Boot in etwa acht Meter Entfernung vom Detonationspunkt zerstören und auf 15 Meter noch erheblich beschädigen. Selbst Explosionen, die am Ziel keinen Schaden anrichteten, konnten bei der Besatzung psychische Schäden hervorrufen.

Das Ende des ersten U-Bootkrieges
Karl Dönitz als junger Wachoffizier Karl Dönitz im Jahre 1917 als junger Wachoffizier an Deck von U 39.
Im Mittelmeer war der U-Bootkrieg fast zum Stillstand gekommen. Im Sommer 1918 war der monatliche Gesamttonnageverlust auf 49 000 Tonnen abgesunken. Aber die U-Boote führten den bitteren Kampf bis zum letzten Augenblick weiter.
An einer der letzten Aktionen der U-Boote im Mittelmeer war ein Mann beteiligt, der noch ziemlich neu in diesem Geschäft war, ein kühler und entschlossener Kommandant von 27 Jahren, dessen Name in der Zukunft untrennbar mit der Geschichte der U-Boote verknüpft sein sollte: Karl Dönitz. Oberleutnant zur See Dönitz hatte sein Handwerk auf U 39 gelernt, unter dem Kommando von Kapitänleutnant Walther Forstmann, dem zweiterfolgreichsten U-Bootkommandanten des Ersten Weltkrieges. Später hatte er ein eigenes Kommando erhalten, zuerst im Mittelmeer den Unterseeminenleger UC 25, danach das große U-Boot UB 68.
U 68 wurde, nachdem es vor Kap Passero, der Südspitze Siziliens, einen Dampfer torpediert und versenkt hatte, von der englischen Korvette Snapdragon unter konzentriertem Geschützfeuer gehalten, weshalb die Besatzung gezwungen war das Boot zu verlassen. U 68 konnte nicht mehr wegtauchen, da keine Preßluft mehr vorrätig war. Ein U-Boot, das ohne Preßluft unter Wasser geht, kann nie wieder auftauchen.
Der U-Bootkrieg hat die Gefangennahme von Dönitz nicht lange überdauert (tatsächlich hatte Deutschland am Tage seiner Gefangennahme den Alliierten einen Waffenstillstand vorgeschlagen). Da alle Fronten der Mittelmächte zusammenbrachen, konnte sich die im Mittelmeer eingesetzten U-Boote nicht mehr auf sichere Häfen stützen. Man entschied daher, die U-Boote nach Kiel zurückzurufen. An die großen U-Kreuzer, weit draußen in See unterwegs nach Amerika, ergingen Rückrufbefehle, dies geschah am 22. Oktober 1918.
Die letzte Versenkung eines Feinschiffes durch einen U-Kreuzer war 21 Tage vorher erfolgt. Ausführender war kein anderer als der Oberleutnant zur See Lothar Arnauld de la Periere.
Am Montag, dem 11. November, um 5.40 Uhr unterschrieben die Vertreter des Deutschen Reiches den Waffenstillstand.
Mit dem Ende des ersten Unterseebootkrieges der Geschichte kam auch die Zeit, die schreckliche Bilanz zu ziehen. Mit 20 einsatzbereiten U-Booten war Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, hatte 345 Boote gebaut und 178 durch Feindeinwirkung verloren. Von den insgesamt 13 000 Offizieren und Mannschaften, die auf Unterseebooten Dienst getan hatten, waren 515 Offiziere und 4 849 Mannschaftsdienstgrade gefallen. Im Vergleich zu den Verlusten, die die U-Boote verursacht hatten, war das noch wenig. Sie hatten fast 5 000 Schiffe, in der Mehrzahl britische, versenkt - mit der ungeheuren Gesamttonnage von 11 Millionen Tonnen Schiffsraum. Mehr als 15 000 britische Zivilpersonen waren bei U-Bootangriffen ums Leben gekommen.
Aber gerade die Gewalt der U-Bootoffensive hatte am Ende die Vereinigten Staaten in den Krieg gezogen und damit letztlich Deutschlands Niederlage besiegelt.

Deutsche U-Boote im Hafen von Harwich
Selbst in der Internierung noch bedrohlich wirkend, erwarten im Dezember 1915 Reihen deutscher U-Boote im Hafen von Harwich, England, die Entscheidung über ihr endgültiges Schicksal (Bild rechts). Innerhalb weniger Jahre wurden die meisten dieser Boote von den Alliierten verschrottet.
Der Frieden bewirkte keine Versöhnung zwischen Briten und Deutschen. Karl Dönitz und seine U-Bootbesatzung wurden bei ihrer Ankunft als Kriegsgefangene in Southampton von aufgebrachten Hafenarbeiterinnen mit Pfiffen empfangen. Im Kriegsgefangenenlager von Redmires bei Sheffield, wo 600 deutsche Offiziere festgehalten wurden, konnte Dönitz in den Schlagzeilen der Zeitungen die Forderung lesen:


"HÄNGT DEN KAISER, HÄNGT DIE U-BOOTKOMMANDANTEN"

 

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