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 | Faszination? U-Boot - II. Weltkrieg |
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Faszination? U-Boot
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Geheimes Rüsten für die nächste Runde
Brandneue U-Boote legen 1935 im Kieler Hafen an. Wie 1914 die frühere Generation von U-Booten waren sie für einen Krieg gegen Großbritannien vorgesehen. Die Boote waren Teil der Schulflottille unter dem Kommando von Karl Dönitz.
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Knapp 15 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wurde Adolf Hitler deutscher Reichskanzler und schickte sich an, die "Fesseln von Versailles" abzuwerfen, womit er diejenigen Bestimmungen des Friedensvertrages meinte, die Deutschlands Rüstung auf minimale Selbstverteidigungskräfte beschränkten und den Bau von U-Booten gänzlich untersagten. Den Führern der Wehrmacht gelobte er, Deutschlands militärische Stärke wiederherzustellen; insbesondere sollte die Marine wieder eine U-Bootwaffe erhalten.
Bis zum Sommer 1939 verfügte die deutsche Marine über eine U-Bootwaffe von 57 Unterseebooten mit mehr als 1 000 gut ausgebildeten Offizieren und Mannschaften. Sie standen unter dem Kommando von Karl Dönitz, jenem vortrefflichen U-Bootoffizier, der die Grundsätze der U-Bootkriegsführung entwickelt hatte. In der dritten Augustwoche liefen 40 U-Boote aus und nahmen ihre Kriegsposition rund um Großbritannien ein, bereit zuzuschlagen, sobald Hitler den Befehl gab.
Am allerersten Tag des Krieges versenkte U 30, geführt von Oberleutnant zur See Fritz-Julius Lemp, das britische Passagierschiff Athenia mit mehr als eintausendvierhundert Passagieren an Bord. Lemp hatte das Schiff fälschlicherweise für einen Truppentransporter angesehen, und ohne Vorwarnung torpediert. Die Athenia ging unter, 118 Passagiere starben, darunter 22 Staatsangehörige der Vereinigten Staaten.
Vorstoß in die Herzkammer der Royal Navi
Im Ersten Weltkrieg war Scapa Flow als Hauptankerplatz der Royal Navi benutzt worden. Von dort war 1916 die Grand Fleet ausgelaufen, um sich mit der deutschen Hochseeflotte vor dem Skagerrak im Kampf zu messen. Dort hatte sich auch die deutsche Flotte im Jahre 1919 selbst versenkt.
Seitdem waren 20 Jahre vergangen, und wieder einmal war Scapa Flow der Stützpunkt der britischen Flotte. Der britischen Admiralität schien der Hafen gegen Angriffe von See unverwundbar zu sein. Zwei Vorgänge aus dem Ersten Weltkrieg untermauerten diese Ansicht. Im November 1914 hatte U 18 versucht nach Scapa Flow einzudringen, im Oktober 1918 UB 116. Beide U-Boote wurden aufgespürt und versenkt.
Jetzt, in dem neuen Krieg gegen den alten Feind, erfuhr die junge Besatzung von U 47, daß sie einen neuen Versuch wagen sollte.
Aus dem von der deutschen U-Boot-Führung als besonders geeignet erprobten mittleren U-Boot-Typ VII A wurde die Bootsserie vom Typ VII B entwickelt. Durch geringe Vergrößerung des Bootes und geschickte Ausnutzung des in dieser Konstruktion verfügbaren Raumes konnte der Brennstoffvorrat erhöht und dem Typ VII B somit ein Aktionsradius von 8 700 sm gegeben werden. Viele hochdekorierte U-Boot-Kommandanten errangen ihre Erfolge auf Booten des Typs VII B. So zum Beispiel Kapitänleutnant Prien auf U 47, Kretschmer auf U 99 und Schepke auf U 100. Von den 24 Booten dieser Serie überstanden nur vier den Krieg.
Die anderen zwanzig blieben vor dem Feind. Hier Ihre Schicksale.
Leben in einem eisernen Sarg
Die Unterseeboote waren enggedrängt voll Menschen, sie stanken, sie waren unhygienisch und erzeugten Platzangst, die sich bis zum Wahnsinn steigern konnte.
Unterkunftsräume an Bord waren dort hineingezwängt worden, wo Maschinen und Waffen noch ein Plätzchen frei ließen. Im Bugraum eines normalen U-Bootes, einer sich verjüngenden Abteilung, die an ihrer breitesten Stelle nur 3,50 Meter maß, schlief und aß fast die halbe Besatzung - rund 25 Mann - und mußte sich diesen Raum noch mit Torpedos, Ladegeschirr und anderem U-Bootzubehör teilen.
Für das Privatleben ist in einem U-Boot wenig Platz.
Im Bild der Unteroffiziersraum.
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In der winzigen Kombüse mit zwei Kochplatten rührt der Koch in einem Gericht; der Backschafter sieht zu. "Selbst das Essen schmeckt nach U-Boot", erinnert sich ein U-Bootfahrer.
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Sechs Kojen lagen an jeder Seite der Abteilung übereinander. Sie wurden schichtweise benutzt. Männer, die von Wache kamen, kletterten in Betten, noch warm von den Körpern der anderen, die eben für ihren Wachtörn aufgestanden waren.
Klosetts waren rar. Das normale Unterseeboot besaß zwei für 50 Mann. Beim Auslaufen zu einer Feindfahrt - wenn das Boot für eine Seedauer von mehreren Wochen verproviantiert worden war - diente manchmal einer der Abtritte als zusätzlicher Lagerraum für Lebensmittel. Und keiner der beiden ließ sich benutzen, wenn das Boot tiefer als 25 Meter tauchte, weil unterhalb dieser Tiefe die Spülungen, die die Klosetts nach außen entleerten, gegen den Wasserdruck um den Schiffskörper nicht mehr ankamen.
Im allgemeinen ertrugen die U-Bootfahrer die Entbehrungen mit Humor, aber selbst der Humor versagte gelegentlich bei der bis zum Erbrechen wiederholten Routine in blendendem elektrischen Licht, das jeden Unterschied zwischen Tag und Nacht verwischte.
Die glorreiche Zeit der grauen Wölfe
Admiral Dönitz selbst trug mit am meisten zu den Erfolgen der U-Boote in dieser Zeit bei. Er leitete die Vernichtung von Schiffsraum mit vollendetem Können. An der Wand von Dönitz' Lagezimmer hing eine riesengroße Karte des atlantischen Ozeans. Sie war mit einem Gitternetz von Quadraten überzogen, jedes Quadrat mit einer Bezeichnung aus zwei Buchstaben. Diese Quadrate waren wiederum in kleinere Quadrate mit einer aus zwei Ziffern bestehenden Kennung unterteilt. Wollte also Dönitz zum Beispiel U 551 auf den Geleitzugweg vom 48. zum 53. Breitengrad ungefähr 400 Seemeilen östlich von Neufundland schicken, so gab er ihm den Funkbefehl, in das Quadrat BC35 zu fahren.
Während die glückliche Zeit unvermindert fortdauerte, begann sich die Taktik im U-Bootkrieg zu ändern. Die aus dem Ersten Weltkrieg stammenden und in den ersten Monaten des Zweiten Weltkrieges noch benutzten Methoden ließen sich nicht mehr anwenden. Gegen Ende des Jahres 1940 wurde es zu riskant, sich an der Oberfläche aufzuhalten und das Geschütz einzusetzen, um Schiffe zu versenken. Alle Handelsschiffe waren jetzt mit Funk ausgerüstet und konnten Hilfe herbeirufen. ASDIC war zwar bei weitem noch nicht perfekt, machten aber Unterwasserangriffe gefährlich.
Ein Geleitsicherungsflugzeug des Küstenfliegerkommandos der Royal Air Force hat hier einen aus etwa 30 Schiffen bestehenden alliierten Geleitzug bei einer scharfen Kursänderung photographiert. Zu Anfang des Krieges bevorzugte die Admiralität kleine Geleite, weil sie besser zu manövrieren waren. Im Frühjahr 1943 stellte man aber fest, daß auch Geleite mit fast 150 Schiffen erfolgreich operieren konnten.
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"Die U-Boot-Gefahr war das einzige, was mir während des Krieges wirklich Angst gemacht hat", bekannte Churchill in seinen Erinnerungen. Denn ohne den Nachschub, den nur die Geleitzüge über den Nordatlantik bringen konnten, hätte Großbritannien den Kampf gegen Deutschland nicht fortsetzen können. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hielten die britischen und amerikanischen Seestreitkräfte und Flugzeuge die deutschen U-Boote in Schach und sicherten den Konvois ihr Durchkommen. Doch im Winter 1942/43 war Admiral Dönitz nahe daran, den alliierten Lebensfaden zu durchschneiden. Während an allen Fronten die Wende im Kriegsverlauf eintrat und die deutsche Wehrmacht überall in die Defensive geriet, war die Schlagkraft der U-Boot-Waffe ungebrochen. Der Nordatlantik war der letzte Schauplatz, wo der Ausgang des Kampfes noch nicht entschieden war.
Ein Horchgerät für U-Jäger
Im Ersten Weltkrieg war für die Briten die Jagd auf getauchte U-Boote ein enttäuschendes Ratespiel geblieben. Meist erkannten sie die Anwesenheit eines feindlichen Unterseebootes erst, wenn dieses einen Torpedotreffer angebracht hatte. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatten sie jedoch ein Gerät entwickelt, welches nach einem Geheimbericht "den Unterseebooten den Mantel der Unsichtbarkeit nimmt, der Hauptursache ihrer Wirksamkeit im vergangenen Kriege war". Der Optimismus der Royal Navi stützte sich auf ein geheimes U-Bootortungsgerät, ASDIC genannt - eine Abkürzung von "Anti Submarine Detection Investigation Committee" (Forschungsgruppe für U-Bootabwehr und -ortung). Dies war eine Gruppe britischer und französischer Wissenschaftler, die 20 Jahre an der Entwicklung des Gerätes gearbeitet hatten. In der Marine der Vereinigten Staaten wurde das Gerät unter dem Namen SONAR bekannt, eine Abkürzung von "Sound Navigation Ranging" (Schallnavigation und Entfernungsmessung), und es war tatsächlich eher Ohr als Auge.
Das Gerät bestand aus einem elektronischen Schallsender und einem Empfänger, die in einem Metalldom am Schiffsboden des U-Jägers untergebracht waren. Der Sender erzeugte hochfrequente Impulse - hörbar als "Ping" -, die von festen Objekten reflektiert wurden. Ein Bedienungsmann überwachte die vom Empfänger aufgefaßten Echos und beobachtete gleichzeitig die Ausschläge einer auf einen beweglichen Papierstreifen aufgezeichneten Linie. Die Signallaufzeit zwischen Aussendung und Echoempfang ergab die Entfernung zum Ziel, während die Änderung des Neigungswinkels anzeigte, ob sich dieses näherte oder entfernte.
Im praktischen Einsatz unter Kriegsbedingungen zeigte ASDIC aber bald seine Grenzen auf. Es wies nur die Richtung zu einem U-Boot, zeigte jedoch nicht dessen Tauchtiefe. Auch wurden andere Objekte reflektiert. Die wirksame Reichweite von ASDIC betrug knapp 1 400 Meter. Da die U-Bootkommandanten, die unter Wasser die Schallimpulse hören konnten, dies wußten, lernten sie bald, Kurse zu wählen, die die verräterischen Geräusche abschwächten. Später entwickelte die deutsche Kriegsmarine eine ASDIC-Abwehr, den Pillenwerfer, der Chemikalien ins Wasser ausstieß. Diese erzeugten Ströme schallreflektierender Blasen, durch die der Bedienungsmann getäuscht wurde.
Immerhin geht eine Anzahl von den Briten vernichteter U-Boote auf das Konto von ASDIC, und manches U-Boot schreckte vor dem Angriff auf einen Geleitzug zurück, wenn seine Besatzung das hohe metallische Zirpen hörte.
Enigma
Die Enigma-Schlüssel-Maschine ermöglichte dem deutschen Schlüsselpersonal durch einfaches Auswechseln der Walzen und verschiedene Ausgangsstellungen den Schlüssel für die zwischen Schiff und Land gewechselten Funksprüche zu ändern. Die Maschine konnte jeden Text in eine fast unendlich große Zahl von Buchstabenkombinatio-
nen umsetzen.
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Das britische Enterkommando fand im Inneren des verlassenen Unterseebootes U 110 eine gespenstische Szenerie vor. Sie verloren keine Minute, und suchten sofort die Seekarten und Schlüsselunterlagen, im Funkraum wurde die schwere Schlüsselmaschine abgebaut.
400 Mann waren Augenzeugen der Erbeutung von U 110 und seiner Enigma-Maschine gewesen, die es dem britischen Nachrichtendienst in Bletchley Park zu guter Letzt möglich machte, die deutschen Funksprüche zu lesen. Alle Männer erhielten den Befehl, nicht über den Vorfall zu sprechen. Tatsächlich wurde die ganze Angelegenheit für etwa 30 Jahre geheimgehalten, bevor die Alliierten die Verschlußsache freigaben.
Das Enigma-Material, das eiligst von Scapa Flow nach Bletchley Park gebracht wurde, erwies sich als Gottesgeschenk. Die Schlüsselmaschine war komplett, mit allen bis Ende Juni reichenden Tageseinstellungen für eine dreimonatige Feindfahrt des U-Bootes. Mit ungeheurer Schnelligkeit drangen die Dechiffrierer in den "Hydra"-Kode der U-Boote ein. Nach nur einer Woche konnten sie den Einsatzfunkverkehr der U-Boote lesen. Der U-Bootkrieg trat in eine neue Phase ein. Der Lebenszyklus eines U-Bootes wurde jetzt zu einem offenen Buch. Alles - die Standorte eines U-Bootes, seine Ziele, oft sogar sein Bestand an Treibstoff und die Anzahl seiner Torpedos, die ihm für Angriffe noch zur Verfügung standen - wurden enthüllt.
Kapitulation ohne Niederlage
Auf technisch fortschrittlichen Unterseebooten mit Schnorchel, verbesserter Bewaffnung und neuen Verteidigungsmöglichkeiten bereiteten im Frühjahr 1945 die unerschrockenen Grauen Wölfe der deutschen
U-Bootwaffe eine neue Offensive gegen die vordringenden Alliierten vor - aber das Dritte Reich brach um sie herum zusammen. Unbesiegt, jedoch gehorsam wie eh und je befolgten die U-Bootmänner die Befehle und übergaben dem Feind ihre tödlichen eisernen Schiffe. Für die meisten von ihnen war es ein bitterer Augenblick, einigen bot er Anlaß zu einer letzten, wenn auch sinnlosen Trotzreaktion.
Als Großadmiral Dönitz den Befehl zur Feuereinstellung gab, standen 45 U-Boote in See. Am 7. Mai 1945, dem Tage der deutschen Kapitulation, befahl er ihnen, aufzutauchen und die von den Alliierten bestimmten Häfen anzulaufen.
Widerwillig gehorchten während der nächsten Wochen die meisten Boote dem Befehl: 23 gingen in britische Häfen, drei nach den Vereinigten Staaten, vier nach Kanada, zwei nach Argentinien und der Rest nach Norwegen oder Kiel. Zwei U-Boote wurden von ihren Besatzungen vor Lissabon versenkt, eines lief vor Holland auf Grund. Auf U 2511 drang Korvettenkapitän Adalbert Schnee nördlich der Faröer-Inseln in einen englischen Flottenverband ein, nahm einen britischen großen Kreuzer ins Visir, simulierte unentdeckt einen letzten Torpedoangriff und kehrte enttäuscht in seinen Stützpunkt zurück, wo er interniert wurde.
Insgesamt 377 bei Kriegsende in den nordeuropäischen Häfen liegende Unterseeboote erhielten ihre Übergabeanweisungen von der britischen Admiralität. Sie wurden angewiesen, sich aufgetaucht zu bestimmten britischen Ankerplätzen zu begeben. Den Befehl befolgten 156 U-Bootbesatzungen. Die Männer wurden in Kriegsgefangenenlager gebracht, die Mehrzahl ihrer Boote zu einem Ort 50 Kilometer nördlich von Malin Head in der Republik Irland geschleppt und dort versenkt. Die Besatzungen von 221 weiteren
U-Booten jedoch beschlossen - unabhängig voneinander -, sich dem Niederlageritual des Feindes zu entziehen, und versenkten ihre Boote.
Ihr Kampf hatte schreckliche Opfer gefordert. Von 1 162 in den Jahren 1939 bis 1945 gebauten U-Booten waren 784 verlorengegangen - davon 632 auf See versenkt worden. 40 000 Mann hatten in den Besatzungen der U-Boote gedient, von ihnen waren 28 000 Mann gefallen und 5 000 gefangengenommen. Immerhin hatten sie den Punkt fast erreicht, an dem sie Großbritannien besiegt und den Lauf des Krieges geändert hätten. Manches Mal wurden ihr Mut und ihre Hingabe erschüttert, aber versagt haben sie nie. So schufen sie die ruhmvolle Überlieferung einer mächtigen Streitkraft, wie sie in der Seekriegsgeschichte kaum ihresgleichen findet.
Erfaßt vom Scheinwerferstrahl des Schiffes George W. Campbell der amerikanischen Küstenwache, wird die Besatzung von U 606 mit einem Feuerhagel überschüttet. Bei einem Rudelangriff auf einen atlantischen Geleitzug im Februar 1943 versenkte die Campbell das U-Boot, wobei 36 Mann von dessen Besatzung fielen.
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