Geschichtlicher Überblick
(Fortsetzung)
V. Die Marine der Bundesrepublik Deutschland
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches, seiner Aufteilung in vier Besatzungszonen, der Verdammung des deutschen Soldaten schlechthin und der Umerziehungsabsichten der Siegermächte gegenüber der Bevölkerung, schien es undenkbar, daß Deutschland wieder aktiv zu einem Verteidigungsbündnis herangezogen würde. Und doch trat diese Entwicklung ein.
Die westlichen Siegermächte hatten nach der Niederwerfung Deutschlands und Japans sofort mit der Abrüstung ihrer Streitkräfte begonnen, nicht aber Rußland. Im Gegenteil: Rußland hielt seinen hohen Rüstungsstand aufrecht und zwang die Balkanstaaten Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Ungarn und Albanien, weiterhin die Tschechoslowakei und Polen in seine politische und militärische Abhängigkeit.
Das Ende in Norddeutschland:
Zwei zerstörte U-Boote nach einem Bombenangriff auf die Werft Blohm und Voss in Hamburg im Frühjahr 1945
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Am 17.3.1948 hatten sich in dem Brüsseler Fünfmächtevertrag Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg noch zu gegenseitiger Hilfe und Unterstützung für den Fall eines deutschen Angriffs verpflichtet.
Die russische Blockade Berlins 1948/1949 zeigte nun aber eindeutig, daß nicht von Deutschland, sondern von Rußland Gefahr drohte. Diese Erkenntnis ließen die USA, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Italien, Canada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Portugal am 4.4.1949 in Washington zur Verteidigung ihres Lebensraumes den Nordatlantikpakt (North Atlantic Treaty Organization - NATO -) schließen, dem 1952 Griechenland und die Türkei beitraten.
Deutlich wurde aber auch, daß man bei der Verteidigung Europas auf die Bundesrepublik aus gewichtigen Gründen nicht verzichten konnte. Ende 1949 nahmen deshalb die zuständigen interalliierten Behörden mit dem damaligen Bundeskanzler, Dr. Konrad Adenauer, erstmalig Fühlung auf zur Frage eines Verteidigungsbeitrages der Bundesrepublik. 1950 wurde deutscherseits für diese Aufgabe die »Dienststelle Blank« unter dem späteren ersten Verteidigungsminister, Theodor Blank, gebildet. Ab Juli 1951 gehörte Fregattenkapitän a.D. K.-A. Zenker, ein Sohn des früheren Chefs der Marineleitung, des Admirals Zenker, dieser Dienststelle als Hilfsreferent für Küstenschutz an. Nach der Ratifizierung der Pariser Verträge erfolgte im Mai 1955 die Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO.
Die deutsche Marine erhielt nun innerhalb des Bündnisses die Ostsee und die Nordsee mit den wichtigen Ostseezugängen zugewiesen. Ihre Aufgaben in diesen Gebieten wurden wie folgt umrissen:
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IM FRIEDEN
durch Präsenz, Einsatzbereitschaft und Auftreten in See zur Abschreckung und zur Festigung des NATO-Bündnisses beizutragen, für das Ansehen und die zwischenstaatlichen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu werben und zu wirken,
einen Beitrag zur Erhaltung der internationalen Ordnung auf hoher See und des Festlandes zu leisten, Such- und Rettungsdienst auf See und an den deutschen Küsten durchzuführen.
IN KRISEN UND IM SPANNUNGSFALL
als flexibles Instrument zur Verdeutlichung politischen Willens und zur Krisenbewältigung zu Verfügung zu stehen, durch Demonstration von Verteidigungswillen und Verteidigungsfähigkeit auf See Friedensstörer zu veranlassen, spannungserzeugende Maßnahmen einzustellen, nationale und bündnisgemeinsame Interessen auf See zu wahren.
IM VERTEIDIGUNGSFALL
durch Abwehr von Angriffen auf die Küsten und auf See das Territorium der Bundesrepublik im Sinne der Vorneverteidigung zu schützen sowie einen Beitrag zur Behauptung der Ostseezugänge und zur Sicherung der Nordsee zu leisten, d.h. dem Gegner die Nutzung der Verbindungswege zwischen Ostsee und Atlantik zu verwehren und den Zusammenhang der Abwehr zwischen den Kriegsschauplätzen Mittel- und Nordeuropa zu wahren.
Wie ging nun, nachdem im Bundestag die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen waren, der Aufbau der Marine vor sich? Die Bundesmarine übernahm die bis zu diesem Zeitpunkt im amerikanischen Labour Service Unit, Bremerhaven, eingesetzten ehemaligen M- und R-Boote und kurz darauf auch die Fahrzeuge des Bundesgrenzschutzes (See), gleichfalls mit seebefahrenen Besatzungen. So konnten schon am 1.4.1957 zwei Minensuchgeschwader der NATO unterstellt werden. Im weiteren Verlauf gab auch Frankreich ehemalige Einheiten zurück, kaufte die Bundesrepublik Deutschland von Großbritannien 7 Fregatten und schloß mit den USA einen Leihvertrag für 6 Zerstörer.
Zerstörer 3 Anfang der siebziger Jahre
Am 30.6.1980 wurde Zerstörer 3 »Außer Fahrbereitschaft« gemeldet. Von einem Restkommando wurde die Übergabe des Schiffes im Rahmen einer »Verteidigungshilfe« an die griechische Marine vorbereitet. Die Übergabe erfolgte am 15.10.1980. Neuer Name: Nearchos.
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Neubauten wurden bei deutschen und ausländischen Werften in Auftrag gegeben, so daß der Schiffsbestand in verhältnismäßig kurzer Zeit Zerstörer, Geleitboote (Fregatten), S-Boote, Hochsee-, Küsten- und schnelle Minensuchboote, U-Boote, Landungsboote und Hafenschutzboote, sowie Schul-, Begleit und Hilfsschiffe umfaßte.
Mit Wirkung vom 7.6.55 wurde die »Dienststelle Blank« in »Bundesministerium für Verteidigung« umbenannt. Am 12.11.55 erhielten die ersten Soldaten ihre Ernennungsurkunden. Nachdem zunächst KzS Zenker die Marine kommissarisch geleitet hatte, erhielt die Bundesmarine mit VAdm. Ruge und seinem Stellvertreter, KAdm. Gerhard Wagner (auf ihn geht weitgehend die Bildung des NATO-Kommandos der Ostseezugänge, dessen Befehlshaber er wurde, zurück) eine harmonisch zusammenarbeitende, bei den NATO-Partnern angesehene Führungsspitze.
Vom Schiffserprobungskommando abgesehen, gliederte sich die Marine in 3 Säulen:
- Kommando der Seestreitkräfte (später Flottenkommando) in Wilhelmshaven,
- Kommando der Flottenbasis, gleichfalls in Wilhelmshaven und
- Kommando der Marineausbildung in Kiel.
Zerstörer Hamburg
I. Form (als Flottenzerstörer 101 mit alter Brücke)
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Die Zusammensetzung des Schiffsbestandes ist durch die Aufgabenstellung für die Marine innerhalb der NATO bestimmt. Größte Kampfeinheit ist der Zerstörer.
Transp. u. Mehrzweckhubschrauber
MK 41 Sea King
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Mit der Zeit haben sich technische Entwicklungen vollzogen, die die Bundesmarine zwangen, wollte sie nicht gegenüber den Seestreitkräften des Warschauer Paktes ins Hintertreffen geraten, erhebliche Anstrengungen zu machen, um durch Einführung der inzwischen entwickelten modernen Waffensysteme, dem drohenden Rückstand entgegenzuarbeiten.
Von der Marineluftwaffe abgesehen (die auch im Laufe der Zeit umgerüstet wurde), geben Ausdruck dieser Bemühungen u.a. der Kauf der drei Lenkwaffenzerstörer, die Umrüstung der vier Zerstörer der Hamburg-Klasse, der Bau der 20 S-Boote der Klasse 148 und der 10 Boote der Klasse 143 (Typschiff Zobel) auf neue Feuerleitanlagen mit drahtgelenkten Torpedos. 1977 genehmigte der Bundestag 6 in Deutschland zu bauende Flugkörper-Fregatten.
Zerstörer Rommel, Mölders und Lütjens
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Aus dem Bereich des Flottenkommandos werden seit 1968 Zerstörer bzw. Fregatten zur Ständigen Einsatzgruppe Atlantik (Stanavforlant) abgestellt. Außerdem wird seit 1971 viermal im Jahr innerhalb der Marine die Ständige Einsatzgruppe Flotte (SEF) zu Manövern zusammengezogen.
Weiterhin nehmen Einheiten der Bundesmarine regelmäßig an NATO-Übungen bzw. Übungen mit Partnern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft teil.
Im Gegensatz zur Kaiserlichen, Reichs- und Kriegsmarine sind Offizierslaufbahnen der ehemaligen See-, Ing.- u. Verwaltungsoffiziere in der Bundesmarine in einer Laufbahn zusammengefaßt. So ist mit VAdm. Kühnle erstmalig ein aus dem Ing.-Offizierskorps hervorgegangener Offizier Inspekteur gewesen. Die Laufbahn Sanitätsoffizier ist (wie auch im Heer und der Luftwaffe) unverändert. 1969 wurde die Möglichkeit geschaffen, befähigte Angehörige der Unteroffizierslaufbahn zu Offizieren des Militärfachlichen Dienstes zu ernennen.
Als kleinste Teilstreitkraft stellte die Marine vom 1.4.72 bis 30.11.76 mit Admiral Armin Zimmermann - († 30.11.1976 Bonn) - erstmalig den Generalinspekteur der Bundeswehr.
Fregatte Mecklenburg-Vorpommern © by Deutsche Marine.de
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Nachdem am Ende des Kalten Krieges die Bundesmarine 1990 in die Deutsche Marine
überging und Teile der ehemaligen Volksmarine in diese integriert wurden, ist
Deutschland kein Frontstaat am "Eisernen Vorhang" mehr, sondern erstmals in
seiner bundesrepublikanischen Geschichte mit allen Anrainerstaaten befreundet.
Die Marine wird im Frieden künftig ca. 27.200 Soldaten und Soldatinnen umfassen.
Versorger Berlin Zusammen mit Frankfurt am Main sind dies die z.Zt. größten Schiffe der deutschen Marine © by Deutsche Marine.de
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Wer mehr über den Status quo der Deutschen Marine erfahren möchte, kann sich über den untenstehenden Link zur Marine Homepage weiterleiten lassen.
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