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 | Die Geschichte der Deutschen Marine - 1815 bis 1871 |
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Geschichtlicher Überblick
(Fortsetzung)
Die Zeit des Marine-Ministeriums (1861 - 1871)
Segel-Fregatte Thetis
21.8. 1864/Königliche Werft Devonport
19.3.1849 von der Bundesflotte übernommen
12.1.1855 im Tausch gegen die Rad-Avisos
Nix und Salamander von der Preußischen Marine übernommen
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Schneller als die größten Pessimisten angenommen hatten, zeigte sich, daß der 1859 gefundene Organisationskompromiß ein totgeborenes Kind war. Die Zwistigkeiten zwischen Oberkommando (Prinz Adalbert) und Verwaltung (Vizeadmiral Schröder) waren zu groß als daß der formal an der Spitze der Marine stehende Ministerpräsident hätte regulierend eingreifen können. Der verdienstvolle Vizeadmiral mußte am 6.12.60 gehen. Und als dann der damalige Kriegsminister, Generalleutnant v. Roon, am 15.1.1861 zunächst erst mit der Vertretung des Chefs der Admiralität beauftragt und dann am 16.4.1861, unter Beibehaltung seines Amtes als Kriegsminister, zum Marine-Minister an der Spitze eines Marine-Ministeriums ernannt wurde, zeigte es sich, daß praktisch wieder eine organisatorische Rückbildung erfolgt war. Die Befugnisse des Oberbefehlshabers, des Prinzen Adalbert, wurden wesentlich eingeschränkt. Ein zweiter Nachteil machte sich noch für die Marine dadurch bemerkbar, daß ihr Offizierskorps noch »zu jung« war, um im Marineministerium die zweite Stelle, die des Präses (oder Direktors) zu besetzen. Der nach Schröder dienstälteste preußische Seeoffizier, Jachmann, war eben erst zum Kapitän z.S. befördert worden (und befand sich zudem als Kommandant der Fregatte Thetis auf langjähriger Auslandsreise), und ein Ausländer kam für diesen Posten nicht in Frage. So mußte wieder ein Armee-Offizier, der 60jährige Generalmajor v. Rieben einspringen. Ein dritter Faktor schob sich in diesen Jahren zudem immer mehr in den Vordergrund: das Parlament, der preußische Landtag.
Die Übernahme des Staatsministeriums durch Bismarck (März 1862) verschärfte die Spannung zunächst noch, und es ergab sich das merkwürdige Bild, daß die übermächtige liberale Opposition im Landtag selbst ihr (seit 1848 bestehendes) »Lieblingskind«, die Flotte, mit in den großen Oppositionstopf warf. Es entsprach der gegebenen Situation, daß die Regierung nochmals im Landtag einen neuen Flottenplan einbrachte, der, mit dem Schwerpunkt auf den Bau von Panzerschiffen, aller derjenigen Überlegungen entsprach, die im Laufe der letzten Jahre angestellt worden waren.
Am 15.10.1867 legte die Regierung dem nunmehrigen »Norddeutschen Bundestag« einen neuen Flottenplan für die ab 2.7.67 offiziell bestehende »Norddeutsche Bundesmarine« vor, der, abgesehen von geringfügigen Ergänzungen, dem des Jahres 1865 entsprach. Seine wesentlichen Gesichtspunkte waren:
1.
Schutz und Vertretung des deutschen Seehandels auf allen Meeren;
2.
Verteidigung der vaterländischen Küsten und Häfen an der Nord- und Ostseeküste;
3.
Entwicklung des eigenen Offensiv-Vermögens nicht bloß zur Störung
des feindlichen Seehandels, sondern auch zum Angriff auf feindliche Flotten, Häfen und Küsten.
Die materielle Forderung zur Erfüllung des in den Grundzügen liegenden Offensiv-Gedankens lautete:
16
Panzerschiffe (darunter 6 Panzerfregatten für ein kriegsbereites Übungsgeschwader);
22
Küstenverteidigungs-Fahrzeuge (Kanonenboote);
20
Korvetten für den überseeischen Dienst (darunter 3 Schiffe als Materialreserve);
3
Transportschiffe;
8
Aviso;
2
Artillerie-Schulschiffe;
5 Kadetten- und Schiffsjungen-Schulschiffe.
Kriegsschoner Frauenlob
24.8.1855 Lübke, Wolgast.
Ursprünglich vorgesehener Name: Frauengabe
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Der Bau der geforderten Schiffe sollte sich über 10 Jahre, also bis 1877,
erstrecken. Nachdem am 24.10.1867 die endgültige Abstimmung des Norddeutschen Reichtags stattgefunden hatte, standen die regulären Mittel zur Bezahlung der bereits angekauften Panzerfregatten zur Verfügung. Mit diesen 3 großen Panzerschiffen begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Flotte. Zwei Abgänge trafen die junge Marine schwer:
Der Untergang des Kriegsschoners Frauenlob am 2.9.1860 in japanischen Gewässern und der der Korvette Amazone im November 1861 vor der niederländischen Küste.
Organisatorisch war inzwischen aus dem kleinen Verwaltungsapparat der Anfangsjahre ein großer, in viele Dezernate und Abteilungen aufgegliederter Organismus geworden. Ein besonderes Kapitel dabei waren der Auf- und Ausbau der Staatswerften, zunächst der in Danzig, dann der in Kiel und schließlich der in Wilhelmshaven.
Die Flotte im Deutsch-französischen Krieg (1870/71)
Als im Juli 1870 der deutsch-französische Krieg ausbrach, waren bei der Norddeutschen Flotte die Auswirkungen des 1867er Flottenplanes erst in ihren Anfängen zu spüren. Wohl bestand bereits mit 3 Panzerfregatten (König Wilhelm, Friedrich Carl und Kronprinz) sowie mit 2 kleineren Panzerfahrzeugen (Prinz Adalbert und Arminius) ein kleiner Kern der geplanten Panzerschiff-Flotte (und mit ihnen hatte 1869 auch die erste Geschwader-Übung stattgefunden). Von dem Status eines gleichwertigen Gegners hinsichtlich der nach ihrer Stärke an zweiter Stelle in der Welt stehenden französischen Panzerflotte war die norddeutsche aber noch weit entfernt. Hinzu kam, daß zwei der Panzerfregatten bei Kriegsausbruch Maschinenschaden hatten und, da sie noch nicht auf einer deutschen Werft ausgebessert werden konnten, während des ganzen Krieges nicht voll einsatzfähig waren. Nachdem sie - dank des guten Nachrichtendienstes des deutschen Militär-Attachés in London - unmittelbar vor Kriegsausbruch eine Atlantikreise abbrechen und damit einem Überfall der französischen Flotte entgehen konnten, führten die Panzerschiffe im Jadebusen das Dasein einer »fleet in being«, verhinderten zwar einen Angriff der französischen Flotte auf die Hafenstädte, konnten aber, wie 1848, dem Überseehandel noch keinen Schutz gewähren. Ähnlich erging es denjenigen Schiffen, die in der Ostsee stationiert waren, wohin die Franzosen eine zweite Flotte entsandt hatten. So blieb es bei kleinen Scharmützeln, sowohl im Inland wie im Ausland; von diesen ist das Gefecht des Kanonenboots I. Kl. Meteor am 9.11.70 mit dem französischen Aviso Bouvet vor Habana besonders erwähnenswert.
Kanonenboot I. Klasse Meteor
17.5.1865 Lübke, Wolgast
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Als bei Wintereinbruch die Panzerschiffe in; die notdürftig fertig gestellten Wilhelmshavener Schleusenanlagen einliefen, war die Kriegstätigkeit der deutschen Heimatflotte beendet. Dies war um so natürlicher, als auch die französische Flotte sich infolge der Niederlagen ihrer Armee nach dem Heimatland zurückzog. Ein zaghafter Versuch eines deutschen Kreuzerkrieges an der französischen Westküste durch die Kreuzerkorvette Augusta im Januar 1871 bedeutete den endgültigen Abschluß der Kriegshandlungen.
Interessanter als das eigentliche Kampfgeschehen sind die Vorkommnisse, die sich im Zusammenhang mit ihnen abspielten. Bei Kriegsausbruch wurde die Öffentlichkeit mit der Nachricht überrascht, daß der Oberbefehlshaber, Prinz Adalbert, sich in das große Hauptquartier begeben und Vizeadmiral Jachmann die Führung der Flotte übernommen habe. Die offizielle Begründung zu diesem Schritt, der Prinz wolle bei der Armee seinen »Tatendrang« befriedigen, war, ohne an dem persönlichen Mut des Prinzen zweifeln zu wollen, klassische »Hofberichterstattung«; in Wirklichkeit litt der Prinz an so starker Kurzsichtigkeit, daß er für einen aktiven Einsatz nicht mehr in Frage kam.
Mehr als eigentlich zu erwarten war, mußte sich während des Kriegsverlaufs der Kanzler des Norddeutschen Bundes, Bismarck, mit den Problemen der Marine befassen. Als sich im Herbst 1870 die Niederlage der Franzosen abzeichnete, setzte russischer Einfluß ein, mit dem Ziel, daß Frankreich in Europa von einem siegreichen Deutschland möglichst geschont werde. Als Kompensationen dafür sollte dieses sich an den französischen Kolonien und an der französischen Panzerflotte schadlos halten. Bismarck wies derartige Pläne strikt ab. Noch mehr in das Gebiet der hohen Politik ragte das zweite Problem. Die neu organisierte Volksarmee der französischen Republik erhielt von Übersee, insbesondere von Großbritannien und den USA, große Waffenzuführungen. Was lag näher, als gegen die diese Waffen transportierenden neutralen Schiffe durch geeignete Kriegsschiffe der deutschen Flotte einen Kreuzerkrieg zu eröffnen? Bismarck gab dazu aber seine Zustimmung nicht, und als er es schließlich doch auf Drängen des Prinzen Adalbert tat, da erfolgte dies nur halbherzig. Er hatte auch nichts dagegen, daß nur der Einsatz eines Schiffes (der Korvette Augusta) befohlen wurde. So mußte im deutsch-französischen Krieg die Flotte der Armee allein den Lorbeer des Sieges überlassen.
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1872 bis 1918
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