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 | Eine Reise des Seemanns "Smut" Willi Lindenau (1999) |
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Fortsetzung
Kuantan, vor Anker
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Wir erreichten Kuantan und gingen vor Anker, da kam ein Anruf, vier Tage vor Reede, gleich darauf der nächste, wir gehen längsseits. Alles steht bereit, vorne und achtern. Wieder ein Anruf, der Lotse kommt morgen früh 6.00 Uhr. Da kommt Freude auf, wieder gestanden, für nichts. Am nächsten Morgen, die Leute standen schon seit 5.00 Uhr, kam der Lotse endlich um 7.00 Uhr, eine Stunde später waren wir fest. Jetzt beginnt wieder das Spiel - Gangway runter, Luken auf, Copra rein. Ein Krach, den man fast nicht ertragen kann. Acht Förderbänder laufen, die Schiffsdiesel, die Kranwagen, die LKW, ein Generator, da ist es aus mit himmlischer Ruhe. Dann kommt Wind auf, Copra ist sehr leicht und vor allem staubig, da siehst du keine 2 Meter mehr weit; die Augen schmerzen, trotz Schutzbrille. Dieser Staub dringt überall ein, und selbst sieht man aus als wäre man in einen Sack Kakao gefallen.
Der Hafen von Kuantan ist nicht sehr groß. Bulk-, Container-, und Tanker-Pier, dicht bewaldet. Alles zieht sich wie ein Ring um den Hafen. Nach Feierabend, mittags 12.00 Uhr, schaute ich mir die Gegend etwas an, alles sehr sauber, auch der Strand. Nicht weit davon entfernt stand eine Wohnsiedlung, man erzählte mir hier wohnen die Leute vom Hafensicherheitsdienst und der Feuerwehr, alles sehr gediegen und preiswert. Um 15.00 Uhr war ich wieder an Bord, und bereitete das Abendessen vor, - nur für wen? Alle waren von Bord, nur der Kapitän nicht, der kam um 18.30 Uhr zum Essen. Jetzt war es für mich zum Landgang zu spät, ich war sauer.
Am nächsten Tag kam ein Passagierschiff, die Super Star Virgo, das war toll, ein schwimmendes Hotel. 3 000 Passagiere, 1 400 Mann Besatzung (incl. weiblichem Personal). Abends lief sie wieder aus. Irgendwann in der Nacht lief ein Cargo-Schiff ein, beladen mit Edelhölzern, das waren Stämme. Ein Teil der Crew war sauer, sauer darüber, daß die Wälder in denen die Bäume stehen in ihrer Heimat abgeholzt werden. Keiner kann verstehen, das man aus Geldgier die Natur kaputt macht. Wenn das so weiter geht, haben wir bald keine Wälder mehr. Als Seemann sieht man so etwas oft, z.B. wenn man Kohle für die großen Kraftwerke liefert. Die verbrauchen täglich 15 000 Tonnen, da fragt man sich - wächst die Kohle auch so schnell wieder nach? Und ich helfe auch noch mit so etwas zu unterstützen, aber was soll ich machen - Ist doch mein Job!!!
Bis zum Hals in Copra
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Noch vor 5 Jahren konnte man riesige Schwärme fliegender Fische sehen, bei ruhiger See 30-40 Stück. Oder, ich erinnere mich, 1969, kurz hinter dem Englischen Kanal sah man sehr oft Tümmler, die beidseitig das Schiff begleiteten, Luftsprünge machten oder Saltos. Zehn Jahre später sah man keine mehr. Selbst Haifische sieht man immer seltener.
Heute liefen wir wieder aus, unser nächster Hafen ist Pasir Gudang, selbes Land, gleiche Fracht. Nach 10 Stunden sind wir da. Als erstes kommt ein Inspektor an Bord und befragt uns über Schiffssicherheit - z.B. was bedeutet QSME, SOLA, ISO usw., danach bekommt unser Schiff eine Plakette, ungefähr wie der TÜV für's Auto, nur das hier Schiff und Mannschaft begutachtet werden. Pasir Gudang ist ein reiner Industrie-Hafen, hier erfahre ich zum Ersten mal was so gut an Copra ist. 80% Proteingehalt, reines Kraftfutter, damit kann man Klepper großziehen, ohne Chemie. Aus der Ausgangsfrucht, der Kokosnuss, wird zuerst das Oil gepresst, der Rest ist dann Copra.
Seehunde begleiten (begleiteten) uns
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Die nächste Stadt vom Hafen aus ist Johor, nette, mittlere Stadt, sauber, modern, Beton und Glas, aber nicht unbedingt umwerfend, außer man rutscht auf einer Bananenschale aus. Das Stadtbild kam daher zustande, daß der Bagger bei den Sanierungsarbeiten alles radikal weggeräumt hat. Einige Tempel und Kirchen sind jedoch erhalten worden. In Malaysia leben viele Religionen zusammen, Moslems, Buddhisten, Christen usw., jedoch alle friedlich. In einem Moslem-Restaurant bestellte ich mir ein Bier, wurde aber höflich darauf hingewiesen, daß hier kein Bier verkauft wird.
Unser nächster Hafen hieß wieder Singapore, wir konnten ihn von Pasir Gudang aus sehen, lag auf der anderen Seite des Flusses. Hier bunkerten wir wieder Schweröl. Mal sehen wie es morgen wird, oder wo wir morgen sind. Was noch zu sagen bleibt ist die hier gegenwärtige Piraterie. Die klauen wie die Raben, auf unserem Schwesternschiff wurden einmal 1 600 kg Farbe geklaut. Es gab auch schon Tote. Aus diesem Grund, aber auch aus Gründen der Schiffssicherheit und des Umweltschutzes, werden wir Seeleute immer wieder geprüft. Vor mir liegt ein Inhaltsverzeichnis mit sage und schreibe 249 Abhandlungen nur für Rettungs-, und Schlauchboote. In Brasilien sah ich mal ein Schiff brennen, eine riesige Rauchwolke, vom Schiff war nichts mehr zu sehen, auch die Löschhubschrauber konnte man nur noch hören. 17 Leute mit schwerer Rauchvergiftung im Krankenhaus, zum Glück lag das Schiff vor Reede.
Kanada, Printpaper laden
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Ich habe einmal einen Beinahe-Unfall erlebt. Wir waren in Kanada und luden Zeitungspapier-Rollen (Printpaper). Dazu braucht man in der Luke, zum stapeln, Gabelstapler. Die, welche wir benötigten, waren vier Tonnen schwer und wurden mit unseren Bordkränen an Bord gehievt. Bis Kante Luke ging alles gut, dann fing eine Kranrolle an sich zu verbiegen, und drohte abzureißen. Der Kapitän und der Cief-Mate nahmen alles gelassen und waren am Lachen, uns war dazu nicht zumute. Mit Mühe und Not wurde der Stapler an Deck aufgesetzt, danach wurden die Kranrollen-, und Seile gewechselt. Wäre das Seil gerissen und der Stapler herunter gekracht, das hätte ein Loch im Schiffsboden gegeben, welches eine Kur im Trockendock erforderlich gemacht hätte.
Bei ruhiger See geht ein Schiff selten unter, höchstens durch einen Manöverschaden oder eine Explosion, dann heißt es - Alle Mann von Bord, das bedeutet in die Rettungsboote oder direkt ins Wasser. Bei stürmischer See und starkem Seegang bekommt man eine Rettungsboot fast, oder gar nicht heil herunter, es zerschellt an der Bordwand. Ein paar tausend Tonnen Stahl und Ladung, von der See hin und her geschleudert, lassen das einfach nicht zu. Es gibt einen neuen Typ von Rettungsboot, der ist geschlossen und wird achtern heraus geschossen, direkt ins Wasser. Wer aber denkt, so etwas gibt es oft, der irrt. Viel zu teuer.
Stürmische See
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Dann ist da noch etwas: wenn man nicht mindestens 300 Meter von einem sinkenden Schiff weg ist, kommt man in den Sog, Fahrstuhl ins Jenseits. Bist du auf dem Nordatlantik, im Winter, da erfrierst du im Wasser. Die Gefahr des Erfrierens ist größer als die des Ertrinkens. In südlichen Gewässern warten die Haie.
"Sicherheit" bedeutet aber auch "geeignetes Personal". Während unsere Deutschen Seeleute als Moses anfangen, dann Leichtmatrose, und nach einer Ausbildung ihren Matrosenbrief, bei Eignung den Bootsmannsschein machen, nennt man das eine solide Ausbildung. Decksoffiziere machen ihre Zeit bis zum Matrosen und gehen dann dreieinhalb Jahre zur Seemannsschule. Nach bestandener Prüfung haben sie dann ihr Patent, nach weiteren zwei Jahren das Kapitänspatent. Das Maschinenpersonal benötigt einen erlernten Beruf im Stahlgewerbe an Land. Abitur, zwei Jahre Ingeneur-Assi. dann auch dreieinhalb Jahre Studium. Das Patent muß jeder selbst bezahlen, mindestens 50 000 Mark. Das heißt - Schulden. Da mußt du schon eine kleine Ewigkeit fahren damit sich die Ausbildung lohnt. Nun kommen aber die Lohnforderungen der Deutschen - da wurde ausgeflaggt, zu teuer. Jetzt kommen die ausländischen Kameraden.
Ich will das 'mal beschreiben, ohne Diskriminierung:
Bootsmann "Kai Budjang"
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In der Maschine sieht das so aus - Nie auf See gewesen, zwei Jahre Reiniger, halbes Jahr Schule, schon ist man Ingeneur. Zwei Jahre fahren, dreiviertel Jahr Schule und schon hat man ein großes Patent. An Deck das gleiche. Die wirkliche Patentlösung - Aber viel billiger, was die Heuer betrifft.
Bald ist diese Reise für mich zu Ende, freue mich schon jetzt auf Amsterdam. Aber erst kommt Mauritius, feine Insel, war schon zweimal dort. Einmal habe ich 200 US $ im Spielcasino gewonnen, bin sofort mit dem Steward nach Granville ins nächste Casino gefahren, habe das Geld in zwei Minuten wieder verloren.
In den nächsten Tagen werden wir Madagaska passieren. Zur Zeit wird es kühl, es sind nur noch 25 Grad Celsius. Wenn bis Amsterdam, z.Zt. sind wir am Horn von Afrika, nichts besonderes mehr passiert möchte ich mich hiermit verabschieden. Das war eine meiner vielen Reisen die ich als Schiffskoch erlebt habe, es waren Gute und Schlechte Zeiten, es war eben mein Beruf.
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