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Eine Reise des Seemanns "Smut" Willi Lindenau (1999)

 
Eine Reise des Seemanns "Smut" Willi Lindenau (1999)

© by Willi Lindenau / © by Webmaster
 

Seefahrtbuch von Willi Lindenau

Anheuern
Ich nenne mich Seemann weil ich viele Jahre auf See mein Geld verdient habe, manche nennen es auch Heuer, mir egal Hauptsache das Geld stimmt. Dafür arbeite ich an erster Stelle, ohne Moos nichts los.
Als erstes braucht man ein Schiff und einen Heuervertrag, hat man den hat man ein Schiff. Man bekommt den Vertrag aber nur mit i.s.o. Papieren, Reisepass, Gesundheitszeugnis, Seemannsbuch und Safety Documents als Rettungsbootsmann, Feuerschutzmann, Medical First AID AT SEA. Ohne diese Papiere geht wirklich nichts.
Dann hat man ein festes Schiff zum anheuern. Man fährt zum Schiff, sucht den Kapitän oder den Wachoffizier an Deck, gibt seine Papiere ab, dann erschallt der Ruf "Die Ablösung Ist Da", man wird schon sehnlichst erwartet, 10 bis 12 und sogar mehr Monate auf See, man ist froh "ABLÖSUNG".
Man begrüßt sich stellt die Koffer ab wird in sein Aufgabengebiet geführt, mein Reich ist die Kombüse, bekommt alle Schlüssel für Kombüse und Vorratsraum, und Tschüss, erklärt wird selten etwas; so, da steht man nun, schau wie du fertig wirst, Frühstück 7.30 Uhr bis 8.00 Uhr, Mittag von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr, Abendessen von 17.30 Uhr bis 18.00 Uhr, danach Saubermachen und Feierabend. Irgendwann im Laufe des Tages kommt der Kapitän, na Koch, alles in Ordnung? Klar. Selbst wenn nicht, nützt das nichts, man muß es in Ordnung bringen. Der erste Tag ist meistens sehr schwer, bis man alle Räumlichkeiten kennt, außerdem kommt meistens Proviant, so 1 000 bis 1 500 Kg Fleisch etwa 200 Kg Huhn, 100 bis 200 Kg Wurst, Käse, so 200 Liter Speiseoel, 1 800 Eier, 700 bis 800 Kg Reis, 50 bis 100 Kg Kaffee H-Milch Sahne, Fisch-Konserven-Gewürze-Eiscreme, so alles in allem für 20 000 Euro; ein bis eineinhalb LKW!
DAS MUSS GEORDNET WERDEN, sturmfest vertaut oder besser gesagt verstaut, man kann nur hoffen das der letzte Smut an alles gedacht hat, man kann unterwegs nichts kaufen. Mein Rekord war ununterbrochen 47 Tage auf See und davon 45 Tage nur Sturm und was für ein Geschaukel auf dem Eimer.
Nach Feierabend geht man meistens in den Messraum, Aufenthaltsraum und Speiseraum, trinkt dort einen Kaffee oder Tee, dann lernt man so nach und nach die anderen kennen. Jeder an Bord ist interessiert wer ist der neue Koch? Ein Matrose fragt, wer ist der neue Bootsmann? Die Maschinenleute fragen, wer ist der neue Chiefingeneur? Die Nautiker fragen, wer ist der neue Kapitän auch "ALTER" genannt, aber jeder fragt " Wer Ist Der Neue Koch"? Es ist wirklich so, ein guter Smut hebt die Laune.
Auf See gibt es für jeden nur Arbeit. Man hat zwar Video, man hat einen - meistens guten - Sportraum, von Tischtennis über Hanteln, Trainingsgeräte Turnstangen usw. Es gibt 3 Mahlzeiten, zum Frühstück Brot-Reis-Butter-Kaffee-Tee, Wurst und Käse vom Vorabend, und ein extra warmes Frühstück Eier-Steak-Bratwurst-Leber-Pfannkuchen-Omelette-Kotelette, Honig und Marmelade. Mittags ein Menü Suppe-Hauptgericht-Beilagen-Nachtisch. 15.00 Uhr Coffeetime, manchmal mit Keksen. Donnerstag und Sonntag gibt es zum Frühstück frische Brötchen und zur Coffeetime Kuchen. Sonntags abends gibt es meistens kalte Platte, je nach Smut, von gut bis miserabel. Samstag ist der Eintopftag, dann hat man Zeit die Kombüse richtig zu putzen, Wände-Flächen-Kühlräume, den Bestand prüfen und auch 'mal ein Bierchen nebenbei oder auch zwei und drei und ein paar mehr.
Wäsche waschen kann man täglich, Trockner sind auch vorhanden. Manche Schiffe haben eine gute Crew, manche haben Cliquenbildung, jeder gegen jeden, man kann sagen, das Klima hängt von Kapitän und Smut ab, obwohl man (Smut) den letzten Rang begleitet, vor dem Steward. Der Steward ist für die Kantine zuständig, er verkauft Bier, Schnaps, Zigaretten; ein Schiff ohne Nikotin und Alk läuft schlecht. Die Kantinenpreise bestimmt der Kapitän. Ist er ein Raffke - hohe Preise schlechte Marken, ist er sozial - Zigaretten 3,75 US $ bis 7 US $ je nach Marke, Sprit von 5 bis 26 US $ so für einen Dimple 26 Years old und 2,75 US $ für Charly Peng - Kopfschusswasser genannt.
Verstaubter Koch - Willi Lindenau Verstaubter Koch - Willi Lindenau

Es ist selten das nur eine Ablösung kommt, meistens 5 bis 6 Mann aus allen Bereichen. Sobald das Schiff ausgerüstet ist, Ladung an Bord, auf Los geht's Los. 2 bis 3 Tage dauert der Trennungsschmerz man ist zwar auf See aber mit dem Kopf zu Hause.
Dann kommt der Alltag, dann beginnen kurz vor dem Hafen Überprüfungen um ALLES KLAR zu haben, wenn die Emigration kommt, der Veterinär, die Sicherheitskontrolle, die Staatskontrolle, die Flagcontrol.
Was wichtig ist wenn man an Bord kommt, 2 Zahnbürsten, Zahncreme, Rasierklingen, Seife und ein Handtuch. Es dauert oft bis zu 2 Tagen, ehe der Steward alles herausgegeben hat. Schuhe, winterfeste Kleidung sollte man immer mit haben, Schuhe deswegen, da man in vielen Ländern Asiens oder Südamerikas höchstens bis zu Größe 40 kaufen kann, Schuhgröße 42 ist schon ein Wunder, und immer, sogar noch auf See, kann ein Schiff ohne Vorwarnung den Hafen wechseln, auf einmal ist man statt in Kenia im kanadischen Kältegebiet; obwohl, im Sommer ist es in Kanada doch sehr warm. Wichtig sind auch Briefpapier und Schreibzeug. Bücher nicht, CD-MC auch nicht, die bringen nur Gewicht. Fotoapparat oder Videorekorder ist gut, es gibt doch viel zu sehen, knipsen wir es an.
Und nun hofft man auf eine gute verträgliche Crew und einen humanen "ALTEN".

Eine Reise
Sonntag Morgen, 15. August 1999, meine Tochter fährt mich, wie schon so oft, zum Flughafen Hamburg. Wieder hole ich mir mein Ticket. Meine Papiere und 38 Kg Gepäck sind das Wichtigste im Moment, alles was man für mindestens 9 Monate braucht. Auch eine Weltkarte und zwei Wörterbücher, Englisch und Spanisch, sind von Vorteil, eine Kamera mit 2 Filmen und ein Wecker sind auch dabei, eben alles was man braucht. Den Talisman, der Glück bringen soll, vergesse ich nie. Nach Erhalt der Bordkarte verabschiedet man sich, immer dasselbe, mindestens 9 Monate sieht man sich nicht mehr. Nun ist man alleine, trinkt seinen Freikaffee von Lufthansa, die werden auch immer kleinlicher, früher, das muß noch in der Steinzeit gewesen sein, gab es belegte Brötchen, Früchte oder einen Schokoriegel, ja, Service ist alles!
Amsterdam ist nicht weit, Kuala Lumpur ist weiter, man ist mit den Gedanken noch bei der Tochter, Schwester und Freunden, man weiß wirklich nicht ob man sich noch einmal sieht. 24 Jahre alt, da konnte es nie weit genug und lang genug weg sein, heute mit 55 Jahren ist das schon anders. Als man über den Himalaya fliegt, es ist schon dunkel, ist man verdammt alleine.
Die Landung in Kuala Lumpur war eine Erleichterung, das meiste war geschafft. Erst einen Kaffee dann 2 Eier, lassen die Lebensgeister wieder erwachen. Der nächste Flug, zum Glück nur eine halbe Stunde, läßt die Lebensgeister vollends wach werden. Der Agent wartet schon und bringt einen zum Schiff. Nichts da, kein Agent, nichts, Schwierigkeiten mit der Emigration. Zwei vergebens geführte Gespräche mit der Agentur lassen die Lebensgeister etwas wackeln, Schei...! Erst nach dem dritten Anruf erreiche ich jemanden der zuständig ist, er läßt einen schicken. Die erste Frage ist "Have you Money"?, ich verneine, mein Pass wird einbehalten, wir fahren mit einem Taxi zur Agentur. Der Typ dort tat ganz ahnungslos, bis ich ein Fax sah mit meinem Namen. Auf gut Deutsch, gepennt haben die Typen oder waren zu faul, gelobtes Medan, gelobtes Indonesien, soviel Zeit hätte ich auch mal gerne. Man besorgt mir ein Taxi, und nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt, auf gut ausgebauten Straßen, bin ich im Hauptbüro der Firma, dort besorgt man mir ein Hotel. Mein Zimmer ist sehr groß, mit Vorraum und riesigem Badezimmer, alles ist sehr sauber, alles funktioniert, sogar der Kühlschrank ist gefüllt. Gehe im Restaurant essen, genieße die indonesische Küche und den wunderbaren Tee, das versöhnt, nun ist es sogar das viel gelobte Medan. Ziehe mich zurück und schaue Fernsehen, schlafe dabei ein. Beim Aufwachen stellt sich sofort wieder ein Hungergefühl ein, wieder eine wunderbare Palette an Speisen und Tee. In dem Hotel gibt es auch eine Disco, nennt man doch so, wunderbare Frauen, vom feinsten würde ich sagen. Aber das lockt nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren. Ein tiefer Schlaf alleine ist auch nicht zu verachten.
Mein neuer Eimer Mein neuer Eimer
Das Telefon klingelt, etwa eine halbe Stunde später werde ich abgeholt, daß Schiff ist angekommen, damit hat mich der Alltag wieder erreicht, eine Arbeit mit 7 Arbeitstagen zu je 11 Stunden erwartet mich.
Good by schönes Leben, arbeitsfrei ist nun vorbei, Stress beginnt; auf in den Kampf.
Nach 5 Minuten Fahrt sehe ich das Schiff, das für mindestens 9 Monate meine Heimstadt wird. Wenn man den Schornstein sieht mit den zwei Buchstaben, dann weiß man, ich bin da. Als ich aus dem Auto steige wird mir direkt geholfen mein Gepäck die Gangway hoch zu bringen. Na ja, ein dicker Koch schindet immer Eindruck. An den Luken vorbei, erreicht man den Aufbau. Was sieht man, ein bekanntes Gesicht, Ali Able Seemann, denkste, Ali ist mittlerweile schon Bosun. Wir begrüßen uns und schnacken ein paar Worte. Steige ein paar Treppen, und gelange zum Kapitän. Der Salon ist gerammelt voll, Emigration, Veterinär, Gustom, Schiffsagent, Schiffshändler, Busenesmaker, stelle mich dem Kapitän vor und gehe hinunter in die Kombüse. Den Typ, den ich für einen Maschinenreiniger hielt, war der Koch. Die Küche ist voll von Typen, normalerweise hat außer dem Koch, dem Kapitän und dem Chief Mate hier keiner was zu suchen, es sei denn, er hat einen Arbeitsauftrag. Stelle mich erneut vor, sehe in den Pötten nichts vernünftiges, gekochtes Hackfleisch mit Dosenerbsen drinnen, schmierigen Reis der im gleichen Moment warm gemacht wird, ein riesiger Pott mit Wasser kocht, der Koch schält Kartoffeln, aber wie, ohne Wasser ohne waschen werden sie in das kochende Wasser geworfen, mit Grauen verlasse ich die Küche, so was sah ich noch nie, die Küche sah aus als wäre es der Raum für Mülltonnen, der seit Wochen nicht mehr gereinigt wurde. Schlimm so etwas. Beim Herausgehen sieht mich Ali, er meint "komm mit", ich folge ihm zur Suez Crew Kabine, gerammelt voll, 7 Polen 2 davon Schweißer und 5 Tankfitter, Ali und ich kommen dazu, erneutes Vorstellen, aber diesmal stellt Ali mich vor.
Auf dem Tisch in der Mitte stehen 5 Flaschen Wodka, werden in 30 Minuten geleert, es kommt Nachschub, auch Bier, ich trinke noch ein Bier, gehe in meine Kammer um fit zu sein, für den nächsten Tag, 5.30 Uhr ist die Nacht zu Ende.
Am nächsten Tag bin ich schon um 5.00 Uhr in der Küche. Die Provianträume sehen aus wie eine Rumpelkammer, erst 'mal Kaffee trinken, eine rauchen, nochmal durch die Provianträume, je mehr man sieht je schlimmer wird es. Jonny, mein Vorgänger, erscheint um 6.00 Uhr, er kocht sich erstmal einen Kaffee, auf alle meine Fragen - wo steht jenes oder dieses - weiß er keine Antwort, komischer Kauz, 14 Monate an Bord und kennt seine Räume nicht. Er erklärt mir das sei sein erster Job an Bord, er ist 50 Jahre alt und hatte vorher in einem Restaurant in Colombo gearbeitet. Als was? Komische Frage von mir. Als Dishes Cleaner, aber er konnte den Koch immer sehen. Toll, sehr toll finde ich das. Er ist katholisch erklärt er mir stolz, das nützt mir wenig. Ein Koch der mir die Küche ordentlich übergibt wäre mir lieber gewesen. Als er mich fragte, ob ich ihm erklären könnte wie man Soßen macht, schmiss ich ihn wütend hinaus, auch die Fuzzys die bei ihm in der Küche waren bekommen einen Satz als sie versuchen sich bei mir einzunisten.
Copra laden über das Förderband Copra laden über das Förderband

Tolle Sache, als mein Frühstück fertig ist, sehe ich das der meiste Proviant verdorben ist, Bombagen, Gläser kaputt, Verfallsdatum überschritten oder auslaufend teilweise alles voller Parasiten. Freude kommt auf als man das sieht, Wut auch. Dann sie Selbstfrage: Wer wollte denn auf See? Natürlich, Frage beantwortet!
Mittag wird auch erledigt, Abendessen auch, dann der Gang durch die Kühl-, und Frosträume, drinnen war ich ja schon, nun kommt die genaue Prüfung. Das sieht ja auch nicht berauschend aus, 70 Brote, 200 Schapatis 50 Schapatis special. Die zwei Tage im Hotel sind längst vergessen, der Alltag war doch schneller da wie vermutet. Chicken Picks und Puter Picks in rauen Mengen, ja das war der erste Tag an Bord.
Nach ein paar Tagen kommt der neue Kapitän, wir fuhren vor 9 Jahren schon einmal zusammen, er hatte keine Zeit, wir luden Copra, es staubt und es zieht sich hin. Händler und Frauen umkreisen das Schiff, auch Drugdealer sind da, Transvestiten auch, Indonesien kann mit allem dienen.
Die jungen Leute gehen nach Arbeitsschluß an Land, eine Nacht mit Essen, Raum, Trinken und Fauen kostet so um die 35 bis 50 US $, ja, dafür geht man ja auch arbeiten, der Mensch lebt nicht nur von Brot alleine, was handfestes in der Nacht ist auch nicht zu verachten.
Copra verteilen Copra verteilen, in den Ladeluken
Für mich kommt jetzt die Zeit sich 'mal Gedanken zu machen, wie man das am besten schaukelt mit dem Proviant, das wird schwer. Der Dritte Offizier und ich versuchen unser Bestes mit dem Proviant, das Verdorbene haben wir schon garnicht mit aufgenommen, wir liegen hoch, wir mauscheln ein bißchen, ein bißchen zu viel.
Nachdem wir abgesegelt sind bestellen wir in K.LANG Proviant für eine Fahrt um Afrika, wir bleiben aber noch drei Wochen in K.LANG, als wir ablegen haben wir eine 41 tägige Reise vor uns.
Auf See entledige ich mich des verdorbenen Proviants, ungefähr für 4 000 bis 5.000 DM, eine Zahl, unvorstellbar, und als ich Hähnchen machen will, sie auftaue, stelle ich fest, auch die sind verdorben. So leid es mir tut, sie müssen über Bord. Das ist wirklich ein Schlag ins Kontor würde ich sagen. Natürlich fehlen bei der nächsten Proviantabrechnung die ganzen Sachen, ein Satz von 17,90 DM erscheint, man kommt sich vor wie der letzte Idiot, weil man andere nicht in die Pfanne haut hat man schlechte Karten, wer das nicht kennt der soll 'mal vor so einem Trümmerhaufen stehen. Ob ich nochmal so eine Übernahme durchgehen lasse weiß ich nicht, aber im Moment würde man so eine Type verprügeln, zum Glück war er nicht da.
Als wir in Cork (Irland) einlaufen gibt es neuen Proviant und anschließend in Amsterdam die Hauptausrüstung, nun können wir wieder getrost um die Welt reisen.
Der Bosun und die zwei polnischen Schweißer sind schon morgens um 8.00 Uhr ganz schön abgefüllt, mit Wodka, die fünf Tankfitter flogen in Mean Medan nach Hause. Unser nächster Hafen ab Amsterdam ist in Canada Beau Coma, dort laden wir Getreide (Grain) für Japan. Das Laden geht schnell, wir bestellen wieder Frischproviant und ein paar Köstlichkeiten für Weihnachten. Nach 5 Jahren komme ich wieder 'mal durch den Panamakanal und zum letzten mal unter US-Regie. Da schöne Tage anbrechen können wir täglich unseren Swimmingpool mit Seewasser füllen, 28 Grad Celsius, ganz angenehm. Der Bosun, unser Superheld, springt, natürlich wieder total abgefüllt, mit einem Kopfsprung ins Wasser, was ihm zwei fürchterliche Beulen am Kopf einbringt.
Panama-Kanal-Schleuse Panama-Kanal-Schleuse
Als er einen Tag später, auch wieder betrunken, in eine Ladeluke hinein fällt, sieht er aus wie ein Freiboxer der schon 5 Jahre keinen Kampf mehr gewonnen hat, ein Leben nach dem Motto - lieber besoffen und auffallen als nüchtern und besonnen. Der Hammer kommt noch, als er zwei Tage hintereinander betrunken im Messraum mit Teller und Tasse hinfällt und den Messraum in eine Schlammmesse verwandelt. Unser Chief Mate sagt ihm nicht viel. Selbst wenn der Bosun sich keinen Sprit kauft, er hat einen innerlichen Detektor und weiß wo es welchen gibt. Jeder Mensch hat sein Spezialgebiet. So lange ich Ali kenne ist er nur da anzutreffen wo es freie Drinks gibt. Aber wenn er an Land geht ist er auch abgefüllt, dann läßt er 200 bis 300 US $ sausen, weil er keine Kontrolle mehr über sich hat. Am nächsten Tag dann weint er seinem Geld nach.
Mittlerweile wurde es wieder kälter, wir erreichen Japan und denken - Japan, schnelle Häfen, das wird in 5 Tagen erledigt sein. Wir kommen in 5 verschiedene Häfen - überall in Japan sind buddhistische Feste im Gange.
MASCHINENSCHADEN - Turbo Harry ein Maschinentechniker kommt an Bord, er will Weihnachten wieder zu Hause sein. Erst kommen seine Teile an Bord und dann passen sie nicht, nachschleifen lassen ist die Problemlösung, aber es passt noch immer nicht. Die auseinander gelegte Maschine wird notdürftig zusammengebaut, mit Slow-Tempo erreichen wir nach ein paar Stunden den nächsten Hafen, alle mehr oder weniger nah am Nagoja gelegen, die Zeit läuft, Weihnachten ist Harry noch immer da. Heiligabend und erster Weihnachtstag, war keine Zeit zum feiern. Aber am zweiten Tag holen wir das nach. Das Frühstück beginnt mit frischen Brötchen, Fruit Juice und Rührei. Mittag fängt mit einem Vorspeisenteller an, Stangenspargel, geviertelte gekochte Eier, Räucherlachs, Sahnemeerrettich, Radieschen, danach Geflügelcremesuppe. Als Hauptgericht gibt es Karibou, Sahnesoße, Rosenkohl, Cremechampignons, Apfelrotkohl, Kroketten und Petersiliekartoffeln, anschließend Eiscreme mit Früchten und Schlagsahne. Ich bin enttäuscht, außer dem Kapitän und Harry nimmt sich keiner Zeit für das Essen, wozu auch, im neuen Hafen lagen wir vor Anker.
Harry wird nervös, seine Abreise verschiebt sich zum dritten und sogar zum vierten mal, als wir dann doch noch längseits gehen, seine Teile passen und zwei Tage vor Silverster kann Harry nach Hause fliegen. Wir gehen wieder vor Anker. Den 31. Dezember 1999 erleben wir auf der Brücke, Punkt 00.00 Uhr knallen unsere Sektkorken, mein zweites Silverster in Japan, wieder vor Anker, Schei..e! Wir leeren reichlich Flaschen, zum ersten mal seit ich an Bord bin komme ich erst um 2.30 Uhr ins Bett. Das neue Millenium fängt für mich mit Arbeit an. Bis wir unsere Ladung gelöscht haben, nach nochmaligem Wechsel der Pieranlage, werden 25 Tage ins Land gehen.
Unser nächster Tripp führt uns nach Amerika, genauer gesagt nach Kanada - Alaska.

 

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