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 | Die Entdeckung der Pazifik-Inseln |
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Die Entdeckung der Pazifik-Inseln Fortsetzung
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Entdeckung der Pazifik-Inseln / © by Webmaster
Der Holländer, der die spanische Vorherrschaft brach
Der holländische Freibeuter Olivier van Noort ist auf diesem Stich aus dem 17. Jahrhundert mit zwei anderen Weltumseglern zu sehen.
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Es war beinahe ein Zufall, daß die Holländer sich an der Erforschung des Pazifik beteiligten. Während des größten Teils des 16. Jahrhunderts, als die Spanier die Reichtümer Nord- und Südamerikas ausbeuteten und die Portugiesen das Monopol auf den Gewürzrouten um das Kap der Guten Hoffnung hatten, begnügten sich die Bürger Hollands - der damals führenden Seehandelsnation der Welt - mit dem sicheren Einkommen, das der Transport von Waren aus den spanischen Niederlassungen in andere europäische Häfen abwarf.
Eine Fehlkalkulation Philipps II. von Spanien machte diesem angenehmen Zustand ein Ende. Er beanspruchte die Herrschaft über Holland und versuchte, ihre Unterwerfung auch dadurch zu erreichen, daß er 1594 die spanischen Häfen für holländische Schiffe schloß. Mit diesem Embargo schadete er sich jedoch nur selbst. Als den hervorragenden holländischen Seefahrern der lukrative Gewürzhandel mit Lissabon und Cádiz verwehrt wurde, begannen sie, ihre eigenen Expeditionen nach Ostindien zu schicken. Die erhrgeizigste dieser Fahrten wurde von einem Rotterdamer Gastwirt und ehemaligen Freibeuter namens Olivier van Noort geleitet, der zum ersten holländischen Weltumsegler wurde - und damit das Ende der spanischen Hegemonie im Pazifik ankündigte.
Obwohl er angeblich nur auf eine normale Gewürzfahrt ging, hatte van Noort von Anfang an vor, spanische Schatzschiffe zu kapern. In einer Petition an die holländische Regierung schlug er vor, über die spanischen Besitzungen längs der Westküste Amerikas zu segeln - Häfen, die ein Gewürzfahrer niemals angelaufen hätte -, und erbat sich Kanonen, Schießpulver und die Ernennung zum Admiral der holländischen Marine.
Die Regierung willigte ein. Mit 200 000 Gulden, die aus privaten Beteiligungen aufgebracht wurden, kaufte er die 250 Tonnen große Mauritius, ein außerordentlich seetüchtiges Schiff, ebenso die 45 Tonnen große Eendracht, ein schnelles Schiff des Typs, den die Holländer Jacht nannten, und rüstete beide Schiffe aus.
Auf diesem Stich ist Van Noorts Flotte im Rotterdamer Hafen zu sehen. Tatsächlich ging sie von der Provinz Zeeland aus in See.
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Außerdem segelten noch zwei Schiffe aus Amsterdam unter van Noorts Kommando, die Hendrick Frederick, ein Schiff von 320 Tonnen, und die 45-Tonnen-Jacht Hope. Die Expedition geriet schon in Schwierigkeiten, kaum daß sie im Jahre 1598 in See gegangen war. Im Golf von Guinea vor der Küste Afrikas versprachen portugiesische Soldaten auf der Insel Príncipe, den Holländern zu Trinkwasser zu verhelfen, und machten dann den Landungstrupp nieder. Auf der anderen Seite des Atlantik lauerten einige Wochen später portugiesische Soldaten van Noort in Rio de Janeiro auf und stachelten die Indianer dazu an, die Holländer zu bekämpfen, wo immer diese an Land gingen.
Der Winter auf der Südhalbkugel stand vor der Tür, als van Noort sich im März 1599 der Magellanstraße näherte, weshalb er sich auf die unwirtliche brasilianische Insel Santa Clara zurückzog, um dort den Frühling abzuwarten. Dort fand die vom Skorbut geplagte Mannschaft frische Früchte und überholte drei ihrer Schiffe. Sie verbrannte die Eendracht, die so stark leckte, daß sie nicht mehr zu reparieren war, und taufte die Hope auf Eendracht um.
Als die Holländer dann endlich in die Magellanstraße einliefen, mußten sie gegen einen Weststurm ankämpfen. Sie brauchten 116 Tage, um die tückische Meerenge hinter sich zu bringen; als sie den Pazifik erreichten, waren 100 der ursprünglich 248 Männer an Krankheiten oder Verletzungen gestorben. Bald darauf verschwand die Hendrick Frederick in einem Sturm. (Sie überquerte dann den Pazifik allein und wurde an einen Sultan auf den Molukken verkauft; die Mannschaft kehrte auf einem anderen holländischen Schiff heim.)
Obwohl van Noort jetzt nur noch zwei Schiffe und 90 Mann hatte, segelte er trotzdem nach Norden, um längs der südamerikanischen Küste spanische Schiffe aufzubringen. Aber er hatte durchweg Pech. Die wachsame spanische Marine verfolgte ständig seine winzige Flotte, und es ließen sich keine Schatzschiffe blicken. Mitte Mai 1600, nach drei schweren Monaten, segelte Noort längs des Äquators nach Westen, zu den spanischen Kolonien auf den Philippinen.
Er terrorisierte die nur unzulänglich verteidigten Philippinen mit Überfällen, aber auch hier fand er nicht das begehrte spanische Gold. Als er in seiner Verzweiflung tollkühn vor der Einfahrt des Hafens von Manila auf eine einlaufende Schatzflotte wartete, kaperten zwei Galeonen die Jacht und brachten van Noort auf der Mauritius schwere Verluste bei. Selbst auf den legendären Gewürzinseln fand er keine kostbare Fracht. Mit einem demoralisierten Häuflein von 44 Mann segelte er um das Kap der Guten Hoffnung nach Hause.
Van Noort wurde von seinen Teilhabern frostig empfangen, als die Mauritius mit beinahe leeren Laderäumen am 26. August 1601 in Rotterdam vor Anker ging. Er hatte als Freibeuter und Kaufmann versagt - und auch als Forscher, denn er hatte den riesigen Pazifik überquert, ohne irgendwelche neuen Länder zu entdecken.
Aber seine Fahrt war nicht ganz umsonst gewesen. Nach seiner Heimkehr veröffentlichte er einen Bericht über die Reise, der bewies, daß Spanien und Portugal nicht mehr die unumschränkten Herren des Pazifiks waren. Er trug dazu bei, daß eine neue Generation holländischer Seefahrer in diese Gewässer aufbrach.
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Eine Welt voller Merkwürdigkeiten
Die Franzosen kamen erst spät in den Pazifik, den sie bis 1700 fast völlig vernachlässigt hatten. In diesem Jahr segelten zwei Schiffe unter Kapitän Jacques de Beauchesne, einem erfahrenen Marineoffizier, durch die Magellanstraße und weiter nach Westen. Aber auch dieser Vorstoß war nur sehr zaghaft. Beauchesne segelte an der Küste Südamerikas nach Norden, besuchte verstreute spanische Kolonien und Indianersiedlungen und wagte sich nur bis zu den Galápagos-Inseln, etwa 900 Kilometer vor der Kolonie Peru, in die Weite des Stillen Ozeans vor.
Beauchesnes Expedition, die mit der Billigung König Ludwigs XIV. ausgezogen war, sollte vor allem neue Handelsmöglichkeiten erkunden, aber sie hatte - im Gegensatz zu den meisten früheren Expeditionen - auch noch einen anderen Zweck: Informationen zu sammeln. Ein Hydrograph namens Duplessis wurde beauftragt, die Gewässer zu kartieren und die Länder zu vermessen, die besucht wurden, und dieser Gelehrte entpuppte sich auch als Künstler - nämlich als Maler von glücklichem, wenn auch naivem Talent, der von allem fasziniert war, was er sah. "Ich bemühe mich nach Kräften, nützliche Dinge mit kuriosen zu verbinden", schrieb er, "und ich dachte, ich könnte meinen Freunden eine Freude machen und mich gleichzeitig selbst bilden." Was dabei herauskam, war eine vortreffliche Sammlung von Aquarellen von Tieren, Menschen und Orten, ergänzt durch reizende Anmerkungen.
Als ökonomisches Unternehmen wurde Beauchesnes Expedition ein Fehlschlag; sie entdeckten keine Länder, die den Grundstock eines französischen Kolonialreichs im Pazifik hätten bilden können. Aber Dank Duplessis brachte sie weit mehr ein, als solch eine nüchterne Feststellung vermuten ließ. Wenn er nicht malte, studierte Duplessis Strömungen, Winde und die Wassertiefe von Ankerplätzen; außerdem kartierte er Meerengen, Buchten und Häfen bis ins einzelne. Daß er überhaupt an der Expedition teilnahm, war Ausdruck einer neuen Einstellung zur Erforschung des Pazifik, einer Sinnesänderung, die er in seinem Tagebuch so umschrieb: "Es ist in unbekannten Ländern notwendig, alles zu beachten, um anderen und sich selbst einen Weg zu bahnen."
Die Franzosen fanden Duplessis' Werk so wertvoll, daß sie einen großen Teil davon geheimhielten. Aber auch in anderen Ländern erkannte man die Bedeutung wissenschaftlicher Studien, und späteren Expeditionen gehörten neben Hydrographen und Malern auch Astronomen, Naturforscher und Ethnographen an, welche die Geheimnisse des Pazifik erforschten.
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Abenteuer eines Weltreisenden
Die Qualifikationen des Mannes, der im Jahre 1699 erwählt wurde, die erste Forschungsfahrt der britischen Admiralität in den Pazifik zu befehligen, waren gelinde gesagt ungewöhnlich.
William Dampier mit einigen Symbolen seiner Reisen.
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William Dampier war nämlich vor allem als ehemaliger Pirat und Buchautor bekannt. Sein Buch Neue Reise um die Welt, ein ungemein unterhaltsamer Bericht über seine Abenteuer, war erst zwei Jahre zuvor erschienen und lag bereits in der vierten Auflage vor.
Die Weltumseglung, die Dampiers Buch den Titel gab, war eigentlich mehr aufgrund von Zufällen zustande gekommen. Als Sohn einer einfachen englischen Bauernfamilie reiste er in jungen Jahren nach Jamaica und arbeitete auf Plantagen und Frachtschiffen. Im Jahre 1679 schloß er sich einer Gruppe von Freibeutern an, "mehr, um meine Neugier zu stillen, als in der Absicht, mich zu bereichern". In den nächsten 12 Jahren trieb es ihn von Schiff zu Schiff und von Ozean zu Ozean. Dabei schrieb er alles auf, was er erfuhr und erlebte, so beispielsweise, wie er "ein Gericht mit Flamingozungen, das einer fürstlichen Tafel zu Ehre gereicht hätte", auf den Kapverdischen Inseln verzehrte oder wie er mit seinen in einem Bambusrohr aufbewahrten Manuskripten einen Hochwasser führenden Fluß in Panama hinunterschwamm.
Im Jahre 1686, als er auf einem Freibeuterschiff vor der Westküste Mexikos als Lotse diente, überredete er zusammen mit einigen anderen die Mannschaft, den Pazifik zu überqueren, um spanische Handelsschiffe auf der Manilaroute zu kapern. Als mitten auf dem Ozean der Proviant zur Neige ging, machten die Männer Dampier für ihre Notlage mitverantwortlich und beschlossen, ihn aufzuessen, falls ihnen die Nahrung ganz ausgehen sollte. Das Schiff erreichte Guam, als nur noch drei Tagesrationen übrig waren.
Die Freibeuter verzichteten bald auf den Vorwand der halblegalen Kaperfahrt auf spanische Schiffe, um sich regelrechter Piraterie zu widmen, weshalb Dampier beschloß, sich von "dieser verrückten Mannschaft" zu trennen. Aber die Männer weigerten sich, ihn von Bord zu lassen, und behielten ihn auf dem Schiff, während sie Siedlungen im gesamten westlichen Pazifik plünderten. Da sie die Eingeborenen zwar malträtieren, ihnen aber nicht viel wegnehmen konnten, segelten sie durch die Gewürzinseln und landeten sogar einmal an der australischen Nordküste, um "zu sehen, was das Land uns bieten würde". Offenbar recht wenig: Die ersten Engländer, die australischen Boden betraten, waren weder vom Land noch seinen Bewohnern beeindruckt, die Dampier "das ärmlichste Volk der Welt" nannte. (Trotz dieses abfälligen Urteils wurde dieser Teil Australiens später nach ihm benannt.)
Im Mai 1688 setzten die Piraten Dampier schließlich mit sieben Gefährten auf einer der Nikobaren im Indischen Ozean aus. Die Männer gingen mit einem Kanu, das ganze drei Zoll Freibord hatte, nach dem 150 Meilen entfernten Sumatra in See. Als das kleine Fahrzeug in der stürmischen See zu sinken drohte und Dampier "nichts als den Tod um mich sah", überdachte er "mit Schrecken und Abscheu mein bisheriges Leben", und als er Sumatra erreichte, war er entschlossen, der Piraterie für immer zu entsagen.
Nach zweieinhalb Jahren in asiatischen Gewässern kehrte er 1691 über das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück. Als sechs Jahre später sein Bericht erschien, bewogen die begeisterte Aufnahme des Buches durch die Öffentlichkeit sowie seine genauen Beschreibungen ferner Länder und Meere die Admiralität, ihn zum Kommandanten einer für 1699 geplanten Reise in die Südsee zu ernennen. Sie traf damit eine schlechte Wahl. Die Expedition machte keine größeren Entdeckungen, und Dampiers Führungsqualitäten waren so gering, daß er nach seiner Rückkehr offiziell für unfähig erklärt wurde, jemals wieder ein königliches Schiff zu kommandieren.
Aber auch das machte seinen Wanderungen noch kein Ende; er fuhr weiter als Freibeuter und Lotse zur See. Bevor er 1715 im Alter von 64 Jahren starb, hatte er dreimal die Welt umsegelt, jeden bewohnten Kontinent besucht und insgesamt vier Bücher geschrieben, die noch Generationen von Lesern in Atem halten sollten.
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Der größte Erforscher des größten Ozeans
Den Ausdruck unerschütterlicher Entschlossenheit zeigt James Cook auf diesem Bildnis, das drei Jahre vor seinem Tod im Jahre 1779 gemalt wurde. Der größte aller Pazifikforscher erhielt postum ein Wappen zuerkannt, das die rühmende Inschrift "Er ließ nichts unversucht" trug.
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Am 3. April 1768 wurde die Earl of Pembroke, ein unansehnliches Nordsee-Kohlenschiff, an einem besonders guten Liegeplatz der englischen Marinewerft in Deptford, an der Themse bei London, ins Trockendock gebracht. Gedrungen und schwer gebaut, mit breitem Bug und schmalem Heck, wirkte der Neuankömmling ausgesprochen deplaciert inmitten der Reihen schnittiger Fregatten und hoch aufragender Linienschiffe, die in der Werft instand gesetzt und neu ausgerüstet wurden. Einige der Offiziere, die sich in Deptford aufhielten, erkundigten sich brüsk, ob das als Bark getakelte Fahrzeug überhaupt zur Flotte der Royal Navy gehöre. Dann welche Verwendung konnte die Admiralität für ein solches Frachtschiff haben?
Tatsächlich hatte man dem schlichten Kohlenschiff eine beispiellos abenteuerliche Aufgabe zugedacht. Es sollte eine sorgsam zusammengestellte Gruppe von Seeoffizieren und Gelehrten in die fernsten Gebiete des Pazifik bringen, wo sie wichtige astronomische Studien durchführen und wieder einmal nach dem sagenhaften Kontinent suchen sollten, der auf den Karten als Terra Australis Incognita verzeichnet war. Die Wahl war auf ein Kohlenschiff gefallen, weil in ihm die großen Mengen Proviant und wissenschaftlicher Geräte Platz finden würden, die für diese Reise notwendig waren, und weil es einen flachen Boden hatte und deshalb auch einmal auf Grund geraten konnte, ohne Schaden zu nehmen.
Am 5. April taufte die Admiralität das Schiff in Endeavour um und wies die Zimmerleute der Werft in Deptford an, es in höchster Eile für die geplante Forschungsreise auszurüsten. Binnen vier Wochen war der Rumpf zum Schutz gegen tropische Seewürmer mit einer zweiten Beplankung versehen worden. Ihre Masten und Rahen wurden gegen neue Spieren ausgetauscht, und die gesamte Takelage wurde erneuert. Am 18. Mai wurde die Endeavour wieder flottgemacht und bis zum Eintreffen ihres neuen Kommandanten im großen Deptford Basin inmitten der mächtigen Kriegsschiffe des Britischen Weltreichs vertäut.
Für manche Londoner kam die Ernennung von Leutnant James Cook zum Leiter der Expedition in den Pazifik noch überraschender als die Wahl der Endeavour durch die Admiralität. Der 39 Jahre alte Cook war für seine Landsleute praktisch ein unbeschriebenes Blatt. Im Gegensatz zu Kommodore John Byron und Kapitän Samuel Wallis, den Adligen, die an der Spitze der früheren englischen Forschungsfahrten in den Pazifik gestanden hatten, stammte Cook aus den unteren Schichten der Gesellschaft, war nur lückenhaft ausgebildet und hatte nicht einmal seine ganze Laufbahn in der Royal Navy verbracht: Seine Ausbildung hatte er in der Handelsmarine erhalten.
Aber genau wie die Endeavour besaß auch Cook eben die Eigenschaften, die nach Ansicht der Admiralität für dieses Unternehmen entscheidend waren. Von 1763 an hatte Cook vier Jahre lang die raue Küste Neufundlands befahren und mit größter Genauigkeit ihre Buchten und Fjorde kartiert. Mehr als einmal hatte er von der Navy Lob für seine Vermessungsarbeit und sein hervorragendes seemännisches Können geerntet, und die Lords der Admiralität argumentierten, daß die Fähigkeiten, die er bei dem Neufundland-Unternehmen an den Tag gelegt hatte, sich in den unkartierten Gewässern der Südsee als ebenso wertvoll erweisen würden. Tatsächlich sollte Cook der größte Forscher seiner Zeit werden - und der größte Erforscher des Pazifik, den es je gegeben hat.
Als Kapitän der Endeavour sollte er Hunderte von Inseln entdecken und vermessen, die noch kein Europäer zu Gesicht bekommen hatte. Und obwohl die Endeavour nie im Gefecht eine Breitseite auf ein anderes Schiff abfeuerte, war es Cooks epochaler Reise auf dem umgebauten Kohlenschiff beschieden, dem britischen König Georg III. mehr Land und Reichtum zu verschaffen, als je ein einzelner Seesieg der mächtigen britischen Flotte vermochte. Aber der größte Nutzen dieser und er beiden folgenden Reisen Cooks lag nicht im Landgewinn, sondern in einer Erweiterung des geographischen Wissens. Geduldig und methodisch, wo seine Vorgänger voreilig und planlos gewesen waren, zerstörte er Mythen und Illusionen in großem Ausmaß und schenkte der Welt schließlich eine langersehnte Kostbarkeit: eine umfassende Landkarte des Stillen Ozeans.
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Das glanzvolle Vermächtnis eines jungen Künstlers
Als schmächtiger junger Mann ist Sydney Parkinson auf diesem Stich aus seinem Tagebuch einer Reise in die Südsee dargestellt, einem Bericht über seine Erlebnisse, der 1773 postum von seinem Bruder Stanfield veröffentlicht wurde.
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Sydney Parkinson hatte kaum wissenschaftliche Leistungen vorzuweisen, als er 1768 im Alter von 23 Jahren als botanischer Zeichner an Bord der Endeavour ging. Der Sohn eines bankrotten Edinburgher Brauereibesitzers hatte mehrere Jahre widerwillig als Lehrling bei einem Wollhändler gearbeitet, bevor er die Laufbahn eines Stilleben-Zeichners einschlug. Im Jahre 1767 wurde er dem Naturforscher Joseph Banks vorgestellt, der ihm, nachdem er seine schönen Zeichnungen von Früchten und Blumen bewundert hatte, ein Gehalt von 80 Pfund im Jahr anbot, wenn er bereit sei, Cooks Expedition in die Südsee zu begleiten.
Der intelligente und scharf beobachtende Parkinson war schon bald ein unentbehrliches Mitglied des wissenschaftlichen Stabes der Expedition. Er arbeitete täglich im Salon der Endeavour an Zeichnungen von neuen Pflanzen für Banks' rasch wachsende botanische Sammlung. Jedes seiner Bilder zeigte Gestalt, Größe, Färbung, Blätter und Früchte einer Pflanze in erstaunlicher Naturtreue. Hinterher trockneten die Naturforscher die Pflanzen auf ungebundenen Bogen von John Miltons Paradise Lost, die ihnen ein Drucker, der auf einer zu hohen Auflage sitzengeblieben war, billig überlassen hatte.
Viele von Parkinsons Zeichnungen entstanden unter außerordentlich schwierigen Bedingungen. Wenn die Sammler frisch gefangene Fische und Vögel in Mengen anbrachten, mußte er oft im Wettlauf gegen die Natur die Merkmale der Tiere festhalten, bevor die in der tropischen Hitze in Verwesung übergingen; auch konnte es vorkommen, daß ganze Fliegenschwärme den Gegenstand bedeckten.
Wie andere Mitglieder von Cooks Expedition machte auch Parkinson sein Testament, bevor er England verließ, in der fatalistischen Einsicht, daß er, "wenn Gott es so will, nie mehr heimkehren werde". Er kehrte nicht heim. Als die Endeavour auf der Heimreise den Südatlantik erreichte, bekam er die Ruhr und starb nach wenigen Tagen. Banks kehrte mit Parkinsons beispielloser Sammlung von 1300 Bildern und Skizzen nach England zurück, die er in einem einzigen Großband veröffentlichen wollte. Unglücklicherweise war der begeisterte Naturforscher - mit demselben "grenzenlosen Fleiß", den er an dem jungen Künstler bewundert hatte - immer so sehr mit anderen botanischen Arbeiten beschäftigt, daß er dieses große Werk nie vollendete. So kam es, daß Parkinsons Genie weitgehend unbeachtet blieb, bis die meisten seiner Arbeiten über zwei Jahrhunderte später endlich veröffentlicht wurden.
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Das tragische Scheitern eines ehrgeizigen Unternehmens
Die letzte große Forschungsreise in die Südsee im 18. Jahrhundert wurde von Jean-François de Galaup de La Pérouse geleitet, einem angesehenen französischen Adligen und Kriegshelden, den König Ludwig XVI. im Jahre 1785 in den Pazifik schickte, damit er dort nach allen Ländern suche, "die der Aufmerksamkeit von James Cook entgangen sind".
Jean-François de Galaup de La Pérouse entrollt im Beisien eines Ministers vor König Ludwig XVI. (sitzend) eine Landkarte.
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Die Reise wurde wahrhaft königlich vorbereitet und ausgestattet. An die 20 Künstler und Gelehrte wurden engagiert, und La Pérouse bekam zwei 500-Tonnen-Fregatten, die Astrolabe und die Boussole, die beide mit Büchern, Karten und besonderen Vorräten vollgestopft wurden, darunter 5000 Bogen Papier zum Pressen von Blättern und 20 Faß Wasser für das Studium des Wachstums von Bakterien.
In den zweieinhalb Jahren, die La Pérouse fast ununterbrochen auf See zubrachte, beschrieb er drei große Schleifen durch den Pazifik, wobei er mehr oder weniger Cooks Routen nachfuhr, jedoch weiter zu so entlegenen Regionen wie den Küsten Chinas, Sibiriens und Japans vordrang. Unterwegs führte er getreulich Buch über seine Entdeckungen - mit genauen Angaben über die Lage der Länder, anthropomorphischen Messungen an Eingeborenen und Beschreibungen ihrer Nahrung, ihrer Häuser und ihrer Sitten und Gebräuche. Sein letzter Aufenthalt war in der Botany Bay in Australien, wo er, offenbar einer prophetischen Eingebung gehorchend, die britischen Kolonialbeamten bat, seine Briefe und das Logbuch des Schiffes nach Paris zu schicken.
Von dem Tag an, als La Pérouse und seine Leute aus der Botany Bay ausliefen, blieben sie verschollen. Ihr Schicksal blieb ungeklärt, bis in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein irischer Kaufmann, der die Santa-Cruz-Inseln besuchte, das Stichblatt eines Degens mit den eingravierten Buchstaben J.F.G.P. fand (den Initialen von Jean-François de Galaup de La Pérouse). Von Insulanern, die damals Kinder gewesen waren, erfuhr er in Bruchstücken die Geschichte eines Schiffbruchs; sie besaßen ein paar Überreste der Expedition, darunter eine Schiffsglocke und mehrere Messingkanonen. Sechzig Schädel von Europäern, die später ausgegraben wurden, legten grausiges Zeugnis davon ab, daß La Pérouse und seine Leute von den Insulanern getötet und aufgegessen worden waren. Es handelte sich bei den Eingeborenen um Nachfahren derselben Wilden, die 200 Jahre früher die von den spanischen Forschern Mendaña und Quirós geführten Siedler überfallen hatten.
Die britischen Offiziere hielten Wort und schickten die Papiere von La Pérouse nach Frankreich. Die Sammlung, die 1797 unter dem Titel Reise um die Welt veröffentlicht wurde, umfaßte Tafeln, Karten und Kommentare - ein würdiger Abgesang auf die Epoche der Pazifik-Erforschung.
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