Zurück zur Startseite Impressum Quellenangaben Marinelinks schreib was rein, ich würd mich freun Kontaktformular
Navigation 
 
 
 
marinepage 
 
 
 
 
 

XStat

 

Suchmaschine
         Suchmaschinen Eintrag

Die Entdeckung der Pazifik-Inseln

Die Entdeckung der Pazifik-Inseln
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Entdeckung der Pazifik-Inseln / © by Webmaster

 

Neue Paradiese in südlichen Meeren

Die europäischen Seefahrer, die es als erstes wagten, den riesigen Stillen Ozean zu erforschen, fanden dort eine Welt vor, die ebenso bezaubernd wie überraschend war.
Bucht auf Tahiti
Unter Kokospalmen baden Insulanerinnen in einer Bucht auf Tahiti, wo Engländer und Franzosen nach 1760 zum erstenmal landeten. (Ausschnitt eines der zahlreichen Gemälde von William Hodges)
Mit ihren verstreuten Inseln und Archipelen, deren Landschaften durchaus fremdartig waren - niedrige Atolle und majestätische Fjorde, eine üppig grünende Vegetation und eine Licht durchflutete Atmosphäre - unterschied sie sich von allem, was die Europäer bis dahin gesehen hatten. Überdies war es eine Welt, deren Bewohner oft eine Unschuld wie aus der Frühzeit des Menschen zu besitzen schienen. "Ich glaube mich in den Garten Eden versetzt", rief der französische Seefahrer Louis Antoine de Bougainville aus, als er 1768 Tahiti besuchte.
Unerschrockene Forscher wie Bougainville erkundeten in den 200 Jahren von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts den Pazifik - und verfaßten davon begeisterte Schilderungen. Doch bekamen ihre Landsleute in Europa kaum bildliche Darstellungen dieser Wunderwelt zu Gesicht, bis ein unbekannter Landschaftsmaler namens William Hodges von der britischen Admiralität beauftragt wurde, Kapitän James Cook auf seiner zweiten Forschungsreise im Jahre 1772 an Bord der Resolution zu begleiten.
Hodges selbst zog langfristig kaum einen Nutzen aus dieser Gegebenheit. Obwohl er nach seiner Rückkehr mit Cook vorübergehend berühmt wurde, konnte er sich in der von Konkurrenzneid beherrschten Londoner Kunstwelt nicht durchsetzen und starb im Jahre 1797 bettelarm - wahrscheinlich durch Selbstmord. Aber die Ergebnisse seiner Meeresfahrten waren einzigartig. Auf Gemälden stellte er die Routen dar, auf denen spanische, holländische, französische und englische Seefahrer den großen Ozean erforscht hatten - von 1565 an, als Don Alvaro de Mendaña die erste Reise vom spanischen Peru aus unternahm, bis 1775, als die Epoche mit Cooks zweiter Fahrt ihren Höhepunkt erreichte.

Die Suche nach einem sagenhaften Kontinent

Als die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert Peru überrannten, erzählten ihnen Inkas, die im Hochland der Anden wohnten, von zwei wundersamen Inseln, die im Westen lägen, irgendwo in der Weite des Pazifischen Ozeans. Dem Bericht der Indianer zufolge hatte der große Inkaherrscher Tupac Yupanqui im 15. Jahrhundert mit einer Flotte von Schilfbooten und 20 000 Kriegern den Seeweg zu dieser Insel entdeckt. In der Beute, die er von der Fahrt heimbrachte - ein glänzender Thron aus Bronze, eine Pferdehaut, ein Trupp schwarzer Diener -, spiegelte sich der Reichtum dieser Insel, und er sprach begeistert von fruchtbaren Feldern und majestätischen Bergen, von Goldschätzen und einem freundlichen Volk, das sich willfährig seinen Geboten gefügt habe. Für die Inkas des 16. Jahrhunderts war diese Geschichte eine willkommene Gelegenheit, ihr gegenwärtiges Unglück unter der spanischen Herrschaft für eine Weile zu vergessen. Für die spanischen Offiziere in den Kolonien war sie ein Anlaß, mit dem Gedanken an weitere Abenteuer und Eroberungen zu spielen.
Niemand war von der Geschichte mehr gefesselt als ein vornehmer Offizier namens Pedro Sarmiento de Gamboa, ein gelehrter Exzentriker, der seine Mußestunden mit dem Studium der Sprache und Kultur der Inkas zubrachte. Als umfassend gebildeter Mann neigte Sarmiento dazu, den Bericht von der Entdeckungsfahrt der Inkas für bare Münze zu nehmen; er bestätigte eine Theorie, die seit über 1000 Jahren von abendländischen Gelehrten vertreten wurde. Im 2. Jahrhundert n. Chr. war der große griechische Astronom Claudius Ptolemäus, ausgehend von dem Gedanken, daß die Erde im Gleichgewicht sein müsse, weil sie sonst umkippen würde, zu dem Schluß gekommen, daß irgendwo im Süden des Indischen Ozeans eine Landmasse etwa von der gleichen Größe wie Europa und Asien liegen müsse. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich die Hypothese von der Existenz eines solchen Kontinents - Terra Australis Incognita (unbekanntes Südland) genannt - zu einem geistigen Dogma erhärtet.
TYPVS ORBIS TERRARVM
Ein riesiger Kontinent - die sogenannte Terra Australis Nondum Cognita, das "noch unbekannte Südland" - bedeckt auf dieser Weltkarte aus dem Jahre 1570 den unteren Teil der Erdkugel. Vom 16. Jahrhundert an suchten europäische Seefahrer rund 200 Jahre lang vergeblich nach dieser sagenhaften Landmasse.
In dem Jahrhundert vor Sarmientos Zeit hatten europäische Forscher die Karte der bekannten Welt um ein Vielfaches vergrößert. Portugiesische Seefahrer, unter ihnen Vasco da Gama, hatten die Umrisse von Afrika, Ostindien und der Nordküste von Neuguinea erkundet; Columbus hatte Amerika entdeckt, und Magellan hatte die Welt umsegelt. Nun, da Spanien in Nord- und Südamerika ein Reich errichtet hatte, befuhren spanische Galeonen immer häufiger den Seewg zwischen Mexiko und den Philippinen, aber südlich dieser Straße blieb der Stille Ozean ein weißer Fleck auf der Karte. "Daß es hier Land gibt, steht fest", schrieb der flämische Kartograph Gerhardus Mercator im 16. Jahrhundert auf eine seiner Karten, "aber wieviel und bis an welche Grenzen, ist ungewiß."
Sarmiento hatte keinen Grund, die sagenhaften Inka-Inseln nicht in der Nähe der Terra Australis Incognita zu vermuten - er hatte sogar allen Grund zu versuchen, die Inseln und den Kontinent von Peru aus zu entdecken. Im Jahre 1567 überredete er den Vizekönig von Peru, eine Expedition für die Suche nach diesen Inseln zu genehmigen. Das war der Auftakt zu einer Reihe von Forschungsreisen, die über zwei Jahrhunderte lang wagemutige Seefahrer beschäftigen sollten.
Die Männer, die sich an dieser Suche beteiligten, legten erstaunliche Entfernungen zurück, erduldeten unvorstellbare Strapazen und bewiesen heldenhaften Mut. Der Pazifik hat eine Ost-West und eine Nord-Süd-Ausdehnung von jeweils 8000 Seemeilen. Für die Orientierung in dieser riesigen Wasserwüste hatten die frühen Seefahrer nur einfachste Navigationsgeräte:
Astrolabium
Ein Seefahrer richtet den Pfeil eines Astrolabiums mit Lichtdurchblick auf die Sonne, um seine geographische Breite zu ermitteln. Ursprünglich ein astronomisches Gerät, wurde das Astrolabium für nautische Zwecke vereinfacht und mit Gewichten versehen.
Jakobsstab
Dieser Seemann ermittelt die Breite, indem er mit einem Jakobsstab die Höhe der Sonne mißt - ein riskantes Unterfangen, weil die Augen darunter litten. Mit dem Jakobsstab ließ sich die Breite mit einer Genauigkeit von einem Grad bestimmen.
Das Astrolabium - ein Instrument, mit dem man die geographische Breite anhand der Sonne oder der Sterne bestimmen konnte - und den Kompaß. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Instrument zur genauen Bestimmung der geographischen Länge auf See erfunden. Bis dahin wußten die Seefahrer auf dem Pazifik nie genau, wie weit sie nach Osten oder Westen gefahren oder wie weit sie noch von ihrem Ziel entfernt waren.
Doch trotz all dieser Hindernisse wagten sich zwischen 1560 und 1780 Hunderte europäischer Seefahrer auf den Pazifik hinaus. Sie fuhren unter vier verschiedenen Flaggen, angespornt von Hoffnungen, die sich mit den Zeiten änderten. Sarmiento und seine spanischen Landsleute gingen mit einer Begeisterung in See, die ebenso auf der Gier nach Gold wie auf dem Willen beruhte, Gott und dem spanischen Weltreich zu dienen. Die Holländer schlossen sich im 17. Jahrhundert aus einem prosaischeren Grund der Suche an: Sie wollten Handel treiben. Im 18. Jahrhundert kamen dann die Franzosen, die sich Märkte erschließen wollten, die nicht schon die Holländer für sich beanspruchten, doch sie fanden Romantik und Stoff zum Nachdenken über das Wesen der menschlichen Gesellschaft. Die Engländer schließlich brachten die zweckfreie wissenschaftliche Forschung ins Spiel.
Keiner fand jedoch den großen südlichen Erdteil, von dem Ptolemäus geträumt hatte, keiner auch das Paradies der Inkas. Aber gemeinsam erforschten sie nach und nach die Küsten des Kontinents, der später Australien heißen sollte - mit über sieben Millionen Quadratkilometern immerhin ein Gebiet von gewaltiger Ausdehnung -, und die Tausenden im Ozean verstreuten Inseln. Damit füllten sie die letzten weißen Flecken auf der Karte der bewohnbaren Welt aus.

Der letzte, unerfüllte Traum eines spanischen Abenteurers

Ein Jahrzehnt nachdem er mit Alvaro de Mendaña auf der Suche nach der Terra Australis auf See gewesen war, ersann Pedro Sarmiento einen anderen Plan zur Förderung der spanischen Interessen im Pazifik.
Fort an der Magellanstraße
Zu Sarmientos unrealisierten Plänen gehörte dieses Fort an der Magellanstraße.
Er schlug vor, an der Magellanstraße eine Kolonie zu gründen, wodurch Spanien die Kontrolle über diese Meerenge bekommen hätte. König Phillipp II. erklärte sich bereit, das Unternehmen zu unterstützen - was ihm hinterher leid tun sollte.
Sarmiento ging im September 1571 mit einer Flotte von 23 Schiffen und 2000 Kolonisten von Spanien aus in See. Schon nach wenigen Tagen sanken fünf Schiffe in einem Sturm. Seuchen forderten Dutzende von Todesopfern, während die Flotte den Atlantik überquerte, und als die Schiffe zur Instandsetzung in Rio de Janeiro lagen, gingen durch Krankheit und Desertion noch mehr Leute verloren. Ein schwerer Sturm vereitelte 1582 Sarmientos Versuch, die Meerenge zu erreichen. Als er es Ende 1583 noch einmal probierte, war seine Expedition auf fünf Schiffe und 500 Kolonisten zusammengeschrumpft.
Die Siedler, viele von ihnen "verängstigt und niedergeschlagen", wie Sarmiento schrieb, landeten im Februar 1584 an der unwirtlichen patagonischen Küste. Sarmiento nannte den Ort Nombre de Jesús und ließ die Siedler mit der Aussaat des Getreides und dem Bau von Erdhütten beginnen.
Eines der Schiffe segelte unterdessen mit Ausrüstungen für eine zweite Kolonie längs der Küste nach Westen. Sarmiento selbst ging einige Tage später mit 100 Soldaten über Land, um sich mit dem Versorgungsschiff zu treffen. Der Marsch dauerte drei Wochen; seine Leute, die nur Proviant für acht Tage dabei hatten, starben fast Hungers. Kaum hatten sie die vorgesehene Stelle erreicht und mit dem Aufbau ihrer Kolonie - die nach dem König Rey Don Felipe heißen sollte - begonnen, als der harte patagonische Winter einsetzte. Ein zweiwöchiger Schneesturm machte sogar die Suche nach eßbaren Wurzeln und Schalentieren unmöglich.
Magellanstraße
Diese Karte, die bald nach Magellans Entdeckung einer Passage zwischen der Spitze Südamerikas und Feuerland im Jahre 1520 entstand, stellt die Durchfahrt als breit und bequem dar. In Wirklichkeit ist die Magellanstraß,e ein tückisches Labyrinth enger, mit Riffen durchsetzter Fahrrinnen, das von hohen Wellen gepeitscht wird und sich als ein gefährliches Hindernis für die meisten Pazifikforscher erwies, die es zu durchqueren suchten.
Seinem Plan folgend, ließ Sarmiento die meisten Leute seiner Abteilung in Rey Don Felipe zurück und segelte mit 30 Mann nach Nombre de Jesús zurück, um nachzusehen, wie die dortigen Kolonisten vorankämen. Kaum war er dort angelangt, da trieb ein Sturm sein Schiff auf die offene See hinaus, ohne daß er sich "auch nur von meinen Freunden und Kameraden verabschieden konnte". Er segelte nach Brasilien, wo er sich neu verproviantierte, erlitt aber zweimal Schiffbruch bei dem Versuch wieder nach Patagonien zu segeln. So beschloß er, nach Spanien zu gehen und den König um Verstärkung zu bitten.
Bei den Azoren wurde sein Schiff von englischen Freibeutern gekapert, die ihn an den Hof von Königin Elisabeth brachten. Er unterhielt sich mit ihrer Majestät auf lateinisch- "in welcher die Königin sich sehr elegant auszudrücken versteht", wie er hinterher berichtete. Entzückt - und wohl auch als versöhnliche Geste an Spanien - ließ sie ihn frei. Auf der Fahrt durch Frankreich wurde er von einem Adligen eingekerkert, der sich ein ansehnliches Lösegeld erhoffte.
Nach vier Jahren konnte sich Sarmiento freikaufen. Er war schon ein kranker Mann, bemühte sich aber trotzdem beim König weiter um Hilfe für seine Siedlungen. Seine Gesuche blieben unbeantwortet. Im jahre 1592 nahm er eine Stelle in einer spanischen Flotte an, die nach Ostindien segelte, und von da an verliert sich seine Spur.
Er hätte den Siedlern ohnehin nicht helfen können. Die meisten von ihnen waren zugrunde gegangen, noch bevor er wieder in Spanien war. Im Jahre 1587 war der englische Freibeuter Thomas Cavendish bei der Fahrt durch die Meerenge auf die jämmerlichen Überreste der ersten Siedlung gestoßen. Nach drei strengen Wintern waren nur noch 15 Männer und drei Frauen am Leben; alle anderen waren dem Hunger, den Überfällen der Indianer oder Krankheiten zum Opfer gefallen.
Cavendish nahm einen der Überlebenden an Bord. Als die anderen aus Angst vor den Engländern zögerten, sich ihm anzuvertrauen, überließ sie Cavendish ihrem trostlosen Schicksal.

Kühne Botschafter des Glaubens

Die Franziskanermönche, die mit den großen spanischen Expeditionen im 16. Jahrhundert in den Pazifik segelten, sahen in ihrem doppelten Ziel der "Entdeckung und Bekehrung zum christlichen Glauben" einen einzigen Auftrag: Man mußte die armen Seelen der Welt erst finden, bevor man sie retten konnte.
Die Franziskaner hatten schon seit langem "den Sarazenen und anderen Ungläubigen" die Heilsbotschaft gebracht. Innerhalb eines halben Jahrhunderts nach der Gründung ihres Ordens durch Franz von Assisi im Jahre 1210 waren ihre Missionare bereits bis nach Persien, in die Mongolei und nach China gelangt. Und schon im Jahre 1297 hatte ein Franziskaner-Laienbruder, der scholastische Philosoph Roger Bacon, Ratschläge für Missionare zur Hand, denen die bekannte Welt zu eng für ihren Bekehrungseifer war: "Nehmt den Landweg durch Asien nach China", schrieb er, "wendet euch nach Süden und auf der 15. südlichen Breitenparallele werdet ihr die Terra Incognita finden."
Aber die Franziskaner, die auf die Suche nach dem unbekannten Südland gingen, erfüllten nicht nur missionarische Aufgaben. Sie spendeten auch denen, die mit ihnen fuhren, geistlichen Trost und Beistand - oft genug in kritischen Situationen. Als die verängstigten und dem Hungertod nahen Leute von Alvaro de Mendañas erster Expedition während eines Orkans über die Frage eines Kurswechsels in Streit gerieten, verhinderten Franziskaner das Schlimmste, indem sie einen Gottesdienst für die Mannschaft zelebrierten. "So umarmten sich Männer, die sich eben noch feindselig gesinnt gewesen waren", erinnerte sich ein Offizier, "und wir gingen alle den Seeleuten zur Hand."
Die Segelanweisungen der Forscher sahen vor, daß diese bei wichtigen Entscheidungen die Mönche konsultierten. Aber am einflußreichsten waren die Missionare, was den Umgang mit Eingeborenen anbetraf, von denen - wie einer nach dem Gemetzel von Peregrina sagte - viele Expeditionsteilnehmer meinten, "es sei einerlei, ob der Teufel sie heute schon holte oder nicht, da er sie morgen doch holen werde".
Die Franziskaner wandten sich entschieden gegen diese Ansicht, denn sie wollten noch zwischen die Insulaner und den Teufel treten, bevor dieses Morgen kam. Sie mahnten zur Mäßigung und bestanden darauf, daß die Eingeborenen für Lebensmittel und Wasser bezahlt wurden. Und dort, wo die Franziskaner Zeit hatten, Missionen zu errichten - wie im spanischen Amerika und auf den Philippinen -, wurde ihr Idealismus oft durch die Treue zu Spanien gerechtfertigt, die sie in den Bekehrten zu wecken verstanden. "In jedem Mönch", sagte ein Beamter, "hatte der König einen Generalkapitän und eine ganze Armee."

 

  back top