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 | Die Ostindienfahrer |
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Die Ostindienfahrer Fortsetzung
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Gelehrte Missionare im sagenumwobenen Japan
Im Jahre 1543 geriet ein kleines portugiesisches Schiff, das entlang der Küste Chinas segelte und nach Handelsmöglichkeiten Ausschau hielt, in einen schweren Taifun und wurde weit in östliche Richtung abgetrieben. Als Sturm Und Regen sich gelegt hatten, fand es sich vor einer felsigen Insel wieder. Die Mannschaft ging an Land und wurde vom örtlichen Herrscher gastfreundlich empfangen. Darüber hinaus zeigte er sich an den Häuten und Waren, die sie an Bord hatten, sehr interessiert; er kaufte verschiedene Güter und bezahlte mit Silberbarren. Die Kaufleute stellten mit wachsendem Staunen fest, daß sie auf Japan gestoßen waren, jenes sagenumwobene Inselreich, nach dem die Europäer - inspiriert durch die Berichte Marco Polos, der etwa 200 Jahre zuvor davon berichtet hatte - schon lange vergeblich gesucht hatten.
Den Portugiesen war viel daran gelegen, Japan in die lange Liste der Länder des Orients, in denen sie bereits Handel trieben, einzureihen, aber sie suchten mehr als Reichtümer. Ihre Kaufleute wurden auf allen ihren Reisen von Missionaren begleitet, die - wenn auch nicht immer erfolgreich - versuchten, die Heiden zu bekehren. Dieses Mal sollte es ihnen unter der Führung des aristokratischen Jesuiten Franz Xaver gelingen, eine große zahl von Seelen zu gewinnen; aber auch die Kunst empfing in glücklicher Weise Anregungen.
Im Jahre 1549 landete Franz Xaver zusammen mit zwei Glaubensbrüdern auf der im Südwesten Japans gelegenen Insel Kyushu. Wenig später wurde er dem Daimyo, dem feudalen Oberherrn, vorgestellt. Der Japaner war von der unermüdlichen Energie, der äußeren Erscheinung und den umfassenden Kenntnissen des Priesters sofort stark beeindruckt und gab ihm die Erlaubnis, die christlichen Lehren in seinem ganzen Herrschaftsbereich zu verbreiten.
Franz Xaver schloß die Japaner während seiner zweijährigen Reise durch den Süden des Landes ebenfalls in sein Herz. "Mir scheint, wir werden unter den Heiden kein Volk finden, das den Japanern ebenbürtig ist", erklärte er. "Sie haben eine Eigenschaft, die, soweit ich mich entsinne, alle christlichen Völker vermissen lassen. Ihre Adligen, wie reich sie auch sein mögen, begegnen einem armen Mann genauso ehrerbietig wie einem reichen". Die Gefolgschaft Franz Xavers wuchs bald auf zwölf Missionare an. Innerhalb der folgenden 20 Jahre bauten sie in der Hauptstadt Kyoto eine Kirche, gründeten 40 christliche Gemeinden und tauften 30 000 Seelen.
Einige Japaner waren aus aufrichtiger Überzeugung und aufgrund der Herzlichkeit, mit der ihnen die Jesuiten begegneten, zum christlichen Glauben übergetreten. Andere wandten sich dem Christentum aus weltlichem Eigeninteresse zu: Sie versprachen sich vom Handel mit den reichbeladenen portugiesischen Karacken geschäftliche Vorteile. Es gab noch einen weiteren, subtileren Grund für den Erfolg der Jesuiten: Sie ließen den Japanern genügend Spielraum, ihrem neuen Glauben in einer ihnen vertrauten künstlerischen Form Ausdruck zu verleihen. Das Ergebnis war eine exotische Mischung japanischer und europäischer Motive und Stilelemente. Es entstanden Kunstwerke, die bei Geistlichen und Kaufleuten gleichermaßen gefallen fanden.
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Ein reger Austausch von Waren und Ideen
Diese vier lackierten, mit Gold- und Perlmutteinlagen reich verzierten Kästchen aus dem 17. Jahrhundert führen die vollendete Kunstfertigkeit der Japaner vor Augen. Aufeinandergesetzt sind sie 27 Zentimeter hoch und zeigen zwei portugiesische Kauflaute an Bord einer chinesischen Dschunke. Diese Schiffe wurden in der Küstenschiffahrt bevorzugt.
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Im Jahre 1570 gründeten die Jesuiten in Nagasaki ihren japanischen Hauptsitz. Die Stadt lag an der Westküste Kyushus im Herrschaftsbereich eines bereits zum christlichen Glauben übergetretenen Daimyos und zeichnete sich durch einen tiefen, geschützt gelegenen Hafen aus, der auch große Frachtschiffe aufnehmen konnte. Bald trafen die ersten Kracken aus der portugiesischen Kolonie in Macao ein; sie hatten Handelswaren wie Korduanleder und chinesische Seide an Bord, die gegen Silberbarren und hervorragende Lackarbeiten der japanischen Kunsthandwerker eingetauscht wurden. Die Jesuiten hatten einen ausgeprägten Sinn für das Praktische: Sie handelten mit dem Daimyo einen Vertrag aus, wonach es ihnen gestattet war, Hafengebühren zu erheben. Die Einnahmen sollten zwischen den jesuitischen Missionen und den feudalen Herrschern der Region aufgeteilt werden.
Die Jesuiten unternahmen von ihrem Hauptsitz in Nagasaki aus ausgedehnte Reisen durch das ganze Land und waren stets aufs Neue von der Eigenart der japanischen Kultur überrascht. "Man kann mit Recht sagen, daß Japan vollkommen gegensätzlich zur Welt der Europäer ist. Alles ist so verschieden und andersartig, daß die Sitten und Gebräuche der Japaner den unseren in nahezu nichts gleichen", schrieb ein Jesuit. Die Portugiesen schätzten die einfache, aber elegante Architektur des Landes, das hohe Niveau seiner Landwirtschaft und die Schönheit seiner grünen und leicht nebelverhangenen Landschaften. Vor allem aber bewunderten sie die kultivierten Umgangsformen seiner Einwohner. "Selbst mit den niedrigsten Arbeitern und Bauern unterhielt man sich in höflichem Ton, da sie es nicht anders gewohnt sind", bemerkte ein Besucher. Ein anderer, der an die Unsauberkeit der Europäer gewöhnt war, staunte: "Sie waschen sich zweimal täglich."
Die Japaner waren über das in ihren Augen merkwürdige Benehmen der Europäer nicht weniger verwundert. Sie nannten die Fremden nach der Richtung, aus der ihre Schiffe kamen, nanbanjin - "Barbaren aus dem Süden". Die japanischen Künstler stellten die Europäer detailliert und in sehr humorvoller Weise dar: Sie übertrieben ihre Körpergröße, betonten ihre eigenartig langen Nasen und karikierten ihre sackartigen herabhängenden Hosen. Das alljährliche Eintreffen eines großen Handelsschiffes aus Macao war ein beliebtes Motiv für künstlerische Arbeiten; ein derartig großes Schiff war in Japan bis dahin noch nie gesehen worden.
Die gegenseitige Faszination dauerte über ein halbes Jahrhundert an, ließ dann aber unter dem anhaltenden Zustrom weiterer Europäer spürbar nach. Spanische Franziskanermönche trafen ein und errichteten eigene Missionen; ihnen folgten holländische und englische Kaufleute, die in der Stadt Hirado eine konkurrierende Handelsniederlassung gründeten. Mit zunehmendem europäischen Einfluß traten immer mehr Japaner zum christlichen Glauben über. Anfang des 17. Jahrhunderts war ihre Zahl schon auf 300 000 angewachsen. der regierende Shogun in Kyoto nahm mit Schrecken zur Kenntnis, daß das Christentum, wo immer im Orient es seinen Einzug gehalten hatte, stets Unterwerfung nach sich zog. Ihm war nicht daran gelegen, daß Japan denselben Weg ging. Im Jahre 1614 bezeichnete er die Christen als "eine fanatische und verderbliche Sekte, die für das Reich gefährlich ist", und verfügte, daß alle Missionare das Land verlassen mußten.
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Ein verhängnisvoller Rückschlag
Nach der Ausweisung der Missionare im Jahre 1614 verfolgte die japanische Regierung etwa 20 Jahre lang eine Politik, die zum Ziel hatte, den europäischen Einfluß einzudämmen und das Christentum im eigenen Lande auszumerzen.
Die niederländische Flagge und er Namenszug am Heck weisen das auf einem Holzschnitt von 1782 dargestellte Schiff als den Ostindienfahrer "Schellach" aus, der 1741 und 1744 den Hafen von Nagasaki besuchte.
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Die Spanier und Portugiesen durften nur noch in Nagasaki, die Holländer und Engländer in Hirado Handel treiben. Den Japanern selbst wurde verboten, in andere Länder zu reisen. Die christianisierten Japaner wurden vor die Alternative gestellt, entweder ihrem Glauben abzuschwören oder hingerichtet zu werden.
Einige Christen gingen in den Untergrund, bis schließlich die Regierung 1637 ihre schlimmsten Befürchtungen in bezug auf die fremde Religion bestätigt sah. In Shimabara auf Kyushu erhoben sich 37 000 christianisierte Bauern gegen den dortigen Daimyo und verbarrikadierten sich in einem verlassenen Schloß. Sie konnten sich dort vier Monate lang halten. Als Krieger des Shoguns das Schloß schließlich stürmten, wurden sämtliche Aufständischen niedergemetzelt. Die Regierung fürchtete den christlichen Einfluß nun mehr denn je und verbannte die meisten nanbanjin von japanischem Boden.
Da die Japaner aber die Vorteile des Handels zu schätzen gelernt hatten und sie sich erinnerten, daß die Holländer wenig Neigung zeigten, irgend jemanden bekehren zu wollen, erlaubten sie den holländischen Kaufleuten, im Lande zu bleiben. Ihre Bewegungsfreiheit wurde jedoch auf eine kleine, im Hafen von Nagasaki künstlich angelegte Insel beschränkt. Außerdem war es ihnen verboten, religiöse Bücher oder Waffen zu besitzen oder Gottesdienste abzuhalten; weiterhin wurden ihre Importe hoch versteuert. Dennoch blühte der Handel zwischen Holländern und Japanern mehr als zwei Jahrhunderte lang.
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Ein hoher Stand des Schiffbaus
Die Gesamtsegelfläche der "Prins Willem", vom kleinen Sprietsegel bis hin zum großen Lateinersegel am Besan, belief sich auf 1200 Quadratmeter
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Die holländischen Schiffe, die im 17. Jahrhundert jährlich mit den neu angemusterten Seeleuten in den Orient segelten, standen - völlig zu Recht - im Ruf hoher handwerklicher Qualität. Das technische Niveau und die gewissenhafte Herstellung waren unerreicht bei den anderen seefahrenden Nationen Europas. Keines der im 17. Jahrhundert gebauten holländischen Schiffe ist heute noch erhalten, doch kann man sich anhand einiger weniger Modelle ein Bild von ihren überlegenen Konstruktionsmerkmalen machen. Die Miniaturnachbauten entstanden etwa zur gleichen Zeit wie die Schiffe selbst und wurden den Schiffseignern als Andenken überreicht. Sie waren ebenso wie die Originale, handwerkliche Meisterstücke bis ins Detail.
Die Zeit ist auch an den Modellen nicht spurlos vorübergegangen, aber einem von ihnen - dem der Prins Willem, die von 1651 bis 1662 zwischen Amsterdam und Batavia verkehrte - wurde zu einem neuen Dasein verholfen. Herman Ketting, ein Restaurator des Amsterdamer Rijksmuseums, kopierte das Modell.
Zu Beginn der Epoche der Ostindienfahrer waren die Schiffbautechniken der Holländer denen der übrigen europäischen Länder in jeder Beziehung weit überlegen. Während sich die Arbeiter jener Länder noch mit Schrotsägen abmühten und Planken und Spieren anfertigten, die von Schiff zu Schiff verschiedene Maße hatten, verfügten die Holländer bereits über windmühlenbetriebene Sägen, die die Muskeln der Handwerker schonten und mit denen das Holz präzise nach Bauplan zugeschnitten werden konnte. Die Holländer vergewisserten sich außerdem, daß sämtliche Bauteile und Armaturen den Belastungen standhielten, denen sie später ausgesetzt sein würden. So durfte beispielsweise ein Anker unter der Zugkraft eines 1400-Tonnen-Schiffes in aufgewühlter See nicht zerbrechen. Um die Stabilität eines geschmiedeten Ankers zu prüfen, wurde er von Arbeitern mit Hilfe eines Flaschenzuges hochgezogen und auf eine eiserne Kanone fallen gelassen. Nur wenn er diese Prozedur schadlos überstand, wurde er auf einem Schiff eingesetzt. Obwohl die Holländer mit aller Sorgfalt arbeiteten, gelang es ihnen, ihre Schiffe zügig fertigzustellen: Dadurch, daß sie sich mechanischer Sägen bedienten und vorgeschnittenes Bauholz verwendeten, benötigten sie nur vier Monate, um einen Ostindienfahrer zu bauen. Auf englischen Werften dauerte die Fertigung eines solchen Schiffes mehr als viermal so lange.
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