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 | Die Nordwest-Passage |
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Die Nordwest-Passage
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Nordwestpassage / © by Webmaster
Unerwartete Hindernisse auf dem Weg nach Cathay
An einem frühen Morgen im Juni des Jahres 1497 warf der venezianische Seefahrer Giovanni Caboto, der von den Engländern John Cabot genannt wurde, vom Deck seines 50-Tonnen-Schiffes Mathew den ersten Blick auf Nordamerika.
John Cabot empfängt den Segen geistlicher und weltlicher Würdenträger, bevor er 1497 in Bristol an Bord geht, um auf der Suche nach Seide und den Gewürzen von Cathay den Atlantik zu überqueren.
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Mir seiner 18köpfigen Besatzung, zu der auch einige angesehene Kaufleute aus Bristol gehörten, hatte er England etwa einen Monat zuvor verlassen. Als sich der Frühdunst hob, sahen sie vor sich eine bewaldete Küste - es könnte sich um Kap Bauld, Neufundland, gehandelt haben -, die verlockende Möglichkeiten zu bieten schien. Cabot und seine Leute gingen an Land und nahmen das Gebiet für England in Besitz; eingedenk seiner Herkunft pflanzte Cabot außerdem die Flagge des heiligen Markus auf, des Schutzheiligen von Venedig.
Die Entdecker stellten bald fest, daß das Land bewohnt war; "Sie sahen einen Platz, an dem Feuer angezündet worden war", berichtete ein Engländer mit Namen John Day später. "Sie sahen den Kot von Tieren, die sie für Weidevieh hielten, und einen Stock, eine halbe Elle lang, an beiden Enden durchbohrt, verziert mit Schnitzereien und bemalt mit Brasil" (einem rötlichen Farbstoff). Die Bewohner waren offensichtlich geflüchtet, aber Cabot scheute davor zurück, die Besatzung eines kleinen Schiffes den Gefahren eines unbekannten Landes auszusetzen. Er wanderte deshalb nur eine kurze Strecke landeinwärts.
Obwohl keinerlei Beweise vorlagen, war Carbot überzeugt, den fernen Osten erreicht zu haben - vielleicht sogar Japan, die legendäre Insel, deren Reichtum Marco Polo als "unerschöpflich" beschrieben hatte. Er zweifelte nicht daran, daß irgendwo hinter den schweigenden Nadelwäldern, die die Küste säumten, goldene Paläste zu finden waren, und ein Volk, das Seide mit der gleichen Selbstverständlichkeit trug wie die Engländer Wolle. Man weiß nicht, wie seine Reise weiterging, aber vermutlich fuhr er ein paar hundert Seemeilen in südlicher Richtung an der Küste entlang. Alles was er dort fand, waren Bäume und Sträucher und weitere Hinweise auf recht primitive Einwohner.
So verging der Winter, und im Mai des nächsten Jahres war Cabot abermals zur Ausreise bereit. Seine Flotte war von einem Schiff auf fünf Schiffe angewachsen, von denen Kaufleute in Bristol und London vier gestellt hatten; das fünfte hatte, seinem Versprechen getreu, König Heinrich ausgerüstet. Die Expedition führte nicht nur Proviant für ein Jahr mit, sondern außerdem zahlreiche Waren als Tauschobjekte für die Gewürze, auf die die Reisenden zu stoßen hofften. Schon bald nachdem die Flotte Bristol verlassen hatte, kam Sturm auf, und ein beschädigtes Schiff schleppte sich in einen irischen Hafen. Die anderen setzten ihre Reise auf Westkurs über den Atlantik fort und ließen England hinter sich zurück.
Über ihr Schicksal gibt es keine verläßlichen Unterlagen, aber eine Reihe von verstreuten Hinweisen läßt vermuten, daß ein Teil von Cabots Flotte abermals am jenseitigen Ufer des Atlantiks an Land ging und von dort sicher zurückkehrte. Wer immer von dieser zweiten Reise heimfand, konnte nur vom endgültigen Scheitern der Mission berichten, denn selbst wenn Cabot weiter auf Südwestkurs an der Küste des Landes, das er für Asien hielt, entlanggesegelt wäre, so hätte er doch die Reichtümer, nach denen es suchte, nicht gefunden. Cabots enttäuschte Gönner in Bristol dürften die Expedition als Verlust abgebucht haben.
Über das Schicksal Cabots nach 1498 ist nur bekannt, daß er während der Vorbereitung zu einer neuen Reise starb.
Die Männer, die in die Arktis reisten, erweiterten - welche persönlichen Absichten sie auch verfolgen mochten - gemeinsam das Wissen der zivilisierten Welt um das riesige Gebiet im nördlichen Bereich des Globus, auch wenn ihre Fortschritte auf einer Weltkarte oft nur in Millimetern gemessen werden konnten. Viele von ihnen unternahmen die Reise immer wieder, denn in einer auf Unwissenheit und Mythen beruhenden Suche übten die Mythen eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus: Die nächste Bucht oder der nächste Fluß - oder der übernächste - würde gewiß die ersehnte Nordwestpassage sein, der Weg nach Cathay
Auch der kühnste Traum der englischen Kaufleute, die Vorstellung von einer abgekürzten Route entlang der Nordküste Amerikas, blieb nicht mehr als ein Traum und eine Vision. Ungeachtet der Behauptung von Davis, die Durchfahrt sei "leicht", kamen aus den arktischen Gewässern kalte Strömungen und heftige Stürme, und ein trügerischer Teppich aus Eisschollen und Packeis verwehrte selbst den furchtlosesten Forschern die Weiterfahrt. Fürs erste blieb die Nordwestpassage fest verschlossen.
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Eine phantasievolle Karte des Nordatlantiks
Mit der Zeno-Karte ist der Atlantik mit nicht vorhandenen Inseln übersät, und Grönland ist eine europäische Halbinsel.
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Als Martin Frobisher auf der Suche nach der Passage nach Cathay den Atlantik überquerte, verließ er sich auf die rechts abgebildete Karte, ohne zu ahnen, daß sie mehr falsche als richtige Informationen bot. Nicht weniger als fünf der hier abgebildeten Landmassen sind Phantasieprodukte - Estland (1), Frisland (2), Icaria (3), Estotiland (4) und Drogeo (5).
Die Karte, offensichtlich ein kühner Griff nach Weltgeltung, wurde 1558 von einem Venezianer namens Nicolò Zeno veröffentlicht und von Fragmenten einiger Briefe begleitet, die zwei seiner Vorfahren, ein früherer Nicolò Zeno und sein Bruder Antonio, angeblich 150 Jahre zuvor geschrieben hatten. Ihnen zufolge hatten die abenteuerlustigen Brüder im Jahre 1380 auf der Insel Frisland im Nordatlantik Schiffbruch erlitten. Dort begegneten sie einem Fürsten namens Zichmni, der sie in wunderbare Länder führte. In einem davon war Gold so alltäglich wie Fische (Estotiland), in einem anderen hausten gefährliche nackte Kanibalen (Drogeo), und in einem dritten gab es eine dem heiligen Thomas geweihte Kirche und einen feuerspeienden Berg (Engronelant (6)).
Als Karte und Text auftauchten, reagierten die Venezianer mit verständlichem Stolz: Wenn Estotiland zur Neuen Welt gehörte, wie seine Lage vermuten ließ, dann hatten die Brüder Zeno sie lange vor Kolumbus entdeckt. Die venezianischen Hoffnungen wurden jedoch zunichte, als Spanien und andere Länder, die dank größerem Entdeckerglück Ansprüche auf die Neue Welt erworben hatten, sie als Fälschung abtaten.
Dennoch akzeptierten einige namhafte Geographen dieses Bild vom Nordatlantik als eine Tatsache. Als Frobisher Grönland erreichte, hielt er es dieser Karte entsprechend für das Mythische Frisland, und die vermeintliche Küste Grönlands war in Wirklichkeit die des 700 Seemeilen weiter westlich gelegenen Baffinlandes. Mehr als ein Jahrhundert sollte vergehen, bevor diese Irrtümer korrigiert wurden und die Zeno-Karte in Vergessenheit geriet.
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Ein kühner Vorstoß zu den Grenzen Europas
Im Jahre 1596, als die meisten englischen Forscher davon überzeugt waren, die einzig mögliche kürzere Route in den Fernen Osten sei im Nordwesten zu finden, unternahm Willem Barents, ein niederländischer Seefahrer, den letzten von drei Versuchen, eine Nordostpassage nach Asien zu entdecken.
Der Versuch kostete Barents das Leben, aber 17 Monate später kehrte ein Dutzend Überlebende nach Amsterdam zurück. Einer von ihnen, der Matrose Gerrit de Veer, hatte ein Tagebuch geführt, das 1599 veröffentlicht wurde und von den Leiden und der Widerstandskraft der Menschen erzählt, die nur etwa 1500 Kilometer südlich des Nordpols überwintern mußten.
Die Reise begann recht vielversprechend. Barents drang mit seinen beiden Schiffen in die unerforschten Gewässer nördlich von Norwegen vor und entdeckte die Bäreninsel und Spitzbergen. Dann kam es zu einem Streit über die weitere Route, und die beiden Schiffe segelten getrennt weiter. Das eine unternahm nur eine kurze Erkundungsfahrt nach Nordosten und kehrte dann in die Heimat zurück. Barents steuerte das andere nach Osten in die See, die heute seinen Namen trägt, und erreichte Nowaja Semlja, eine rund 900 Kilometer lange Inselgruppe.
Nahe der Nordspitze von Nowaja Semlja wurde Barents' Schiff vom Eis eingeschlossen und schwer beschädigt. Die Forscher errichteten am Ufer ein stabiles Holzhaus, aber zwei der 17 Leute starben während des ungewohnt harten Winters an Skorbut. Drei weitere Besatzungsmitglieder, darunter Barents selbst, kamen im Juni und Juli bei dem Versuch, in offenen Booten eine niederländische Handelsstation auf dem Festland zu erreichen, ums Leben.
Ohne sich durch Barents' Scheitern entmutigen zu lassen, suchten auch weiterhin zahlreiche Forscher auf Segelschiffen nach der Nordostpassage. Auch ihnen war kein Glück beschieden. Erst im Jahre 1879 verwirklichte sich der Traum, als der schwedische Forscher Adolf Erik Freiherr von Nordenskiöld mit einem Dampfschiff die gesamten 5600 Seemeilen von Norwegen bis zur Beringstraße zurücklegte.
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Die Verlockungen der nördlichen Meere
Dieser Ende des 16. Jahrhunderts von dem Engländer Emery Molyneaux geschaffene Globus von 65 Zentimeter Durchmesser wurde gerühmt, weil er "die neuesten und geheimsten Entdeckungen" berücksichtigt - in erster Linie die von Frobisher und Davis. Da der Globus im Gegensatz zu flachen Karten maßstabsgerecht zeigt, wie die Längengrade am Pol zusammenlaufen, wurde er für die Arktisforscher schnell eine unschätzbare Navigationshilfe.
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Obwohl die englische Flotte und die Herbststürme die spanische Armada im Jahre 1588 fast vollständig vernichtet hatten, dauerte der Krieg mit Spanien noch weitere 15 Jahre an. Wenn er sich nicht gerade auf großer Fahrt befand, hielt John Davis das schwache Interesse an der Entdeckung einer nördlichen Durchfahrt nach Cathay unermüdlich aufrecht. In Zusammenarbeit mit dem englischen Mathematiker Emery Molyneaux stellte er einen Globus her, der seine Entdeckungen berücksichtigte; außerdem schrieb er Bücher.
In dem 1594 veröffentlichten Buch - The Seamans Secrets - (Die Geheimnisse des Seefahrers) erläuterte er die Feinheiten der Navigation; ein Kapitel widmete er dem Gebrauch des Globus, den er für das "beste und vortrefflichste" aller Instrumente hielt. Außerdem erklärte er mit berechtigtem Stolz, daß die Engländer auf dem Gebiet der Seefahrt "von keiner Nation der Welt übertroffen" würden. Davis führte alle Argumente an, die für die Existenz der Nordwestpassage sprachen, und beklagte die Tatsache, daß der Krieg und der Tod von Staatssekretär Walsingham, seinem einflußreichen Gönner, ihn daran hinderten, seine Erforschungen der vielversprechenden Gewässer nördlich der Davisstraße fortzusetzen.
Als im Jahre 1602 ein Ende des Krieges mit Spanien abzusehen war, schickte die englische Ostindische Kompanie George Waymouth mit zwei Schiffen, der Discovery mit 50 Tonnen und der Godspeed mit 40 Tonnen, sowie dem Auftrag aus, die Suche dort fortzusetzen, wo Davis aufgehört hatte. Waymouths Instruktionen lauteten, er solle in die Davisstraße einfahren und "von dort weiter nach Nordwesten zu dem Königreich von Cataya oder China, oder zu der Rückseite von Amerika". Außerdem sollte er mindestens ein Jahr auf das Unternehmen verwenden. Drei Monate später war Waymouth jedoch schon wieder zu Hause, weil seine Mannschaft gemeutert hatte. Eine weitere Reise zur Erkundung dieser erfolgversprechenden Wasserstraße wurde erwogen, doch dann kam die englische Ostindische Kompanie offensichtlich zu dem Schluß, der Weg um das Kap der Guten Hoffnung sei doch risikoloser als eine möglicherweise vorhandene Nordwestpassage in der nördlichen Polarregion.
Doch jetzt zeigte die Moskowitische Gesellschaft, die der Arktis ein halbes Jahrhundert keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt hatte, von neuem lebhaftes Interesse an einer abgekürzten Schiffahrtsroute nach Cathay. Immer noch davon überzeugt, daß die Durchfahrt am ehesten im Norden oder Nordosten zu finden sei, nicht jedoch am jenseitigen Ufer des Atlantiks, beauftragte die Gesellschaft in den Jahren 1607 und 1608 den Kapitän Henry Hudson mit der Erforschung dieser Gewässer. Beide Versuche Hudsons, die Nordostpassage zu finden, scheiterten, aber sein Bericht über eine Bucht Spitzbergens, in der es von Walen wimmelte, rief ein höchst einträgliches Gewerbe ins Leben.
In den folgenden drei Jahren sollten sich drei Nationen um seine Dienste bewerben.
Im April 1609 verließ Hudson mit der 80-Tonnen-Bark De Halve-Maen (Halbmond) den Hafen von Amsterdam mit einer 18köpfigen, aus Engländern und Niederländern zusammengewürfelten Besatzung. Anfang Mai umrundete die De Halve-Maen entsprechend den gegebenen Anweisungen das Nordkap. Mitte Juli ankerte Hudson vor der amerikanischen Küste, wahrscheinlich in der heutigen Penobscot Bay in Maine. Anschließend fuhr Hudson die Küste entlang nach Südwesten bis in die Nähe von Jamestown, behielt seinen Südkurs bei und kam wahrscheinlich bis Kap Hatteras, bevor er schließlich kehrtmachte, um nach einer möglichen Wasserstraße in den Pazifik zu suchen. Chesapeake Bay und Delaware Bay bereiteten in dieser Beziehung Enttäuschungen, aber in einer anderen Bucht stieß er, Verrazanos Beispiel folgend, weiter flußaufwärts vor. Es handelt sich um den Fluß, der später nach ihm den Namen Huson River erhielt und in dessen Mündung heute der Hafen von New York liegt. Nahe der heutigen Stadt Albany wurde der Fluß so schmal und seicht, daß Hudson alle Hoffnung, die Passage gefunden zu haben, fahren lassen mußte; er kehrte um. Zwei Monate geduldiger Erkundung hatten ihn überzeugt, daß es in diesem Küstenabschnitt keine Durchfahrt nach Asien gab. Nun blieb nur noch eine Möglichkeit, die Erfolg zu versprechen schien - Davis' "mächtige überbrechende Seen" nördlich von Neufundland.
Inzwischen war es Ende September geworden - zu spät, um im selben Jahr noch einen Versuch zu unternehmen. Doch als Hudson die Heimreise antrat, um der niederländischen Ostindischen Kompanie vom Ergebnis der Reise zu berichten, die er ohne ihren Auftrag ausgeführt hatte, schwirrte sein Kopf von Plänen für eine neuerliche Expedition.
Er bekam seine Auftraggeber nicht wieder zu Gesicht. Am 7. November 1609 lief die Halve-Maen in den Hafen von Dartmouth ein. Hudson erstattete den Kaufleuten in Amsterdam schriftlich Bericht und bat um ihre Zustimmung zu einer zweiten Reise. Als die Antwort - eine Aufforderung, sich unverzüglich nach Amsterdam zu begeben - endlich eintraf, hatte König Jakob I. von der Entdeckung eines fabelhaften, tief in den amerikanischen Kontinent hineinreichenden Flusses erfahren. Jakob verbot Hudson und den englischen Besatzungsmitgliedern, das Land zu verlassen, und deutete an, daß sie sich des Landesverrats schuldig gemacht hätten, indem sie für die Niederländer gearbeitet hatten.
Nun waren die Engländer entschlossen, sich Hudsons Dienste zu sichern, und im Jahre 1610 wurde er von einer Gruppe Londoner Kaufleute und dem Prinzen von Wales, Jakobs Sohn Heinrich, beauftragt, jenen Winkel des Nordatlantiks zu erforschen, der sein Geheimnis bisher gewahrt hatte.
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