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 | Die Kriegsschiffe |
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Die Kriegsschiffe Fortsetzung
© by Ausgabe Reinh. Mohn Verlag / © by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Kriegsschiffe / © by Webmaster
Moderne Kriegsschiffe Fortsetzung
In zunehmendem Maße zeichnete sich in der Konstruktion der hang zur Spezialisierung und Ausrichtung auf eine besondere Aufgabe ab. 1866 wurde als erster Kreuzer der englischen Marine die Inconstant auf Kiel gelegt. Die Bezeichnung Kreuzer war im Amerikanischen Bürgerkrieg entstanden und kennzeichnete ungepanzerte schnelle Fahrzeuge mit leichter Artillerie. In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelte sich darauf bei allen großen Seemächten der sogenannte bewaffnete Kreuzer mit gepanzerten Decks, aber noch ohne Seitenpanzerung.
Das mit erheblicher Energie von seinem Initiator Sir John Fisher vorangetriebene englische Neubauprogramm der Jahre 1905/06 sah auch den Bau der Dreadnought vor, die nicht nur seit der Devastation die größte Neuerung bedeutete, sondern den Kriegsschiffbau revolutionierte.
Ein Geschwader der ersten deutschen Dreadnoughts - der Nassau-Klasse - vor der Wesermündung; im Vordergrund die Westfalen. Die ersten Schiffe wurden 1908/10 in Dienst gestellt: etwa 19 000 Tonnen, 6 28-cm Doppeltürme, 20 Knoten.
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»Dreadnought = nichts fürchtend«
Das Schiff trug als schwere Bewaffnung zehn in Zwillingstürmen aufgestellte 30,5-cm-Geschütze, drei Türme waren in der Längsschiffsebene und je einer auf jeder Seite etwas von der Mitte des schiffes angeordnet. Anstatt der bisher gebräuchlichen Mittelartillerie sollten 24 Schnellfeuergeschütze - 7,6 cm - etwaige Torpedoangriffe zurückschlagen. Die Dreadnought selbst konnte aus fünf Torpedorohren eines verbesserten Typs ebenfalls Torpedos abschießen. Vier durch Turbinen angetriebene Schrauben sorgten für eine Höchstfahrt von 21,6 Knoten. Das Schiff war damit um zwei Knoten schneller als alle bis zu diesem Zeitpunkt gebauten Schlachtschiffe. Der Aktionsradius betrug bei normaler Marschfahrt 5800 Seemeilen oder 3500 bei einer Geschwindigkeit von 18,5 Knoten. Die Dreadnought war nicht nur das erste durch Turbinen angetriebene Kriegsschiff der Welt, sondern besaß auch eine aus einem neuen Stahl hergestellte außergewöhnlich schwere Panzerung.
Am 2. Oktober 1905 wurde der Bau des Schiffes in Portsmouth begonnen, und bereits ein Jahr und einen Tag später konnte es mit seinen Erprobungen beginnen. 1907 folgten Frankreich und Deutschland mit der Kiellegung von jeweils vier Schiffen dieses Typs, während im gleichen Jahr in Rußland bereits vier und in Italien sogar fünf vom Stapel liefen. Japan begnügte sich mit zwei Schiffen, die jeweils ein Dutzend 30-cm-Geschütze trugen.
Mit der Dreadnought hatten alle frühen Schlachtschiffe mit einem Schlag nur noch Schrottwert - sie war von der Admiralität geplant worden, um der Marine die alte Schlagkraft zurückzugeben und sie aus der Gewöhnung an ihre offensichtliche Unfähigkeit und Vernachlässigung wachzurütteln. Ohne durch eine größere Bedrohung als den Krimkrieg 1853/56 einen Antrieb erhalten zu haben, war der lange Arm der Marine müde geworden und hing matt herab.
Der deutsche 11 600 Tonnen große Panzerkreuzer Scharnhorst war 1906 in Hamburg bei Blohm & Voss erbaut worden. In der Seeschlacht bei den Falkland-Inseln 1914 wurde das Schiff mit der gesamten Besatzung versenkt.
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Als glückliche Entscheidung für England und den Bestand seines Weltreichs erwies sich die Ernennung von John Arbuthnot Fisher zum Ersten Seelord im Jahre 1904. Im Alter von 63 Jahren übernahm dieser schlagfertige, tatkräftige und voreingenommene Mann, der gleichzeitig Liebhaber von Predigten und Tanzen war, die Kontrolle über alle Marineangelegenheiten und ging daran, die englische Marine in ein neues Zeitalter zu führen. Zu den wichtigsten Veränderungen, die zu seiner Amtszeit eingeführt wurden, gehörte der Übergang zur Ölfeuerung und die Einführung der von den meisten Marineoffizieren noch verachteten Unterseebootwaffe. Glücklicherweise fand er die Unterstützung einer aufgeschlossenen öffentlichen Meinung, die inzwischen durch die Anhandlung von Alfred Thayer Mahan über die Notwendigkeit einer starken Seemacht wachgerüttelt worden war. Die große Flottenschau 1897 zu Ehren des 60jährigen Regierungsjubiläums der Königin Victoria unterstrich Mahan in zwei Büchern dargelegten Thesen und bekam eine ernste Aktualität durch das Rüstungswettrennen zwischen England und dem Deutschland Wilhelms II. Im August 1914 war der Höhepunkt erreicht. Am 17. und 18. Juli hielt der Erste Seelord auf der Reede von Spithead, wo einst, 1545, englische Schiffe gekämpft hatten, eine große Flottenschau ab, von der Churchill sagte: »...unvergleichbar die größte Versammlung maritimer Macht, die in der Weltgeschichte je gesehen wurde.« Wenige Tage später schlüpften in der Nacht des 29. Juli die dunklen Schatten der 1. Flotte auf ihrem Weg zu ihrer Basis Scapa Flow durch den Kanal, und am 4. August um 23.00 Uhr, als die Uhren in Deutschland gerade Mitternacht schlugen, erhielten alle Schiffe von der Admiralität die langerwartete Mitteilung: »Beginn der Feindseligkeiten gegen Deutschland.« Den Krieg begann England mit einer eindrucksvollen Streitmacht. Zwanzig »Dreadnoughts«, neun Schlachtkreuzer und 41 Linienschiffe der Vordreadnoughtzeit, zu denen man noch die 1908 in Dienst gestellten Lord Nelson und Agamemnon zählen mußte, bildeten den Kern der Flotte. Zwölf weitere »Dreadnoughts« und ein Schlachtkreuzer waren noch im Bau. 1915 befanden sich dann unter Englands zwölf Schlachtschiffen auch die fünf hervorragenden, mit Ölfeuerung ausgerüsteten und mit 38,1-cm-Geschützen bewaffneten Schiffe der Queen-Elisabeth-Klasse. Außer der Queen Elisabeth waren es die in beiden Weltkriegen bekannt gewordenen Warspite, Barham, Valiant und Malaya. Ferner übernahm die Marine von englischen Marinewerften bei Ausbruch des Krieges fünf brandneue Schlachtschiffe, darunter die für Chile bestimmte Almirante Latorre, die als Canada in Dienst gestellt wurde, sowie die für die Türkei bestimmte Sultan OsmanI und Reshadieh, die als Agincourt bzw. Erin übernommen wurden. Im Mittelmeer konnten der deutsche Schlachtkreuzer Goeben sowie der kleine Kreuzer Breslau der Verfolgung durch die Indomitable und die Infexible entkommen und bewirkten dadurch, daß die noch zögrende Türkei auf Deutschlands Seite in den Krieg eintrat. Die Schiffe kämpften dann unter Kommando des deutschen Admirals Souchon als Yavuz und Midilli mit deutscher Besatzung unter türkischer Flagge und hielten, abgesehen von der moralischen Unterstützung, auf die nicht zuletzt auch der englische Fehlschlag von Gallipoli zurückzuführen ist, den ganzen Krieg hindurch die russische Schwarzmeerflotte unter Kontrolle. In den Geschwadern der deutschen Flotte befanden sich bei Kriegsausbruch 13 Schiffe des »Dreadnought« - Typs und fünf Schlachtkreuzer, wenn man die mit zwölf 21-cm-Geschützen bestückte Blücher mitzählt. Sieben weitere des ersteren Typs und drei Schlachtkreuzer befanden sich noch im Bau.
Viele bemerkenswerte Leistungen waren in den vergangenen Kriegsjahren vollbracht worden. Noch heute erinnert man sich der Taten eines Grafen Spee bei Coronel oder des Admirals Sturdee bei den Falklandinseln ebenso wie die des Roger Keyes beim Angriff auf Zeebrügge.
Die Hood beim Verlassen der Bauwerft an der Clyde 1920. Im März des Jahres war die »mächtige Hood« fertiggestellt worden. Das Schiff war noch als Schlachtkreuzer konzipiert und hatte 41200 Tonnen Wasserverdrängung. Am 24. Mai 1941 flog die Hood im Gefacht mit der Bismarck in die Luft. Von der Besatzung konnten nur drei Mann gerettet werden.
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1922 entschlossen sich England, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Japan, ein Fünfmächte-Marineabkommen zu unterzeichnen, um ein weiteres Wettrüsten zu verhindern. »Es gibt nur einen Ausweg«, erklärte der amerikanische Außenminister auf der Konferenz von Washington, »und das bedeutet, jetzt sofort ein Ende zu machen«. England durfte 22 Großkampfschiffe mit insgesamt 580.000 Tonnen behalten, die vereinigten Staaten 18 mit 500.000 Tonnen, während sich Japan, Frankreich und Italien mit jeweils 10 Einheiten begnügten. Zusätzlich sollten England 23 Schiffe, die Vereinigten Staaten 30 und Japan 17 Schiffe mit entsprechender Tonnage verschrotten.
Einen neuen Krieg konnte man dadurch allerdings nicht verhindern. Die sieben großen und recht kampfstarken deutschen Kriegsschiffe sollten sein Ende nicht erleben. Das bei seiner Größe außergewöhnliche stark gepanzerte »Panzerschiff« Admiral Graf Spee wurde von der eigenen Besatzung in der La-Plata-Mündung gesprengt. Kapitän Langsdorff hatte für sein Schiff keinen Ausweg aus der Falle gesehen und erschoß sich danach selbst. Die Panzerschiffe Deutschland, Admiral Graf Spee und Admiral Scheer wurden 1933/36 in Dienst gestellt, nachdem die Bedingungen des Friedensvertrages von Versailles Deutschland verboten hatten, Kriegsschiffe mit mehr als 10.000 Tonnen Wasserverdrängung zu bauen. So entstand dieser neue schnelle Schiffstyp, mit sechs 28-cm-Geschützen und starker Panzerung - die sogenannten »Westentaschen-Schlachtschiffe«. Auch das Schlachtschiff Bismarck wurde schließlich gesprengt, als es nach tagelangem Kampf gegen Flugzeuge und Schiffe der Home Fleet und der Mittelmeerflotte keine Möglichkeit mehr hatte, den Kampf noch länger fortzusetzen. Das Schlachtschiff Scharnhorst wurde in der Arktis in einem Gefecht gegen ein englisches Geschwader unter Admiral Frazer vernichtet. Die Tirpitz fand durch Flliegerbomben ihr Ende im Tromsö-Fjord, und die Gneisenau - beides Schlachtschiffe - ging vor Gdingen, damals Gotenhafen, verloren, während die ursprünglich Panzerschiffe genannten schweren Kreuzer Admiral Scheer und Lützow - das ehemalige Panzerschiff Deutschland - 1945 durch schwere Bombenangriffe in Kiel beziehungsweise Swinemünde versenkt wurden.
Die Engländer verloren an größeren Schiffen das Schlachtschiff Royal Oak, das bei einem U-Boot-Angriff durch Kapitänleutnant Prien in der Bucht von Scapa Flow versenkt wurde, wobei 800 Männer ihr Leben lassen mußten, sowie den Schlachtkreuzer Hood, der im Kampf mit der Bismarck in die Luft flog, wobei nur drei von der 1418 Mann starken Besatzung gerettet wurden. Vor der ägyptischen Küste wurde das Schlachtschiff Barham torpediert und flog in die Luft. Das Schlachtschiff Prince of Wales fiel ebenso wie der Schlachtkreuzer Repulse vor Malaya japanischen Luftangriffen zum Opfer. Außerdem gingen noch die fünf Flugzeugträger Courageous, Glorious, Ark Royal, Eagle und Hermes verloren.
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Der in der gewaltigen Ausdehnung des Pazifiks ausgetragene Seekrieg besiegelte das Schicksal der Schlachtschiffe. Seitdem bestanden keine Zweifel mehr, daß das Schlachtschiff der Zukunft der Flugzeugträger sein würde. Entsprechende Planungen führten in den Vereinigten Staaten dann auch 1961 zum Bau der 89.600 Tonnen großen atombetriebenen Enterprise. Schiffe dieser Größe hatten mit der Engadine, von der in der Skagerrakschlacht - von Freund und Feind vollkommen unbeachtet - ein kleines Flugzeug starten konnte, keine Ähnlichkeit mehr. Selbst für die Finanzkraft der USA bedeutete der Bau von Schiffen in der Größenordnung der Enterprise ein Problem, denn als die Nimitz, eine schwimmende Stadt mit über 5000 Einwohnern, 1975 zum ersten Mal England besuchte, hatte man in den Vereinigten Staaten bereits über mögliche Vorteile kleinerer und billigerer Flugzeugträger nachzudenken begonnen.
Auch die englischen Träger hatten nicht zuletzt im Pazifik ihren Wert bewiesen. Daher war man in der Marine um so mehr erstaunt und höchst unwillig, als der Bau neuer Träger eingestellt wurde. Statt auf die großen Flugzeugträger verläßt sich England seitdem auf erheblich billigere, für U-Boot-Jagd konstruierte Hubschrauberträger oder Kreuzer mit durchlaUfendem Deck, von denen die in England entwickelten Senkrechtstarter des Harrier-Typs eingesetzt werden können. Die Invincible, Prototyp dieser neuen Kreuzer, wurde 1973 in Barrow-in-Furness auf Stapel gelegt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Seeherrschaft von England an die Vereinigten Staaten übergegangen, die zu diesem Zeitpunkt die größte Flotte ihrer Geschichte besaßen. Aber es sollte nicht lange dauern, bis die amerikanische Vorherrschaft auf den Meeren in Frage gestellt wurde. Als die Führer im Kreml darangingen, die Sowjewtunion zu einer maritimen Supermacht aufzubauen, verfolgten sie damit ein Konzept, das schon der amerikanische Marinehistoriker A.T. Mahan vertreten hatte. Gleichgültig wo die Flotten westlicher Staaten ihre Manöver durchführten, immer erschienen aus dem Nichts einige russische Fischereifahrzeuge zur Beobachtung.
Panzerdeckkreuzer Aurora 1903
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Heute glaubt man, daß daß bereits 1975 die Anzahl der russischen zur U-Boot-Jagd bestimmten atomgetriebenen Unterseeboote dreimal so groß war wie die Anzahl der U-Boote im Zweiten Weltkrieg und daß die letzten sowjetischen Raketenzerstörer und Kreuzer »den besten ihrer Nato-Gegenspieler um 5 Jahre voraus seien« und in Kürze noch eine Flotte von Flugzeugträgern dazukommen würde (Stand 1977).
Inzwischen werden die Marinen von Wissenschaft und Technologie geformt. Selbst in der Royal Navy hat der alte Konservatismus einer Geisteshaltung Platz gemacht, die jetzt recht eifrig modernste Forschungsergebnisse und Neuerungen zur Kenntnis nimmt. Die technische Revolution begann mit dem Funkpeiler und der Radiotechnik im Ersten Weltkrieg, führte dann im Zweiten Weltkrieg zur Entwicklung des ehemals geheimen Radar, Asdic und Sonar und umfaßt heute Atomantrieb, Gasturbinen und eine von intensiv ausgebildeten Spezialisten bediente, sich über alle Bereiche erstreckende, verwirrende Elektronik. Heute finden die neuesten technischen Entwicklungen Anwendung auf raketentragenden Schiffen wie den vielseitig zur Flugzeug- oder U-Boot-Bekämpfung verwendbaren Fregatten, auf U-Booten aller Art, von denen etliche mit atomaren Antrieb ausgerüstet sind, und Raketenträgern bis hin zu Zerstörern, Minensuchern und anderen modernen Nachfahren der Revenge oder einer Wappen von Hamburg. Schon wurde beim Auslaufen englischer Kriegsschiffe der Satz geprägt: »Ihrer Majestät Computers« laufen aus. Wenn auch die alten Bräuche in der Marine meist der Vergessenheit angehören und man heute den jungen Marinesoldaten erst erzählen muß, daß Grog einst die tägliche Rumration war, so wird vieles von dem gepflegt, was sich von den großen alten Traditionen bewährt hat.
In neuester Zeit scheinen die Amerikaner die Herausforderung anzunehmen und den jahrhundertealten Traum von einem Unterwasserschiff in Schlachtschiffgröße verwirklichen zu wollen. Im April 1976 wurde auf der Groton-Werft in Conneticut das 17.000 Tonnen große Unterseeboot Ohio auf Kiel gelegt. Die Raketenbewaffnung wird eine Reichweite von mehr als 11.000 Kilometer haben, und - die Kosten dürften mehr als 1 Milliarde Dollar betragen.
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