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 | Abenteurer der Karibik |
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Abenteurer der Karibik Fortsetzung
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Abenteurer der Karibik / © by Webmaster
Ein Mann der Feder unter Räubern
"Ich versichere dem Leser, daß ich keine Geschichten nach dem Hörensagen wiedergeben werde, sondern nur das, was ich mit eigenen Augen gesehen habe", mit dieser Einleitung beginnt die Bukanier-Chronik, die John Esquemeling 1678 in den Niederlanden verfaßte. Ob Esquemeling immer unbeirrbar an seinem Grundsatz festhielt, ist eine andere Frage, denn seine Erzählungen über die Freibeuter Neu-Spaniens erscheinen gelegentlich etwas übertrieben. Es steht aber außer Zweifel, daß er sich Freibeuter-Banden anschloß, u.a. auch der Henry Morgans, und mit diesen fast zehn Jahre lang die Karibik durchkreuzte, ehe er nach Hause zurückkehrte und den ersten - und immer noch sichersten - Bericht über ihre Taten verfaßte.
Esquemelings Abstammung ist ebensosehr in dunkel gehüllt wie die seiner Freibeuter-Gestalten. Die Wissenschaftler sind sich ziemlich sicher, daß er Franzose war und um 1645 in Honfleur an der Kanalküste zur Welt kam. Zu Beginn seiner Erzählung berichtet er, daß er in seiner Jugend als verdungener Arbeiter der Französischen Westindischen Handelskompanie in die Karibik geschickt wurde. Offenbar verbrachte Esquemeling einige Zeit auf Tortuga unter der Knute eines grausamen Meisters, den er als den "hinterhältigsten Mann, der je aus dem Schoß eines Weibes geboren wurde", beschrieb; dieser Mann ließ ihn fast zu Tode hungern. Später wurde er von einem Bader gekauft, der ihn gründlich in seine Heilkunst eingeführt zu haben scheint. Nach nur einem Jahr erlangte Esquemeling die Freiheit. Seinen Entschluß, zu den Bukaniern zu gehen, begründete er wie folgt: "Entblößt und aller Dinge bar, deren der Mensch bedarf", schrieb er, "beschloß ich, dem ruchlosen Stand der Piraten oder Seeräuber beizutreten."
Esquemeling verbrachte seine Lehrjahre in den befestigten Plätzen der Bukanier auf Hispaniola, von wo er sich an Überfällen beteiligte und in Mußestunden die Tier- und Pflanzenwelt Westindiens studierte. Dann übersiedelte er offenbar nach Jamaika, von wo aus er jahrelang englische Bukanier auf ihren Streifzügen durch Neu-Spanien begleitete. Auf ihren Expeditionen übernahm er die ärztliche Betreuung, wofür er je nach Erfolg mit einer ansehnlichen Summe entlohnt wurde. "Für den Arzt und seinen Arzneikasten gelten 250 Pesos als angemessenes Gehalt", vermerkte er. Dieses großzügige Entgeld war wohlverdient, denn das Ausbrennen von Wunden mit rotglühenden Eisen und die Amputation von Gliedmaßen waren ein mühseliges Geschäft, das starke Nerven verlangte.
Auf der Rückreise von dem unter der Führung Morgans gemachten Überfall auf Panama im Jahre 1671 wurde Esquemeling des Bukanierlebens überdrüssig. Es war eine qualvolle Reise, und die Männer mußten "sich ein paar Krokodileier suchen", um nicht zu verhungern. Dem Chronisten erschien dies alles als ein Zeichen für den "Lohn des Bösen".
Schließlich bekundete Esquemeling sein Entsetzen über die Grausamkeiten und Ausschweifungen "dieser Piraten, die ohne weiteres 3000 Pesos ausgeben und am nächsten Morgen kein Hemd mehr am Leibe haben". Im Jahre 1674 kehrte er nach Europa zurück und schlug in Amsterdam seinen Wohnsitz auf, wo er sich alsbald eine Arztpraxis einrichtete und seine Erlebnisse zu Papier brachte.
Selbst in seinen wildesten Träumen hätte Esquemeling sich nicht die Sensation ausmalen können, die sein Werk in ganz Europa auslöste. Die erste niederländische, mit Holzschnitten eines unbekannten Künstlers illustrierte Ausgabe war innerhalb von drei Monaten vergriffen, eine zweite Auflage war ebenfalls bald ausverkauft. 1679 kam eine deutsche Übersetzung auf den Markt, 1681 folgte eine spanische Ausgabe, 1684 erschienen zwei englische Übersetzungen, 1686 eine französische Fassung. "So etwas ist in England noch nie veröffentlicht worden", vermerkte ein Londoner Kritiker.
Tatsächlich hatte der Bukanier im Ruhestand an der Entstehung einer neuen literarischen Gattung mitgewirkt. Denn englische und irische Romanschriftsteller wie Daniel Defoe und Jonathan Swift erkannten rasch, wie sehr Esquemelings Abenteuergeschichten bei einem breiten Publikum Anklang fanden.
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Wohlstand aus dem "edlen Saft des Zuckerrohrs"
"Jetzt übertreffen wir alle Nationen der Welt bei der wahren Raffination des edlen Safts des Zuckerrohrs", schrieb 1690 ein Engländer aus Westindien. Er hätte noch hinzufügen können, daß der Anbau von Zuckerrohr noch lukrativer war als das Freibeutertum. So brachten Henry Morgan seine Plantagen mehr Gewinn ein als seine Beutezüge.
Zuckerrohr war in der Neuen Welt nicht heimisch. Von Asien zum Mittelmeer gelangt, wurde es 1493 von Christoph Kolumbus nach Santo Domingo gebracht. Niederländische und portugiesische Siedler bauten in Brasilien eine florierende Zuckerwirtschaft auf und um 1650 wurde das Zuckerrohr von englischen Pflanzern in ihren Kolonien in der Karibik eingeführt.
Es war eine komplizierte, mühsame und äußerst arbeitsintensive Industrie; deshalb wurden zwischen 1671 und 1684 allein nach Jamaika jedes Jahr 1500 Sklaven importiert. Nach der Ernte wurde das Rohr in einer Mühle ausgepreßt. Der süße Saft wurde in riesigen Bottichen gekocht und zu Sirup eingedickt, der über Rohre zum Abkühlen in flache Wannen geleitet wurde, wo sich auf der Oberfläche der zähen braunen Molasserrückstände der Zucker auskristallisierte. Diese Rückstände wurden zu einem starken Rum gebrannt.
Durch schlechte Bewirtschaftung konnte eine ganze Ernte zugrunde gehen. Wenn nicht in Etappen gepflanzt wurde, reifte die ganze Ernte gleichzeitig, und das Zuckerrohr verdarb, ehe es zur Verarbeitung gelangen konnte. Oft kam es vor, daß Ratten ganze Zuckerrohrfelder kahlfraßen.
Aber die englischen Siedler hatten aus ihren Erfahrungen gelernt. 1680 schickten alleine die Pflanzer von Barbados so viel ZUcker nach England, daß sein Wert den aller Exporte aus den übrigen nordamerikanischen Kolonien überstieg. Die Zuckeranbauer waren so mit Geld gesegnet, daß der Ausdruck aufkam "reich wie ein westindischer Pflanzer". Und es war ein dauerhafter Wohlstand, der sich von Generation zu Generation mehrte. Als William Beckford, in dritter Generation Pflanzer auf Jamaika, 1770 starb, hinterließ er in England und auf Jamaika einen Grundbesitz im Werte von 1 Million Pfund.
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Eine neue Ära der Kriegsführung in der Karibik
Obwohl mit Anbruch des 18. Jahrhunderts in Neu-Spanien die Zeit des zügellosen Individualismus von Freibeutern und Bukaniern zu Ende ging, kehrte für die Spanier in ihren belagerten Städten und an Bord ihrer bedrohten Schatzgaleonen noch keineswegs der Friede ein. Inzwischen hatten die Niederländer, Franzosen und Engländer in der Karibik eigene Inselkolonien errichtet, die sie als Ausgangsbasen für großangelegte Angriffe mit mächtigen und gut geführten Kriegsflotten verwenden konnten - und es auch taten. Die Schiffe segelten unter ihrer Nationalflagge, und das Kommando wurde von hochrangigen Kapitänen und Admiralen geführt.
Die zunehmende Schwäche der spanischen Verteidigungsanlagen in der Neuen Welt forderte vor allem die Engländer heraus, die am härtesten zuschlugen. In einer Reihe von europäischen Kriegen befand sich England immer auf der Seite von Spaniens Gegnern. Feindseligkeiten auf der europäischen Seite des Atlantiks waren eine glänzende Gelegenheit, die Großbritannien sich nicht entgehen ließ, um Spanien auch jenseits des Ozeans zu bekämpfen.
1739, als Großbritannien und Spanien wie gewöhnlich miteinander Krieg führten, wurde Vizeadmiral Edward Vernon mit einer Streitmacht von neun großen Kriegsschiffen, darunter vier mit 70 Kanonen bestückten Linienschiffen, nach Jamaika geschickt. Der ihm von der britischen Admiralität erteilte Auftrag lautete, "die spanischen Siedlungen in Westindien zu zerstören und ihre Schiffahrt nach allen Regeln der Kunst zu schaden".
Mit seinen Angriffen auf Portobelo und Chagres versetzte er Spanien schwere Schläge, während man ihm von Großbritannien immer mehr Verstärkung nachschickte, um sein erfolgreiches Karibik-Geschwader zu vergrößern. 1741 unterstanden nicht weniger als 30 Linien- sowie 90 andere Schiffe mit einer Besatzung von insgesamt 15000 Mann seinem Kommando. Diese große Flotte bombardierte zuerst Cartagena, dann Santiago de Cuba. Die Spanier verteidigten tapfer ihre wichtigsten Städte in der Karibik; sie wurden aber innerhalb ihrer eigenen Befestigungsanlagen zu Gefangenen, und ihre Schatzflotten segelten unter immer größeren Gefahren. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wurden Vernon und die anderen Admirale als Nationalhelden gefeiert.
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