Zurück zur Startseite Impressum Quellenangaben Marinelinks schreib was rein, ich würd mich freun Kontaktformular
Navigation 
 
 
 
marinepage 
 
 
 
 
 

XStat

 

Suchmaschine
         Suchmaschinen Eintrag

Abenteurer der Karibik

Abenteurer der Karibik Fortsetzung
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Abenteurer der Karibik / © by Webmaster

 

Tod und Profit beim Handel mit Menschen

Wie viele afrikanische Sklaven im 16. und 17. Jahrhundert über den Atlantik nach Neu-Spanien gebracht wurden, vermag niemand zu sagen. Man schätzt jedoch, daß es insgesamt eine Million Menschen waren.
Afrikanisches Bronzerelief
Aus der Zeit um 1600 stammt dieses afrikanische Bronzerelief, auf dem weiße Händler einem Häuptling von Benin Kupferarmbänder, Manillas genannt, im Tausch gegen Sklaven anbieten.
Die Handelsgesellschaften der Kolonialmächte - Portugal, Frankreich, Niederlande und England - waren entlang der westafrikanischen Küste durch Beauftragte vertreten, die im Tauschhandel für sie Sklaven einkauften. Die Verkäufer waren einheimische Häuptlinge, die sich bereitwillig von Aufsässigen trennten oder durch den Verkauf feindlicher Gefangener aus Stammesfehden doppelten Profit schlugen.
Die kräftigsten und gesündesten jungen Männer konnten Tauschwaren im Wert von bis zu 9 Pfund Sterling einbringen: Waffen, Eisenstangen und Textilien. Frauen und ganz junges Blut waren für nur 24 Shilling bzw. ein Stück Wollstoff zu haben. Den gekauften Sklaven wurde auf der Brust oder dem Gesäß eine Markierung eingebrannt; dann sperrte man sie bis zum Eintreffen der Sklavenschiffe ein.
Bis zu 600 Sklaven wurden auf einem 40 Meter langen Schiff zusammengepfercht. Während der fünf- bis zehnwöchigen Überfahrt in die Karibik lagen sie, an Händen und Füßen angekettet, unter Deck auf schmalen Brettgestellen im dunklen, feuchten Schiffsraum. Zweimal pro Tag wurden sie nach oben an Deck gebracht, wo sie ihr Essen bekamen, das in der Hauptsache aus Bohnen bestand. Es gab keinerlei sanitäre Einrichtungen, so daß Matrosen behaupteten, sie könnten "ein Sklavenschiff fünf Meilen gegen den Wind riechen". Der Gestank von Erbrochenem, Exkrementen und Fäulnis durch Schmutz und Krankheiten war so unerträglich, daß - wie ein Beobachter einmal schrieb - kein "Europäer es wagen konnte, seinen Kopf in die Luke zu stecken, ohne daß er sofort von Übelkeit befallen wurde." Etwa 20 Prozent der "Ladung" eines Sklavenschiffes kam auf der Fahrt um. Von den Überlebenden waren viele voll offener Wunden (die die Verkäufer mit Schießpulver zu verdecken suchten), oder sie litten an Dysenterie (was man verheimlichte, indem man den Opfern Werg in den Anus stopfte). Die Arbeitskräfte wurden jedoch von den Spaniern - und später von den Engländern und Franzosen - so dringend benötigt, daß sie für einen Sklaven bereitwillig zwischen 16 und 22 Pfund zahlten.
Nach Abzug der Ausgaben konnte ein Sklavenschiff pro Fahrt mit einem Mindestgewinn von 2500 Pfund rechnen, wobei aber manche Überfahrten das Dreifache einbrachten. Ein zeitgenössischer englischer Wirtschaftswissenschaftler namens Malachy Postlethwait schrieb: "Der Negerhandel und seine natürlichen Folgen können für diese Nation mit Recht als eine unerschöpfliche Quelle des Wohlstandes und der Seemacht angesehen werden."

Das harte Los englischer Ketzer

Sie waren allesamt Freiwillige, die 100 Seeleute, die an der Ostküste Mexikos an Land gingen, als John Hawkins im Herbst des Jahres 1568 vor den Spaniern flüchtete.
Ketzer am Brandpfahl
Zwei von der Inquistition verurteilte Ketzer sterben hier in einer öffentlichen Zeremonie am Brandpfahl.
Die Männer glaubten, auf feindlichem Gebiet immer noch eine bessere Überlebenschance zu haben als an Bord der überfüllten und unzureichend verproviantierten Minion. Als sich die Minion drei Monate später sehr mitgenommen in einen englischen Hafen schleppte, hatten von den 100 an Bord gebliebenen Besatzungsangehörigen tatsächlich nur 15 überlebt. Das Schicksal der Zurückgelassenen war jedoch keineswegs besser. Bald nach ihrer Landung waren 30 von den Männern unter der Führung von David Ingram zuerst nach Norden und dann entlang der Küste des Golfs von Mexiko ins ferne Florida gezogen, wo sie eine französische Siedlung vermuteten. Die übrigen brachen in südlicher Richtung nach Tampico auf, wo sie sich den Spaniern ergaben - und unverzüglich eingekerkert wurden.
Nach vier Tagen befahl man die Gefangenen ins Freie; sie wurden von Männern mir Schlingen erwartet. Miles Philips, ein Vierzehnjähriger, der Hawkins' Page gewesen war, berichtete später über die Angst, die seine Landsleute befiel: "Auf unseren Tod gefaßt, flehten wir Gott um Gnade und um Vergebung unserer Sünden an."
Die Männer wurden jedoch nicht gehängt, sondern mit den Schlingen aneinandergefesselt und in die 300 Kilometer weit entfernte Stadt Mexiko getrieben. Schließlich wurde ein Großteil der Gefangenen wohlhabenden Spaniern als Diener zugeteilt und von diesen zumindest annehmbar behandelt. Als 1571 in Mexiko jedoch die spanische Inquisition eingeführt wurde, machte man den Engländern das Leben zur Hölle.
Unter dem Verdacht der Ketzerei wurden Philips und seine Gefährten abermals ins Gefängnis geworfen. Viele wurden gefoltert; alle wurden unerbittlich über ihre religiösen Überzeugungen ausgefragt und monatelang in den finsteren, stinkigen Zellen festgehalten. Anfang 1574 wurde den unglücklichen Seeleuten die Art ihrer Bestrafung bekanntgegeben: Philips und eine Handvoll anderer Jünglinge wurden zu einer langen Sühne in Klöstern verurteilt. Für ihre älteren Kameraden ging die Sache weniger glimpflich aus. Einer wurde erdrosselt und verbrannt; die anderen kamen - nachdem sie 300 Peitschenhiebe erhalten hatten - auf die Galeeren.
Miles Philips wurde nach drei Jahren aus dem Kloster entlassen und gelangte schließlich auf Umwegen über Guatemala, Venezuela, Kuba, die Azoren und Spanien nach Hause. In England erfuhr er, daß David Ingram und zwei seiner unerschrockenen Begleiter den Treck nach Florida nicht nur überlebt hatten, sondern entlang der Atlantikküste noch 2500 Kilometer weiter nach Norden bis Neuschottland gezogen waren, wo sie auf ein französisches Fischerschiff stießen, auf dem sie die Überfahrt nach Hause machen konnten.
Über das Schicksal der 27 übrigen, die mit ihm den historischen Fußmarsch unternommen hatten, wußte Ingram nichts genaues zu berichten. Mit Sicherheit wußte er nur, daß drei gestorben waren. Die übrigen, so vermutete er, hatten unterwegs aufgegeben und waren bei den Indianern zurückgeblieben. "Es ist wahrscheinlich", schrieb Philips, "daß einige von ihnen noch am Leben und in besagtem Land verheiratet sind."

Eine Gemeinschaft von Kriegern

Die 30 entflohenen Negersklaven, die Francis Drake und seine Männer 1573 durch den Dschungel führten, waren keine vereinzelte Gruppe. In der ganzen Karibik gab es zahlreiche Banden von Cimarrones, wie man sie nach der spanischen Bezeichnung für wildes oder verwildertes Vieh nannte.
Der erste Cimarron war ein Negersklave, der 1502 mit der Kolonisationsexpedition von Nicolás de Ovando auf Hispaniola eintraf und, schon wenige Tage nachdem er amerikanischen Boden betreten hatte, ins gebirgige Landesinnere flüchtete. Bald folgten andere Schicksalsgefährten seinem Beispiel und bauten sich in den Wäldern am Rande der Plantagen von Santo Domingo Dörfer auf. 1570 schätzen die Spanier, daß bereits mehr als 7000 Cimarrones in den Bergen von Hispaniola umherstreiften, daß sich 3000 weitere in den Urwäldern Panamas und abermals Tausende im Busch von Kuba und in den höhlenreichen Kalkhügeln Jamaikas versteckt hielten. Weitere Gemeinden breiteten sich an der Nordküste Südamerikas aus, später entstanden sie auch in Surinam und Brasilien.
Von den Spaniern wurden sie schonungslos verfolgt: Sie zerstörten ihre Siedlungen und töteten die freigekommenen Einwohner oder machten sie erneut zu Sklaven. Die Cimarrones ließen sich dennoch nicht entmutigen - im Gegenteil, sie brachten es sogar zu bescheidenem Wohlstand, indem sie verschiedene Feldfrüchte anpflanzten und mit behelfsmäßigen Fallen Wild fingen. Beim Besuchen einer befestigten Siedlung der Cimarrones rief einer von Drakes Männern verwundert aus, die Siedlung sei "so sauber und lieblich, daß nicht nur die Häuser, sondern selbst die Straßen ein erquicklicher Anblick sind". Da sie sich mit ihren ehemaligen Herren in einem ständigen Kriegszustand befanden, entwickelten die Cimarrones eine strenge Ordnung; die Anführer der Gruppe hatten große Machtbefugnisse. Desertion wurde meist mit dem Tod bestraft; den Berichten von Missionaren ist zu entnehmen, daß Mord, Raub und Ehebruch mit den "ausgefallensten Folterungen" geahndet wurden. In religiöser Hinsicht hingen sie, wie ein Beobachter schrieb, "mit devotem Eifer ihrem afrikanischen Aberglauben an". Auf Hispaniola und Jamaika trugen Krieger Amulette, von denen sie glaubten, sie würden sie für Kugeln unverwundbar machen.
Im Laufe der Zeit griffen manche Cimarrones sogar die Spanier an. Auf Hispaniola, Kuba und Jamaika plünderten Cimarrones von ihren Dörfern aus spanische Plantagen: Sie brannten die Gebäude nieder, töteten die Spanier und Indianer und raubten ihre Frauen. In Panama erreichten die Raubüberfälle der Cimarrones ein derartiges Ausmaß, daß ein spanischer Beamter leidgeprüft feststellte: "Die Angelegenheit, der am dringlichsten abgeholfen werden muß, ist die Ausbreitung der Cimarrones, die (so dreist und unerschrocken sind sie geworden) in die Straßen von Nombre de Dios einfallen, Reisende töten und sie ihrer Habseligkeiten beraubten." Die Rache, die die Spanier an gefangenen Cimarrones übten, reichten von der Kastration bis zum Feuertod.
Die Gelegenheitsbündnisse mit Drake und anderen Freibeutern boten den Cimarrones eine Möglichkeit, "sich für das Unrecht und Leid zu rächen, das die spanische Nation ihnen zugefügt hatte", wie es einer von Drakes Männern ausdrückte. Die Freibeuter hätten sich ihrerseits kaum bessere Verbündete wünschen können. Die Cimarrones waren nicht nur an Gold und Silber uninteressiert, sondern "sie leisteten uns sehr gute Dienste: Sie waren Führer, die uns den Weg wiesen; Lieferanten, die uns verproviantierten; Baumeister, die für uns Unterkünfte errichteten. Wenn es darauf ankam, erwiesen sie sich als ebenso fleißig wie tapfer und klug", lobte sie ein Mann aus Drakes Gefolge.

Die Ketzer, die das mächtige Spanien demütigten

Obwohl nicht so zahlreich wie die Engländer und Franzosen, zogen auch die Niederländer in Neu-Spanien umher, und in gewisser Hinsicht brachten sie die Spanier noch mehr zur Verzweiflung als die anderen Eindringlinge.
Hollandtschen Tuyn
Von einem erfolgreichen Raubzug aus Neu-Spanien zurück, segelt die mit Münzen und Zucker beladene "Hollandtschen Tuyn" im Jahre 1605 auf dem Weg nach Amsterdam durch eine Bucht der Zuidersee.
Zum einen leisteten sie gegen die spanischen Ansprüche auf ihr Mutterland erbittert und erfolgreich Widerstand, zum anderen waren die Niederländer als Protestanten für das katholische Spanien nicht nur Aufständische, sondern auch Ketzer. Die Niederländer fielen erstmals im Jahre 1599 in Neu-Spanien ein: Sie trachteten nach den riesigen Salzvorkommen von Araya an der Küste Venezuelas. Da Salz für ihren blühenden Heringsfang ein unentbehrliches Konservierungsmittel war, schickten sie jeden Monat bald bis zu zehn Schiffe nach Araya; sie beschränkten sich nicht darauf, Salz zu gewinnen, sondern handelten auch mit Häuten und Tabak und überfielen gelegentlich spanische Schiffe. Als immer offenkundiger wurde, daß die Spanier außerstande waren, ihr riesiges Reich zu überwachen, wurden die Niederländer immer kühner. Niederländische Planer errechneten, daß sie mit einer Investition von 2,5 Millionen Gulden für Schiffe und Besatzungen eine ganze Kolonie - Bahia in Brasilien - erwerben könnten, die jedes Jahr in Form von Zucker, Tabak, Baumwolle und Holz einen Ertrag von acht Millionen Gulden abwerfen würde. Die aus 26 Schiffen mit 450 Geschützen und 3300 Mann bestehende niederländische Expedition überraschte Bahia im Mai 1624. Während die niederländischen Truppen die Küstenbatterien erstürmten, wurden die im Hafen liegenden Schiffe ausnahmslos gekapert oder versenkt. Bei Einbruch der Nacht war in der Stadt bereits die niederländische Flagge gehißt. Binnen Jahresfrist hatten die Spanier Bahia zurückerobert, indem sie mit der größten Flotte angriffen, die je in der Neuen Welt aufgeboten worden war - 52 mit insgesamt 1185 Geschützen bestückte Kriegsschiffe mit 12 566 Mann an Bord. Der Sieg wurde jedoch von einer Katastrophe überschattet, denn auf der Rückfahrt nach Spanien verlor Admiral Don Fadrique de Toledo in einem schweren Sturm einen Großteil seiner Schiffe. Die Niederländer ließen sich unterdessen aber nicht davon abhalten, weiterhin spanische Schiffe zu überfallen. 1628 gelang Admiral Piet Hein vor der kubanischen Küste ein unermeßlicher Fang: Aus dem Verband der spanischen Schatzflotte kaperte er vier Galeonen und erbeutete dabei eine Ladung im Werte von 15 Millionen Gulden. 1650 hatten die Niederländer nicht nur das spanische Joch abgeworfen, sondern auch in der Neuen Welt festen Fuß gefaßt. Die Inseln Curacao, Saba, St. Martin und St. Eustatius wurden blühende niederländische Kolonien. Aufgrund dieser Besitzungen wurden die Niederländer zur unumstrittenen größten Handelsnation der Welt.

 

  back top