Zurück zur Startseite Impressum Quellenangaben Marinelinks schreib was rein, ich würd mich freun Kontaktformular
Navigation 
 
 
 
marinepage 
 
 
 
 
 

XStat

 

Suchmaschine
         Suchmaschinen Eintrag

Abenteurer der Karibik

Abenteurer der Karibik
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Abenteurer der Karibik / © by Webmaster

 

Die gnadenlose Eroberung des Aztekenreiches

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erreichte in Mexiko das aztekische Reich seinen Höhepunkt: Es war ein gewaltiger Machtbereich mit fast einer Million Einwohnern, über denen phantastische Gottheiten walteten. Die irdische Herrschaft wurde von einer reichen Oberschicht von Aristokraten, Priestern und Beamten ausgeübt. Weitere 25 Millionen Menschen standen unter der Oberherrschaft der Azteken, die mit ihrer Armee einen unermeßlichen Tribut an Gold, Silber und anderen Schätzen aus ihnen herauspreßten. Sie erhofften sich jedoch noch mehr: Aztekische Priester prophezeiten, daß der Gott Quetzalcoatl aus dem Osten wiederkehren würde, wohin er vor langer Zeit mit einem Floß aus Schlangen entschwunden war. Es war ein Spanier, der 1519 anstelle der ersehnten Gottheit kam - Hernando Cortés.
Cortés - ein typischer spanischer Konquistador - hatte Kuba mit der Absicht verlassen, Mexiko zu unterwerfen. Er befehligte eine Expedition von 600 Soldaten - darunter 16 berittene -, die mit Musketen, Armbrüsten und Schwertern bewaffnet waren. Verschlagen und grausam, besessen von der Gier nach Gold und Ruhm, hatten Cortés und seine Männer teils mit Waffengewalt, teils mit Terror zuerst einige Stämme an der Küste unterworfen. Mit Hilfe einer indianischen Geliebten, die für ihn als Dolmetscherin fungierte, gelang es Cortés durch Täuschungsmanöver, bis nach Tenochtitlán, der in einem See gelegenen Hauptstadt des Aztekenreiches, vorzudringen. Dort nahm er den Aztekenkaiser Moctezuma II. als Geisel. Es war eine Zeit blutiger Intrigen, des Mordens und Raubens, die mit der Verschiffung des Aztekenschatzes nach Spanien endete.
In den folgenden Jahrzehnten vollendeten weitere, ebenso unerbittliche Konquistadoren die Eroberung Mittel- und Südamerikas: Pedro de Alvarado, Gonzalo Ximénez de Quesada, Francisco Pizarro und andere unterwarfen die Kariben der Westindischen Inseln, die Mayas Yukatans, die Chibchas Kolumbiens und die Inkas Perus und raubten sie aus.
Die Karibik und der Golf von Mexiko wurden zu einem spanischen Binnenmeer. Das angrenzende Festland und die Inselketten am Rand der Karibik bildeten ein spanisches Reich, das größer war als ganz Europa. Neu-Spanien, wie es schließlich genannt wurde, blieb jedoch ein konfliktträchtiges Gebiet. Die Spanier, die die neue Welt ausgeplündert hatten, sollten ihrerseits Opfer französischer, niederländischer und englischer Seeräuber, Abenteurer und königlicher Diener werden: Schurken und Gentlemen, die Cortés an Kühnheit und Hinterlist nicht nachstanden. Die europäischen Besieger der Indianer sollten bald zu Besiegten anderer Europäer werden.

Eine Herausforderung der Herrscher Neu-Spaniens

Im Frühjahr 1523 schlingerten drei spanische Karavellen durch die Dünung des Atlantiks. Sie befanden sich auf Heimatkurs aus der Neuen Welt. Vollbeladen, wie sie waren, schwammen sie tief im Wasser, denn auf dieser Schicksalsfahrt barg jedes Schiff in seinem Rumpf eine gewaltige erste Lieferung von Schätzen aus dem neuen Reich der Spanier in Amerika. Die Ladung war von dem Konquistador Hernando Cortés abgesandt worden. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Beute darstellte, die er in Mexiko den Azteken abgerungen hatte, waren es buchstäblich Tonnen von Gold, Silber, Smaragden, Perlen und Topasen.
An Bord des Flaggschiffs der kleinen Flotte befand sich jener Fünftelanteil der Beute, die Cortés dem - erst jüngst zum Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches ausgerufenen - König Karl I. von Spanien schuldete. Zu dem Königsschatz zählten Dinge, die "so wunderbar sind, daß man sie mit Worten nicht beschreiben und sie sich auch nicht vorstellen kann, ohne sie gesehen zu haben", wie Cortés an Karl V. schrieb. Es waren auch lebendige Geschenke und Kuriositäten für den Hof an Bord: Indianersklaven, Aras mit roten, gelben und blauen Flügeln, grüne Papageien, die sprechen konnten, und alle Arten von exotischen Tieren aus dem tropischen Urwald. Außerdem hatten die Spanier ihre Schiffe mit großen Mengen von Erzeugnissen aus der neuen Welt, wie Zucker, Kuhhäuten und Mais, beladen.
Die große Fracht machte die Karavellen noch schwerfälliger, als sie es mit ihren runden Bugen ohnehin schon waren, so daß sie nur langsam vorankamen. Es dauerte drei Monate, bis die Schiffe auf halbem Weg über den Ozean die Azoren erreicht hatten. Die lange, mühsame Fahrt war fast zu Ende. Nur noch ein paar Tage, dann winkten die Freuden Sevillas. Kapitän Avila und seine Mannschaft begannen aufzuatmen.
Da wurde ein Ausguck, der hoch oben im Masttopp des Flaggschiffs seinen Träumereien nachging, plötzlich aufgeschreckt: Ein Segelschiff kam rechts voraus in Sicht; dicht hintereinander folgten in seinem Kielwasser fünf weitere Schiffe. Als die Spanier erkannten, daß es Schiffe französischer Korsaren waren, sank ihnen der Mut. Verzweifelt befahl Kapitän Avila seine Mannschaft zu den Waffen. Aber die wenigen Kanonen der Schatzflotte waren schlecht instand gehalten.
Quer vor den spanischen Steven liegend, feuerten die französischen Korsaren eine Breitseite nach der anderen. Sie durchlöcherten eine Karavelle, eine zweite entmasteten sie, während ein drittes Schiff nach Süden entkam. Nach einem kurzen, aussichtslosen Kampf wurden die beiden außer Gefecht gesetzten Schiffe der Spanier - eines von ihnen war das Flaggschiff mit dem Schatz des Königs - mit Enterhaken an die Schiffe der Korsaren herangeholt und geentert. Als die Franzosen über die Relings stürmten, ergaben sich die Besatzungen schnell.
Was immer die Franzosen an sagenhaften Gerüchten über Cortés Schatz gehört hatten, es war nur ein blasser Abglanz der Wirklichkeit. Bei einer Bestandsaufnahme der in den Schiffsrümpfen verstauten Ladungen stellten die Angreifer fest, daß allein die Perlen der Azteken 612 Pfund wogen. Da waren Säcke mit 450 Pfund Goldstaub, drei riesige Truhen mit Goldbarren sowie andere Kisten mit Silberbarren und Schmuckkästchen voller Juwelen. Die Franzosen luden die Beute auf ihre eigenen Schiffe um und verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren, im Meeresdunst. Als das Schiff, das entkommen war, in Sevilla eintraf, versetzte die Nachricht von dem furchtbaren Verlust ganz Spanien in Schrecken.
Der Überfall der französischen Korsaren auf Cortés Schatzflotte war erst ein ganz bescheidener Anfang; der Auftakt zu einem langen, dramatischen Konflikt- zwischen geschütztem Wohlstand und freibeuterischer Begier, zwischen dem spanischen Weltreich und einer Schar entschlossener und gefährlicher Feinde.
Spanien hatte in der Neuen Welt ein riesiges, immer noch expandierendes Reich erobert, das sich bald nicht mehr nur auf das Karibische Meer und das Festland von Mexiko erstreckte, sondern auch auf Mittel- und Südamerika mit seinen unermeßlich reichen Indianerkulturen. Dieses rund um das Karibikbecken gelegene Reich wurde Neu-Spanien genannt. Zuerst bezog sich diese Bezeichnung lediglich auf das kontinentale Festland, bald verstand man unter Neu-Spanien jedoch auch die Inselketten am Rande der Karibik und des Golfs von Mexiko - von Kuba im Norden bis hin nach Trinidad im Süden. Zuletzt wurde der Begriff auch noch auf die zwischen diesen Kolonien liegenden Gewässer ausgedehnt.
Silberfigur der Inkas - Lama
Silberfiguren wie dieses Lama verkörpern die Kunstfertigkeit der Inkas.
Man konnte wohl sagen, daß die Schätze, die Spanien aus diesem riesigen Reich erbeutete, Rom in den Schatten stellten. Im ersten Jahrhundert der Eroberung erreichte allein das Gold aus Südamerika gewichtsmäßig eine Größenordnung von 10,5 Millionen Goldunzen bzw. 340 000 Kilogramm - mehr als ein Drittel der gesamten Goldgewinnung in der Welt im gleichen Zeitraum. Als die in Südamerika und Mexiko angehäuften Schätze geplündert waren, fanden die Spanier unermeßliche neue Reichtümer in der Erde - ganze Silberberge in Potosí im Hochland der Anden und in Guanajuato in Mexiko - und beuteten sie hemmungslos aus.
Aber ebenso wie die Spanier die Indianervölker der Antillen, Mexikos, Kolumbiens und Perus ausplünderten und unterjochten, wurden sie ihrerseits in den nächsten 200 Jahren von Räubern aller Arten heimgesucht. In die Fußstapfen von Jean Florin traten die legendären Freibeuter und Bukanier John Hawkins, Francis Drake, Rock Brasiliano, Francis L'Ollonais, John Esquemeling, Pierre Le Grand, Henry Morgan, Jean Baptiste du Casse und unzählige andere. Teils im Dienste der englischen oder französischen Krone, teils auf eigene Faust überfielen diese Herren und Halunken Neu-Spanien zu einem Zeitpunkt, als Spanien selbst gerade auf dem Höhepunkt seiner Macht zu sein schien. Sie fanden Unterstützung bei allerhand Lumpenpack und zahllosen Gaunern, die aus der Alten in die Neue Welt geflüchtet waren und sich auf den Inseln in Kolonien Gleichgesinnter zusammenfanden. Den großen Freibeutern und Bukaniern waren sie als Helfer ebenso willkommen wie die den Spaniern entlaufenen afrikanischen Sklaven. Die Unternehmungen der Räuber, die oft in großartigen, vom Meer aus gestarteten Angriffen auf die befestigten Plätze spanischen Reichtums ihren Höhepunkt fanden, gehörten zu den kühnsten Taten, von denen jemals in Reiseberichten erzählt wurde. Sie machten deutlich, daß Spaniens Alleinanspruch auf die gesamte Neue Welt nicht unumstritten war.

Schätze der Neuen Welt auf dem Weg nach Sevilla

Nombre de Dios, ein schmutziger kleiner Hafen an der Westküste Panamas, lag jedes Jahr 11 Monate lang verschlafen unter der stechenden Tropensonne. Jeweils im Dezember jedoch zeigte sich eine Wolke von Segeln am Horizont; dann stand die Ankunft der großen Schatzflotte bevor, die die Reichtümer der Neuen Welt nach Sevilla schaffen sollte. Mit einem Schlag war Nombre de Dios jetzt die wichtigste Stadt Neu-Spaniens, in der es von Händlern und Siedlern, Spielern und Huren, Soldaten und Beamten wimmelte, die alle von der glänzenden Fracht angelockt wurden.
Der Maultierzug, der den Schatz aus peruanischen Bergwerken in die Stadt brachte, war viele Wochen unterwegs. "Beim Anblick der Truhen voller Gold und Silber, die dichtgedrängt auf den Straßen standen, stockte dem Betrachter der Atem", schrieb tief beeindruckt ein Spanier. Die kleinen Goldbarren wogen nur wenige Pfund, während das Silber sowohl zu kleinen Riegeln als auch zu 64-Pfund-Barren eingeschmolzen war. Der König hatte eigene Silbermeister, die seinen Anteil prüften und sich vergewisserten, daß nichts fehlte.
Ein Mann sitzt rittlings auf der Kanone, um das Zündloch auszuputzen
Ein Mann sitzt rittlings auf der Kanone, um das Zündloch auszuputzen.
Es dauerte etwa sechs Wochen, bis die Galeonen ihre Waren aus der Alten Welt gelöscht und den über dschungelbewachsenen Hügel herangeschafften Schatz an Bord genommen hatten. Während der Verladung und der damit verbundenen Fiestas war die schon verseuchte Stadt überfüllt und wurde, unter brütender Hitze, von schweren Epidemien heimgesucht. "Wenn die Flotte im Hafen liegt", schrieb ein auf Reisen befindlicher englischer Prälat namens Thomas Gage, "ist die Stadt ein offenes Grab." Deshalb segelten die Schatzgaleonen fort, sobald ihre Laderäume gefüllt waren.
Die Fahrt über Kuba, wo sich ihnen andere Galeonen anschlossen, und von dort über den Atlantik, dauerte oft drei Monate oder länger. Die Passagiere und die Besatzung vertrieben sich die Zeit, indem sie Delfine fischten, Namenstage feierten, Schildkrötensuppe und Spanferkel verzehrten und Kanonen abfeuerten. "Die ganze Nacht verstummte weder das Donnern der Kanonen noch der Gesang der Spanier", schrieb Gage über eine Reise im Jahre 1625.
Inzwischen wuchs in Sevilla die Besorgnis, wenn eine Flotte überfällig war. 1667 wußte der venezianische Botschafter zu berichten, genuesische Bankiers hätten König Philipp gewarnt: "Wenn die Flotte nicht bald einträfe, wären sie außerstande, ihm weitere Kredite einzuräumen; auf diesen Schreck mußte Philipp das Bett hüten." Der König leerte seine Säckel bis auf den letzten Peso und ließ im ganzen Reich Messen lesen - endlich kamen die Schiffe. "Es herrscht große Freude", schrieb der Botschafter, "nicht nur am Hofe des Königs, sondern im ganzen Land."

Alte Rivalitäten auf dem neuen Kontinent

Die erbitterte Feindschaft, die sich in der Neuen Welt zwischen Engländern und Spaniern entwickelte, beruhte nicht allein auf der Gier nach Gold. Der Konflikt wurde von Persönlichkeiten und Ereignissen verursacht, die 3500 Seemeilen weit entfernt waren. Er wurde von dem religiösen Fanatismus der damaligen Zeit weiter angefacht.
Hauptakteure des Dramas waren der englische Tudorkönig Heinrich VIII. und seine Nachfahren. Als sich Heinrich 1533 von Katharina von Aragonien, der Tochter König Ferdinands von Spanien, scheiden ließ, war das ein Skandal, der das katholische Europa gegen ihn aufbrachte. Im Zusammenhang damit kam es zur Gründung einer von Rom unabhängigen Staatskirche, deren Haupt der König wurde.
Auf diese Ereignisse folgte in England ein Vierteljahrhundert politischer und religiöser Unruhen. Unter Eduard VI., Heinrichs Sohn, öffnete sich England jetzt der Reformation. Nach seinem Tod im Jahre 1553 stellte jedoch seine Halbschwester Maria, die streng katholische Tochter der geschiedenen Katharina, den Katholizismus wieder her. 1554 heiratete Maria den spanischen Thronerben Philipp. Gemeinsam betrieben sie eine bittere und blutige Rekatholisierung Englands, die bis 1558 andauerte.
Als Maria in jenem Jahr starb, bestieg ihre Halbschwester Elisabeth den Thron. Elisabeth hing mit ebensolcher Überzeugung dem Protestantismus an wie Maria den Katholizismus als Staatsreligion ab und stellte das Staatskirchentum ihres Vaters wieder her; wodurch sie sich das Mißtrauen und schließlich den Haß Philipps, inzwischen König von Spanien, zuzog. Im Zuge der Verschlechterung der Beziehung zwischen den beiden Ländern ermutigte Elisabeth verwegene Engländer wie John Hawkins, auf "verbotene" Fahrt nach Neu-Spanien zu gehen, was schließlich zu regelrechten Überfällen auf das Reich der Spanier in Übersee führte.

 

  back top