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Die Entdecker
© by Time Life Bücher / Buchreihe-Die Seefahrer / Band-Die Entdecker / © by Webmaster
1518 in Sevilla: Die am Ufer des Guadalquivir gekieltholte Victoria wird durch Taue festgehalten, die vom Großmast zu an Land verankerten Gangspills führen. Das bis auf die Spanten freigelegte Schiff wird von Schiffbauern mit neuen widerstandsfähigen Eichenplanken versehen. Am Bug kalfatern Arbeiter die neuen Plankengänge mit einer Mischung aus Pech und Pferdehaar, während Werftarbeiter ein neues Steuerruder hochhieven.
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Das berühmteste aller Schiffe - die "Victoria"
Anfang Oktober 1518 fuhren auf dem Guadalquivir fünf alte, von Wind und Wetter mitgenommene Schiffe mühsam stromaufwärts; ihr Ziel war die Schiffswerft von Sevilla. Streckenweise mußten die altersschwachen Schiffe von Männern in Ruderbooten geschleppt werden. Ein portugiesischer Diplomat, der den Auftrag hatte, Details über die kleine spanische Flotte auszuspionieren, mit der Magellan die Fahrt nach Indien versuchen würde, beschrieb die Schiffe als "sehr alt und geflickt. Mit solchen alten Kisten würde ich nicht einmal zu den Kanarischen Inseln segeln wollen."
Daß die Entdecker mit zweitklassigen Schiffen segelten, hatte seine Gründe: Für gewöhnlich handelte es sich bei ihren Missionen um mit knappesten Mitteln finanzierte Unternehmungen, die für eine schöne neue Nao oder eine schmucke Karavelle als zu kostspielig erachtet wurden.
Mit dem Preis für seine Wracks wurde Magellan auf jeden Fall übervorteilt. Die Flotte kostete insgesamt 1,5 Millionen Maravedis. Das wäre auch für fünf gute Schiffe ein angemessener Preis gewesen. Magellan brauchte aber 18 Monate, um die Schiffe auszubessern. Schließlich mußte Magellan nocheinmal 2 Millionen Maravedis in die Schiffe stecken.
Während dieser langen Wartezeit beaufsichtigte Magellan die kleine Armee von Schiffbauern, die hier alte Bohlen herausrissen, dort Streben ersetzten, frisch kalfaterten, neue Masten aufstellten und sie neu auftakelten.
Sobald die Schiffe seetüchtig waren, wurden sie mit Proviant, Handelsgütern und Waffen für die Verteidigung ausgerüstet: 62 Kanonen, 10 kleineren Geschützen, die Falkonetts hießen und Schrotkugeln abfeuerten, sowie zahlreichen Schwertern, Piken und Armbrüsten. Als Handelsgüter hatte man zusammengestellt: 20 000 Falkenglöckchen, 500 Pfund Glasperlen, Baumwoll- und Wollstoffe, Angelhaken und 400 Dutzend in Deutschland hergestellte Messer.
Die Vorräte an Grundnahrungsmitteln waren reichlich bemessen: 10 Tonnen Zwieback, 6 000 Pfund gepökeltes Schweinefleisch und 500 Fässer Wein. Magellan teilte außerdem jedem Schiff vier Kisten Quittenmarmelade zu - nur das Flaggschiff hatte eine Vorzugsration von 35 Kisten.
So gut die Schiffe auch überholt worden waren, so wurde die Erdumsegelung doch nur von der Victoria vollendet. "Das berühmteste aller Schiffe, die unvergleichliche Victoria", wie der zeitgenössische Chronist Gonzalo Fernández de Oviedo sie nannte - mit Recht, denn nach ihrer Erdumsegelung sollte die Victoria noch dreimal den Atlantik überqueren, ehe sie auf der Rückfahrt von Hispaniola unterging.
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Während spanische Reiter im Jahre 1519 an der mexikanischen Ostküste an Land galoppieren, säubern spanische Geschütze unter dem Kommando von Hernán Cortés den Strand von Veracruz. Die Spanier, 400 Soldaten mit 15 Pferden und 16 Geschützen, metzelten die Azteken grausam nieder.
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Nach den Entdeckungen: Die Ausbeutung
Keiner von den Entdeckern - weder Kolumbus noch da Gama, noch Magellan - konnte ahnen, welche wirtschaftlichen und politischen Folgen ihre Reisen haben würden. Weder die Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus, noch die Erdumsegelung durch die Mannschaft Magellans warfen für Spanien unmittelbar große Gewinne ab. Innerhalb von 50 Jahren jedoch wurde es zur reichsten Nation der Erde. Es beherrschte ein Weltreich, das ein Drittel der westlichen Hemisphäre umfaßte und im Westen quer über den Pazifik bis zu den Philippinen hinüber reichte.
Mit brutaler Tüchtigkeit segelte der Konquistador Hernán Cortés im Jahre 1519 von Kuba nach Westen, um in Mexiko die Kultur der Azteken zu zermalmen und für Spanien die ungeheuren Schätze an Gold und Silber an sich zu reißen. Die spanischen Konquistadoren, denen Mexiko als Ausgangsbasis diente, hatten die Völker Mittelamerikas und des nordamerikanischen Westens bald unterjocht; die gestohlene Ausbeute schickten sie per Schiff nach Hause. Als Francisco Pizarro von Panama aus nach Süden vorstieß, besiegte er in Peru die Inkas mit ihren märchenhaften Reichtümern und bereitete den Weg für den Vorstoß nach Chile. Jedes Jahr wurde der Pazifik von ein oder zwei großen Galeonen überquert, die wertvolle Ladungen Seide aus den Philippinen mit sich führten. Als man das Jahr 1650 schrieb, hatte man aus dem spanischen Weltreich die überwältigende Menge von 181 Tonnen Gold und 16 000 Tonnen Silber herausgeholt.
Die Portugiesen schnitten fast ebenso gut ab - nur in noch kürzerer Zeit. Die von da Gama erschlossene Route, die rund um Afrika nach Indien führte, wurde zu der Zeit, als Magellan sie unbefugt im Namen Spaniens einschlug, bereits von zahlreichen portugiesischen Schiffen befahren. Die portugiesischen Kolonien in Indien und die molukkischen Gewürzinseln waren ein wahres Füllhorn an Schätzen. Und immer weiter tasteten die Portugiesen sich nach Osten vor, bis ihre Händler im Jahre 1542 schließlich nach Japan vorgedrungen waren.
In diesen Jahren handelten Spanien und Portugal so, als hätte ihnen der liebe Gott persönlich das Recht dazu gegeben - die Billigung des Papstes hatten sie ja tatsächlich. Im Jahre 1540 äußerte sich schließlich König Franz I. von Frankreich bissig und mit einer für die damalige Zeit - in bezug auf die Bibel - ungewöhnlichen Respektlosigkeit: "Ich hätte gerne Adams Testament gesehen, in dem er die Erde zwischen Spanien und Portugal aufteilte." Er fügte hinzu, daß die Meere frei wären und Besitz von Besetzung abhängig gemacht werden sollte. Die Engländer und die Holländer waren ganz seiner Meinung - und ehe ein weiteres Jahrhundert um war, kämpften diese Nationen bereits auf dem ganzen Erdball um Kolonialreiche.
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