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Dienstzeit - Tender Neckar - 7. Schnellbootgeschwader

Meine Borddienstzeit auf "Tender Neckar" - A 66

Einschiffung in Hamburg Einschiffung in Hamburg

Die Einschiffung in Hamburg erfolgte nicht sofort, da die Neckar, wie schon erwähnt, zur Depotinstandsetzung in der Werft lag. So bezogen wir, voller Motivation, unsere Stuben an Land, unsere täglichen Arbeiten verrichteten wir jedoch auf dem Schiff. Dies war, in Hinsicht auf die Stadt Hamburg, nicht unbedingt verkehrt, ihr versteht schon, Reeperbahn, Dom, Fischmarkt usw.
Der damalige Kommandant war Korvettenkapitän "Pergande", ein ganz prima Offizier, der zum Ende meiner Dienstzeit jedoch, soweit ich mich noch erinnere, nach Wyk auf Föhr versetzt wurde, sein Nachfolger wurde KL/KK Trautmann.
Als E-Gast war ich an Bord für die elektrische Anlage, die E-Diesel, eben alles was mit der Bordelektrik zu tun hat verantwortlich. Das heißt, die Verantwortung trug der E-Meister, Hauptbootsmann "Wenski", die Arbeit wurde delegiert, an die Maaten sowie die Mannschaften. Bis auf einige Ausnahmen gab es an Bord jedoch keine Profilneurotiker, fast alle Bootsmannsdienstgrade, bis auf einen, alle Offiziere, mit Ausnahme des STO, waren schwer in Ordnung. Die Maaten und Obermaaten hatten, im Grunde genommen, genau so wenig zu sagen wie die Mannschaften, die Unteroffiziersanwärter dachten manchmal sie hätten was zu sagen, doch denken, nun ja, trotzdem waren auch sie in Ordnung, besonders der Gefreite UA "Pollmeier".
Die Neckar sieht noch arg ramponiert aus
Die Neckar während den Werftarbeiten, alles noch sehr durcheinander
Der Umzug auf die Neckar ging recht schnell, ich hatte meine Koje im Deck V Z 1, dies lag direkt über dem Kraftwerk V.
Das Deck V Z 1
Das Deck 5 Z 1
Das Deck hatte Platz für 15 Mann, insgesamt waren in dieser Sektion drei Decks V Z 1, V Z 2 und V Z 3. Das Leben auf solch einem Deck war erstmal gewöhnungsbedürftig. Die schmalen Kojen, die kleinen Spinde, überall Rohre und Leitungen, wer Glück hatte, konnte sich einen zweiten Spind in der Nähe seines Decks ergattern, ich hatte dieses Glück. Auch die Enge im Deck war nicht jedermanns Sache, ich hatte hiermit keine Probleme. Die Waschräume, Duschen und Toiletten waren auf dem Hauptdeck, auch hier wieder, alles sehr eng, so ist das eben auf einem Schiff, U-Boot-Fahrer können hier sicherlich ein Lied von singen. Ich habe mir auch Zerstörer, Fregatten und S-Boote angesehen, hier liegen bedeutend mehr Soldaten auf einem Deck, besonders auf den Zerstörern Rommel, Mölders und Lütjens, die es leider nicht mehr gibt, waren echt schöne Schiffe. Auf der Gorch Fock geht es da noch perverser zu, schlafen in einer Hängematte, das muß irgendwie gekonnt sein, besonders wenn man gewohnt ist auf der Seite zu schlafen.
Leben auf dem Deck
Leben auf dem Deck
Was auch sehr wichtig ist, der Zusammenhalt. Wer hier quer treibt hat wohl gelitten. Eine ganz große Sauerei war das Einführungsritual für neu hinzu gekommene Soldaten. Ich möchte hier nicht weiter darüber berichten, es handelte sich um ein Heizerritual, einige mußten dafür sogar in den Bau. Natürlich gab es auch Sympathie und Antipathie. Ich hatte z.B. eine Antipathie gegen den STO (Schiffs-Technischer-Offizier). Er saß, genau wie ich, als normaler Matrose auf der Schulbank, wechselte dann jedoch zum Offiziersanwärter. Er wurde im April oder Mai 1976 vom Oberleutnant zum Kapitänleutnant befördert. Ich habe diesen Mann vorher nie gesehen, konnte ihn jedoch vom ersten Tag an nicht ab, ich denke dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Erwähnenswert ist hier noch Maat "Storck", abends einen Skat und ein paar Bier, der war immer gut drauf. Im großen und ganzen waren wir ein guter Haufen. Der eine oder andere hatte mit der Elektro-, oder Motortechnik nichts mehr zu tun. Einer wurde in die Motorwerkstatt, der andere in die Kantine versetzt. Dies bedeutete - keine Wache schieben, Glück gehabt.
Dock 12 im Hamburger Hafen
Dock 12 im Hamburger Hafen, ca. 5 Min. belichtet
Wache schieben, auch ein, für mich, unsinniges Ritual. das Schiff liegt an der Pier, und du mußt nachts stündlich verschiedene Stationen kontrollieren, irgendwie beknackt. Ich denke, heute würde man Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen dazu sagen, 1976 gab es das, glaube ich, noch nicht, oder?
Am 21.07.1976 waren die Werftarbeiten beendet, die Neckar machte sich, durch den Nord-Ostsee-Kanal, auf in Richtung Kiel. Dort sollte im Marinearsenal die Arsenalnachlaufzeit, das heißt, eine Überprüfung der Werftarbeiten durchgeführt werden.
Vor dem Auslaufen waren natürlich zuerst einmal Vorbereitungen (hier der E- und Mot-Gasten) wichtig. So mußten die Antriebsmaschinen vorgewärmt werden, da sie in kalten Zustand nicht in Betrieb zu nehmen waren. Die Neckar hatte 6 Maybach Dieselmotoren mit zusammen 14.400 PS in zwei Kraftwerken. Unter den Flurplatten über der Bilge befanden sich in beiden Kraftwerken Heizspiralen, die etliche Stunden vor dem Anlassen der Motoren in Betrieb gesetzt wurden um das Kühlwasser zu erhitzen.
Antriebsmaschinen im Kraftwerk 5
Antriebsmaschinen im KW 5
Einmal war eine der Heizspiralen defekt und mußte ausgetauscht werden. Eine ganze Nacht hatten ein Obermaat und ich, als E-Gast vom Dienst, damit zu tun. An Schlaf war nicht zu denken, nach erfolgtem Austausch ging es mit normalem Dienst weiter. Was die Motorencrew weiter zu tun hatte weiß ich nicht, da auch der E-Bereich reichlich Arbeit hatte.
Wenn die Neckar an der Pier, oder hier in der Werft lag, erhielten wir den, für den Bordbetrieb benötigten Strom von Land. Backbord und Steuerbord waren hierfür Schaltkästen angebracht, an welche die Stromkabel angeschlossen waren. Für die Eigenstromversorgung gab es fünf E-Diesel, zwei in jedem Kraftwerk und einen im Hilfskraftwerk.
E-Diesel im Kraftwerk 5
E-Diesel im Kraftwerk 5
Diese waren ohne große Vorbereitung zu starten. Motorenöl kontrollieren, Zündschlüssel drehen, Startknopf drücken, fertig. Wenn nun die E-Diesel liefen, wurden sie analog in beiden Kraftwerken an den Hauptschalttafeln hochgefahren, das heißt, auf Drehzahl gebracht. Hierzu war eine genaue Kommunikation zwischen beiden E-Gasten wichtig, da die Diesel gleichmäßig hochgefahren, und von Land-, auf Bordbetrieb umgeschaltet wurde. Die Bordspannung betrug 400 Volt, Ampere-, und Herzzahl weiß ich nicht mehr. Für die normalen Elektrogeräte wie TV usw. wurde die Spannung auf 220 Volt heruntergeregelt. Nachdem nun auf Bordbetrieb umgeschaltet war, wurden die Kabel an den Schaltkästen entfernt und an Land verstaut. Bei einem Defekt in der Stromversorgung wurde automatisch auf Notstrom umgeschaltet. Hierfür waren etliche 24 Volt Bleiakkus über das Schiff verteilt, welche täglich überprüft wurden.
Hauptschalttafel im Kraftwerk 5
Hauptschalttafel im Kraftwerk 5
Auf See mußte der diensthabende E-Gast stündlich in den Motorenraum des Kraftwerks und den Ölstand der E-Diesel, sowie die Amperezahl auf der Hauptschalttafel überprüfen. Wir waren immer zu dritt pro Kraftwerk, ein Mot-Maat, ein Mot-, und ein E-Gast. Die zu fahrende Drehzahl wurde per Schiffstelegraph von der Brücke aus ins Kraftwerk übermittelt, jeder Befehl mußte genau, mit Uhrzeit usw. dokumentiert werden, genau so die Amperezahl und alle außergewöhnlichen Begebenheiten. Nach dem Befehl "Leinen Los" setzte sich die Neckar in Bewegung, Richtung Nord-Ostsee-Kanal.
Nun kommt der Hammer.
Die Neckar im Trockendock
Die Neckar im Trockendock, Achterschiff mit Ruder und Schrauben
Es war nachts gegen 01:00 Uhr, als die gesamte Schiffssicherung geweckt wurde, es hatte im Nord-Ostsee-Kanal geknallt, das heißt, wir hatten eine Havarie. Soweit ich diesen Vorfall noch in Erinnerung habe, wurde aus irgend einem Grund der Befehl AK Zurück (Äußerste Kraft Zurück) gegeben, daß Schiff lief jedoch AK Voraus. Ich glaube der Befehl AK Zurück wurde gegeben weil die Neckar auf ein anderes Schiff aufzulaufen drohte, berührte jedoch einen Anlegesteg.
Wie konnte dies passieren?

Der Bug der Neckar Der Bug der Neckar
Die Tender der Klasse 401 verfügten über eine Escher Wyss Anlage, zu deutsch, über eine Verstellpropeller Anlage. Das heißt, wenn das Schiff Fahrt aufnehmen soll, muß die Motorendrehzahl nur geringfügig erhöht werden, dafür werden die Propellerblätter der Antriebsschrauben verstellt, was dem Schiff mehr Fahrt gibt. Auch muß beim Rückwärtsfahren kein Getriebe umgeschaltet werden oder ähnliches, auch hier werden die Propellerblätter verstellt. Hier muß es nun zu einem Fehler gekommen sein, und somit zur Havarie.
Statt in der weiten Welt, landeten wir, gezogen durch Schlepper, im Trockendock in Kiel. Die Neckar hatte Backbord (Links) am Vorschiff ein schönes großes Loch.
Der Nord-Ostsee-Kanal hatte bei einer späteren Durchfahrt nochmals für eine Überraschung gesorgt, die "Kanaltaufe". Hier mußten die Mannschaftsdienstgrade einiges durchmachen. Das Spießrutenlaufen begann in einem, an Backbord ausgelegten, irre langen Schlauch.
Unser E-Meister hinter der Mehl-Kanone
Unser E-Meister hinter der Mehl-Kanone, das war ein toller Kerl, ohne Profilneurose
Jeder von uns mußte durch diesen Schlauch. Von vorne ein C-Rohr von hinten ein C-Rohr, Wasser marsch, und du mitten drin. Nach dieser Tortur wartete schon die nächste Gemeinheit, ein großes Becken mit grün gefärbtem Wasser. Über dem Becken war ein Stuhl abgebracht, dort durften wir Platz nehmen. Nun die Frage des Bootsmanns - Wie viel Bier gibst du aus? War es zu wenig wiederholte er die Frage. Aber egal was du antwortest, der Stuhl kippte nach hinten und du landest im Wasser. Jetzt war erst 'mal Pause, und ein Bier angesagt, es wurde ja genug ausgegeben. Wer während seiner wohl verdienten Pause Pech hatte, landete vor der Mehl-Kanone des E-Meisters. Des einen Freud, des andern Leid. Für ganz spezielle Fälle gab es da noch einen Pranger. Hier wurden Kopf und Hände durchgesteckt und du warst erst mal außer Dienst. Außer Dienst war der Schiffs-Technische-Offizier, kurz STO, nicht. Der lief, verkleidet als Pirat, übers Deck uns suchte Opfer, Opfer für Neptun.
Neptun auf der Lauer Neptun auf der Lauer
Der Gott der Meere saß auf einem Stuhl und wartete.
Unser allseits geliebter STO auf Opfersuche
Unser allseits geliebter STO auf Opfersuche
Wer vom STO an den Haken genommen wurde, erwartete ein schweres Schicksal. Neptun alleine war ja nicht schlimm, aber seine Füße. Die waren mit Schmierseife eingerieben, und die Opfer mußten sie küssen. Im Nachhinein kann ich nur sagen - Pfui Deibel. Aber Spaß muß sein, und die Kanaltaufe machte Spaß. Jeder von uns erhielt später ein Zertifikat über die Fahrt durch den Kanal, unterschrieben von "Neptun". So, daß war die Kanaltaufe, jetzt geht es mit der Neckar weiter.
Nachdem die Reparaturarbeiten im Trockendock beendet waren, liefen wir aus, Richtung Marinearsenal, um dort den Arsenalnachlauf durchzuführen. Wie schon erwähnt, wurde die Neckar hier nochmals auf Herz und Nieren durchgecheckt. Zum Nachlauf gehörte auch die so genannte - harte Ruderlage. Das bedeutet, daß Ruder wird bei schneller Vorwärtsfahrt hart Backbord oder Steuerbord gelegt. Sinn der Sache ist es, die Krängung des Schiffes zu testen, also wie weit sich das Schiff zur Seite neigen kann. Ich stand am Steuerbord-Seitendeck, und muß sagen, es kann sich sehr weit neigen. Alles, was vorher nicht richtig festgezurrt wurde, flog auf der Neckar durch die Gegend. Vom Whisky in der Zoll-Last, über des Fernsehgerät in der Mannschaftsmesse, bis zu den Töpfen und Pfannen in der Kombüse, alles flog. Auch einige Kameraden hatten so ihre Probleme. Die Smuts, und einige andere hingen mit den Köpfen über den Toilettenschüsseln, bestimmt nicht aus purer Lust am Leben.
Ein Zerstörer der US Fletcher Klasse
Ein Zerstörer der US Fletcher Klasse im Marinearsenal, desarmiert

Nachdem die Arsenalarbeiten durchgeführt waren, liefen wir zum eigentlichen Stützpunkt (Liegeplatz) der Neckar, dies war Kiel-Wik. Hier mußten wir nun zeigen was wir gelernt hatten, im Arsenal war ja genug Zeit dazu.
Ich möchte kurz noch einmal von einem weitern Hammer berichten - Munitionsübernahme in Kiel Friedrichsort.
Abendliche Impressionen - S-Boot - Kiel Wik Abendliche Impressionen - S-Boot Kiel Wik
Wir liefen an einem Vormittag zur Munitionsübernahme nach Friedrichsort aus, hatte auch alles prima funktioniert. 100 mm Granaten, 40 mm Granaten, eben alles was man so zum Schießen benötigt wurde per Kran an Bord gehievt und verstaut. Auf einmal "FEUERALARM". Fast alle rannten von Bord, auch die Schiffssicherung und die Wachen - Toll - Ich hatte auch Wache. Nach kurzer Zeit kam die Meldung - "Brand eines Elektromotors neben der E-Werkstatt". War alles kein Problem. Nun kommen wir zu unseren Smuts. Die rannten nicht von Bord, die hatten den rauchenden E-Motor entdeckt, sie waren Helden. Stop - nur teilweise. In all ihrem Heldentum hatten sie die große Gußpfanne in der Kombüse vergessen, die war voll Fett und lief auf vollen Touren. Bekanntlich fängt Fett bei Überhitzung an zu brennen, das tat es auch. Munition und Feuer. Beides zusammen hätte uns, im wahrsten Sinne des Wortes, in den Himmel heben können.

Hallo Smuts 76/77 - Solltet ihr durch Zufall diese Site einmal sehen, sorry, ist doch nur eine heitere Geschichte
Webmaster Webmaster

Im Marine-Stützpunkt Kiel - Wik lagen neben der Neckar noch der Tender Werra, Binnenminensuchboote der Frauenlob-Klasse, Schnellboote der Klasse 143 und 143 A, das Schulschiff Deutschland, die Zerstörer Rommel, Mölders und Lütjens und ich glaube, auch einmal den Tender Lech gesehen zu haben, bin mir hier aber nicht mehr sicher, jedenfalls war es ein U-Boot-Tender, zu erkennen an den fehlenden 100 mm Geschützen. Es lagen hier auch diverse Marineschlepper, möglich, daß noch andere bekannte Schiffe hier stationiert waren, im Moment fällt mir jedoch keines mehr ein.
Der Arbeitsalltag im Stützpunkt richtete sich zum einen nach den Bedürfnissen, zum anderen nach den kontinuierlich durchzuführenden Arbeiten. Hierzu gehörte z.B. die wöchentliche Flüssigkeitskontrolle der Notstrom-Batterien. Das war ein Lauf durch den ganzen Dampfer. Die riesigen Bleibatterien standen an den unmöglichsten Stellen. Auch gehörte die Kontrolle der Beleuchtungsanlagen zu meinem Aufgabengebiet. Ölwechsel an den E-Dieseln genau so wie die Wartung der Elektrik an den Beibooten. Einmal mußte ich hoch in den Mast, eine Glühlampe auswechseln, Gorch Fock Fahrer werden jetzt müde lächeln, aber auch unser Mast war hoch, und es war windig, und meine Parole hieß - eine Hand für den Mann eine Hand für das Schiff, auch ein Tender hat einen Mast.

NACHTRAG:
Ich bin mir nicht sicher, ob die Neckar wirklich
bis zum 21.07. in Hamburg in der Werft lag.

 

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