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 | Die Seefahrer des Altertums |
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Die Seefahrer des Altertums Fortsetzung
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Alexandria: Handelszentrum der Antike
In den letzten drei Jahrhunderten v. Chr. besaß Alexandria den gewaltigsten Hafen der Welt. Dank seiner günstigen Lage am südöstlichen Ende des Mittelmeeres wurde es zum natürlichen Umschlagplatz für den Handel mit dem Orient. Mit Ausnahme einer kurzen Überlandstrecke zwischen dem Roten Meer und dem Nil wurden alle Waren von und nach dem Orient mit Schiffen transportiert. Schon aus gut 25 Seemeilen Entfernung konnte ein nach Alexandria segelnder Kaufmann das Leuchtfeuer des 120 Meter hohen Leuchtturms ausmachen. Sobald sein Schiff den von Wellenbrechern gebildeten Hafeneingang passiert hatte, gelangte es in die ruhigen Gewässer des Haupthafens und glitt dann sanft auf die sich vor ihm ausbreitende Metropole zu. Backbord befand sich das Palastviertel der Ptolemäerkönige mit einem im griechischen Stil erbauten Theater, dem zoologischen Garten und der unvergleichlichen Bibliothek, die über 500 000 Papyrusrollen beherbergte.
Direkt vor ihm lagen die von Säulengängen umgebenen Gebäude des Emporium, wo die meisten Schiffe ihre Ladung ausspien, um neue Waren zu verschlingen. Diese Güter wurden von Schiffen, die zwischen dem Emporium und einem mit dem Nil verbundenen See pendelten, durch die Stadt transportiert. Der Andrang an den Ladeplätzen war so groß, daß ein Schiff nicht selten mehrere Tage an dafür vorgesehenen Ankerplätzen warten mußte, bevor es endlich am Kai festmachen konnte.
Die Getreideschiffe wurden stets bevorzugt abgefertigt und nahmen deshalb einen etwas anderen Weg. Durch eine schmale Schleuse segelten sie in Alexandrias Binnenhafen, wo sie das Getreide von Kähnen übernahmen, die es über einen kurzen, mit dem See Mareotis verbundenen Kanal aus dem Binnenland heranschafften.
Nach Ägyptens Eroberung durch die Römer und dem nachfolgenden Zusammenbruch des Römischen Reiches begann der allmähliche Verfall der Stadt. Im Mittelalter wurden viele Gebäude ihres Marmors wegen abgerissen - was blieb, fiel Erdbeben zum Opfer. Die Überreste der einst so stolzen Stadt liegen unter dem heutigen Alexandria begraben.
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Soldaten der See
Der französische Stich aus dem 18. Jahrhundert zeigt den römischen Raben hier als Brücke über dem Bug des Schiffes hängend und von einem mit einem Gewicht versehenen Enterdraggen in Balance gehalten.
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Im Jahre 201 v. Chr. trat im östlichen Mittelmeer eine ehrfurchtgebietende Seemacht auf den Plan: die neue römische Flotte. Eine lange Zeit in ihrer Geschichte hatten sich die Römer zunächst nur als Ackerbauern, Viehzüchter und Infanteristen betätigt - das Meer war ihnen fremd geblieben. Seit etwa 500 v.Chr. hatten sie sich von ihren angestammten Sitzen an den Ufern des Tiber gelöst und die Völkerschaften des Apennin und der Ebenen sowie die griechischen Kolonien Süditaliens unterworfen. Die römische Herrschaft verschmolz im Verlaufe zweier Jahrhunderte diese wesensverschiedenen Völkerschaften durch ein dynamisches, flexibles und (für damalige Zeiten) demokratisches Regierungssystem, gebildet aus oligarchischem Senat, Volksversammlung und Beamtenhierarchie.
Roms Macht gründete sich auf seine Armee. Die Herrschaft über die Meere blieb den Erben Alexanders und - besonders im Westen - den Karthagern, Nachfahren der Phönizier, vorbehalten. Als die Römer zu Lande gerade ihre Macht in den eroberten Gebieten gefestigt hatten, hatte die einstige phönizische Kolonie an der nordafrikanischen Küste ein gewaltiges Seeimperium begründet, in das sich Häfen zwischen Tanger und Tripolis an der heutigen libyschen Küste ebenso einreihten wie die Garnisonsaußenposten Spaniens (die die Silberminen des Hinterlandes kontrollierten), Sardiniens und Westsiziliens.
Bei allem Machthunger schienen die Römer dem Seeimperium Karthagos hoffnungslos unterlegen zu sein. Bis um 311 v. Chr. hatte sich Rom überhaupt keiner Flotte rühmen können, ehe man sich zwei zehn Galeeren starke Flottenverbände leistete, die den Schutz der Küstenstädte vor Piraten übernahmen. Die ersten Flottenoperationen der jungen Republik endeten denn auch unrühmlich. Als nämlich im Jahre 310 v. Chr. eine der kleinen Flotten einen Überfall von See aus unternahm - es galt, eine Rebellion in der Nähe Pompejis niederzuschlagen -, suchten die Schiffssoldaten ihr Heil in der Flucht zurück auf die Schiffe, und die altgediente römische Landarmee mußte zwei Jahre später die Scharte auswetzen, indem sie die Rebellen zur Räson brachte. In Jahre 282 v. Chr. segelten die römischen Galeeren zum Angriff auf die griechische Stadt Tarent im Absatz des italienischen Stiefels. Die Flotte wurde prompt vernichtet - wiederum mußte die Armee die Unterwerfung erzwingen. Nach diesem Debakel verrottete die kleine Flotte 20 Jahre lang in ihren Schuppen, so daß um 264 v. Chr. das Römische Reich nicht über ein einziges einsatzfähiges Kriegsschiff verfügte.
Im Frühjahr 260 erließ der römische Senat ein erstaunliches Dekret. Eine Nation, die kein einziges Kriegsschiff besaß - und, wie Polybios schrieb, weder über "das zum Bau notwendige Material" verfügte noch "jemals auch nur den Gedanken an einen Seekrieg" gefaßt hatte - wurde aufgefordert, hundert Quinqueremen und zwanzig Triremen innerhalb von 60 Tagen zu bauen. Quinqueremen bildeten das Rückrat der karthagischen Flotte; würden die Römer diesen nichts entgegensetzen, wäre der Kampf bereits entschieden gewesen, ehe er eigentlich begonnen hätte.
Schiffbauer, die nach der Anweisung der Senatoren hätten verfahren können, standen Rom nicht zur Verfügung - man besaß keine einzige Quinquereme -, von erfahrenen Ruderleuten oder Matrosen ganz zu schweigen. Doch waren die griechischen Städte Süditaliens, nun unter römischer Oberhoheit, seit alters her mit dem Meere vertraut, und auf ihr Wissen setzten die Römer ihre Hoffnung. Zwar hatten selbst diese Städte noch nie Quinqueremen gebaut, doch spielte der Zufall den Römern ein Exemplar in die Hände. Bei einem kurz zuvor erfolgten Angriff der Karthager auf einige römische Truppentransporter in der Straße von Messina griff eine ihrer Quinqueremen, wie Polybios schrieb, "so tollkühn an, daß sie sich selber in den Grund bohrte und den Römern als willkommenes Modell der gesamten späteren römischen Flotte diente". Als geschwind-wendige Schiffe bedurften ihre Manöver erfahrener Hände: Daher kopierten die Römer das Vorbild nicht, sondern entwarfen eine plumpe, langsamere, wenn auch robustere Variante der karthagischen Schwester, sozusagen schwimmfähige Behälter für eine Landtruppe, hergestellt aus nicht abgelagertem Holz.
Erfahrene Ruderleute waren jetzt in Gold nicht aufzuwiegen, die Flotte benötigte mehr als 30 000. Solcher Dienst war unvereinbar mit der Würde römischer Bürger, dazu taugten die zähen Hirtenbauern des Hinterlandes. Römische Galeeren wurden jedoch stets von Freien gerudert; die Rede von den "Galeerensklaven" gehört ins Reich der Legende. Die verdutzte Landjugend simulierte scharenweise auf provisorisch zusammengezimmerten Bänken zum Takt des Zeitgebers das Rudern auf dem Trockenen. Während ihr Schweiß in Strömen floß, hämmerten, paßten und kalfaterten Schiffbauer die Flotte in solcher Eile zusammen, daß innerhalb von zwei Monaten eine zwar nicht formvollendete, aber doch umfangreiche Armada von 120 Schiffen fertiggestellt war, auf deren Ruderbänken halbausgebildete Dorfhirten Platz nahmen. Mit unterdrückten Flüchen und unter Stoßgebeten fand die erste kurze Generalprobe auf dem Meer statt. Die Römer hatten eine Flotte aus dem Boden gestampft, noch ehe die Karthager recht begriffen, was eigentlich vor sich gegangen war.
Im Juni des Jahres 260 schlingerte diese Flotte schwerfällig vom Tiber aus an der italienischen Südwestküste entlang und traf im sizilischen Syrakus ein. Als die Flotte hier vor Anker lag, brütete das Hirn eines unbekannten genialen Erfinders eine Neuerung aus, die die Kriegsführung zur See revolutionieren sollte. Dieser anonyme Erfinder begegnete der überlegenen Wendigkeit und Manövrierfähigkeit der Karthagischen Flotte mit der Vorrichtung des corvus, das bedeutet "Rabe" - eine etwa elf Meter lange Enterbrücke, die drohend an einem kräftigen Mast am Bug des Schiffes aufragte. Sie war an einem Flaschenzug aufgehängt und um den Mast als Drehzentrum seitwärts ausschwenkbar. Am Ende dieser Laufbrücke befand sich ein eiserner Sporn, der krachend auf das feindliche Deck aus einer Höhe von sechs Metern niederfuhr, sobald die Haltevorrichtung gelöst wurde. Die Römer stürmten dann zu zweit nebeneinander über diesen festgenagelten Steg. Bei derartigen Attacken gab die Zahl der Soldaten den Ausschlag, ganz im Gegensatz zur Ramm- und Wurfgeschoßtaktik. Daher war jede römische Galeere außer der vollzähligen Besatzung von 40 Seesoldaten mit weiteren 80 Elitelegionären bemannt. Die Karthager ließen es derweil mit dem Schutz ihrer süd- und westsizilischen Städte nicht genug sein, sondern suchten auch die Nordküste der Insel mit einer Flotte von 130 Kriegsschiffen heim.
Der Oberbefehlshaber der karthagischen Flotte, ein mittelmäßiger Admiral, hieß Hannibal - mit dem berühmten späteren Feldherrn hatte er allerdings nur diesen in Karthago nicht eben seltenen Namen gemein. Dieser Hannibal sah mit wachsender Zufriedenheit die schlingernden Schiffe seiner Feinde auf sich zukommen, die die sizilische Küste bei Mylae freizukämpfen gedachte.
Der Kommandeur der römischen Flotte war Konsul Gaius Duilius, der eigentlich den Kampf zu Lande gewöhnt war. Entschlossen, einen Kampf Mann gegen Mann zu führen, steuerte er seine Galeeren auf geradem Weg direkt in die herannahenden feindlichen Reihen hinein. Als die Karthager die Schiffe rammten, sausten die Raben herab - Duilius feierte den ersten Sieg seines Landes. Vier Jahre später fühlten sich die Römer stark genug, auf das Herz des karthagischen Imperiums zu zielen, auf die Hauptstadt an der Küste Nordafrikas.
Mit der Abtretung Siziliens an die Römische Republik endete im Jahre 241 v. Chr. der 1. Punische Krieg. Zwei weitere dieser Kriege sollten während des nächsten Jahrhunderts folgen.
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Die Pax Romana - lat: römischer Friede
Kaiser Augustus
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Im Jahre 27 v. Chr. wurde Oktavian als Cäsar Augustus der erste römische Kaiser. Eine seiner größten Leistungen bestand darin, die Flottenorganisation so effektiv zu gestalten, daß seine Nachfolger sie zwei Jahrhunderte lang fast unverändert beibehielten. Wie schon Pompejus bei der Bekämpfung der Piraten, so teilte auch Oktavian das Meer in Sektoren ein, die von bestimmten Geschwadern patrouilliert wurden.
Doch das Herzstück der römischen Kriegsmarine wurde Misenum. Von der Anlage her bestand diese Flottenbasis aus einem geschützten inneren Hafen, der durch einen engen Kanal mit einem äußeren Hafen, einem abgesunkenen, wassergefüllten Vulkankrater, verbunden war.
Misenum
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Von hier aus kontrollierte eine erstklassige Staatsflotte das westliche Mittelmeer und überwachte entlegenere Teile. Die Geschwader der römischen Provinzen bestanden aus leichten Galeeren und Liburen, die 50 Schiffe umfassende Flotte Misenums bildeten jedoch vorwiegend Triremen oder höherklassige Fahrzeuge - Quadriremen, Quinqueremen und ein Flaggschiff der Sechserklasse. Die Matrosen der imperialen römischen Flotten rekrutierten sich aus den traditionell seefahrenden Völkern des Mittelmeerraumes, den Griechen, Syrern, Phöniziern, Ägyptern und sogar den an Flüsse gewöhnten Slawen. Zahllose junge Leute zwischen 18 und 23 Jahren aus entlegenen Gegenden des Imperiums - aus Balkandörfern, Hafenstädten des Nahen Ostens oder der Inselwelt der Ägäis - ließen sich von der Marine Misenums oder Ravennas anwerben. Nach 26 bis 28 Dienstjahren kamen die Seeleute zur Belohnung in den Genuß der römischen Bürgerrechte, und wenn sie starben, wurden sie in Misenum oder Ravenna unter hübschen, kleinen Grabmalen bestattet, auf denen die Geschichte ihrer Laufbahn zum ewigen Gedächtnis eingemeißelt war.
Die Römer achteten die Flotte stets weniger als die Armee. Ganz im Gegensatz dazu stand die Marine bei den alten Seefahrervölkern offenbar in hohem Ansehen. Wenn der Marine auch der Glorienschein der Legion abging, die Rekrutierungs- und Ausbildungsmethoden ähnelten denen der Armee. Die Schiffsmannschaften, egal wie groß sie waren, wurden nach dem Vorbild der Armee in Einheiten von je hundert Mann aufgeteilt: Eine solche Hundertschaft, centuria genannt, wurde von einem centurio befehligt. Der römische Matrose empfand sich jedoch so sehr als Soldat, daß er sich auch so nannte: miles. Das römische Wort für Matrose, nauta, war bei der Marine hingegen nicht gebräuchlich.
Wurde auch der Kampf zur See während der großen Zeit des Imperiums zur Scharade, so erlebte der Seehandel eine nie zuvor erreichte Blüte und Vielfalt. Die römische Handelsmarine wurde wie die Kriegsmarine von Griechen, Syrern und anderen Angehörigen alter Seefahrervölker organisiert und bemannt.
Die Handelsschiffe glichen im wesentlichen ihren um 500 Jahre älteren Vorläufern - rund und geräumig, hatten sie eine Breite, die ein Viertel, mitunter ein Drittel ihrer Länge ausmachte. Die Schiffe unterschieden sich also weniger durch die Konstruktion als durch ein höheres Fassungsvermögen von ihren Vorläufern. Zwei oder gar drei Decks sowie eine Kombüse am Heck, wo gekocht wurde, stellten bei größeren Schiffen keine Seltenheit dar. Am Heck waren ebenfalls die überhängende Latrine angebracht, ein Altar sowie das Bild der Schutzgottheit des Schiffes - von Apollo, Aphrodite oder einem anderen aus der Vielzahl der Schutzpatrone. Oftmals gaben diese Götter dem Schiff seinen Namen, der zu beiden Seiten des Bugs eingeschnitzt oder aufgemalt war. Es gab einen riesigen Frachter, der am Heck eine der Göttin Aphrodite geweihte, reich ausgeschmückte Kapelle besaß. Es gab Handelsschiffe, die vorwiegend verderbliche Ware transportierten oder die in Küstenregionen mit beständigen Richtungswechseln des Windes zu rechnen hatten und deshalb zusätzliche Riemen benutzten. Massiger zwar als Kriegsgaleeren, doch gewandter als Segelschiffe, zeigten sich die Vorteile dieser Handelsgaleeren bei Flaute oder beim Einlaufen in einen Hafen.
Den größten künstlichen Hafen der Antike, Portus, legte Kaiser Claudius im Jahre 42 n. Chr. vor der Schwemmlandküste etwa drei Kilometer nördlich der Tibermündung an. Der Hafen Portus nahm wie der ältere Nachbarhafen Ostia einen raschen Aufschwung. In Ostia wohnte nicht nur eine Reihe von Arbeitern aus Portus, hier befanden sich auch die Handelskontore und Verwaltungsbüros beider Häfen.
Im 1. Jahrhundert förderte Kaiser Claudius die römische Handelsschiffahrt. Ostia, dem Hafen an der Tibermündung, stattete er mehrere Besuche ab. Als die begrenzte Kapazität Ostias zur Verschärfung einer Kornkrise in Rom führte, ließ er in der Nähe Ostias einen neuen, modernen Hafen anlegen - einfach Portus genannt.
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Als die Molen des neuen Hafens Portus durch schwere Stürme im Jahre 104 n. Chr. zerstört wurden, ließ Kaiser Trajan eine zusätzliche Anlage entwerfen - einen weiter landeinwärts liegenden, besser geschützten Hafen, der mit dem äußeren Teil verbunden war. Trajan sorgte auch für die Verbreiterung der Kanalverbindungen zwischen Portus und dem Tiber.
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Der Anteil der Sklaven am Aufbau des Römischen Imperiums kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Die von Augustus geschaffene Staatsbürokratie lebte fast ausschließlich von Sklaven, da freie Römer diese Tätigkeiten als äußerst erniedrigend empfanden. Das augusteische Verfahren der Besetzung der Verwaltungsposten mit Sklaven und Freigelassenen wurde überall im Imperium angewendet. Freigelassene durften ins Geschäftsleben eintreten. Tausende von ihnen sammelten mit Fleiß und Geschick ein Vermögen an und kauften sich ihre eigenen Sklaven. Darüber hinaus gewährte Kaiser Claudius den Freigelassenen, die ihr Kapital in die Ausrüstung von Handelsschiffen investierten, die vollen Bürgerrechte; Nero bezog später auch alle jene in die Vergünstigung mit ein, die ihr Geld in den Schiffbau steckten.
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Ein berühmtes Opfer des Vesuvs
Als am 24. August im Jahre 79 n. Chr. der berühmte Ausbruch des Vesuv seinen Anfang nahm, war kein Geringerer als Plinius der Ältere, Autor einer gewaltigen Enzyklopädie und ein Mann, der das Geschehen in der Welt mit beinahe legendärer Wißbegier verfolgte, Kommandant des römischen Marinestützpunktes im nahe gelegenen Kap Misenum. Obwohl mit 56 Jahren fettleibig und asthmatisch, ließ er sogleich einige Kriegsschiffe in Richtung Vesuv auslaufen. Plinius notierte präzise wissenschaftliche Beobachtungen über das Ereignis und landete gut sechs Kilometer südlich von Pompeji in Stabiae. Dort aß er in der Villa eines Freundes und legte sich unbeeindruckt von der Angst seines Gastgebers in aller Ruhe zum Schlafen nieder, während es vom Himmel Asche und Bimssteine regnete und die Ausbrüche des Vesuv die Villa in ihren Grundfesten erschütterten und die See aufwühlten.
Gegen Morgen waren sie so gut wie lebendig begraben. Der Neffe des Flottenkommandanten, Plinius der Jüngere, berichtet, das Tageslicht sei "dunkler und undurchdringlicher als je eine Nacht" gewesen, und dennoch sei sein Onkel zum Strand hinuntergegangen, "um an Ort und Stelle die Möglichkeiten eines Fluchtweges über See zu überprüfen, doch fand er die Wellen noch zu wild und gefährlich". Während seine Begleiter vor dem Feuerregen flüchteten, blieb Plinius der Ältere, auf zwei Sklaven gestützt zurück, bis er infolge der dichten Schwefeldämpfe zusammenbrach und erstickte. Zwei Tage später, so berichtet sein Neffe, wurde der Körper nahezu unversehrt aufgefunden, "noch ganz bekleidet und eher schlafend als tot aussehend". In Pompeji selbst fielen 2000 Menschen dem verheerenden Ausbruch des Vesuv zum Opfer.
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